Den nördlichsten Beleg für das Appellativ stellt das der Winzersprache angehörige
Neutrum Neugereut ,frisch gerodetes und mit Reben bepflanztes
Land1 in der ehemaligen hessischen Exklave Wimpfen im Lkr. Heilbronn dar
(SHessWb 2, 1264 und 4, 969).348 SHessFln 403 nennt einen singulären Beleg
von der Bergstraße: amtlich Im Gereut, mundartlich mit Entrundung [im
garend], historisch 1588 im Gereude.
ln der Mundart der Pfalz ist das Wort Gereute nicht mehr lebendig; daher
verzeichnet PfälzWb 3, 223 keine appellativischen Belege. Es werden aber
einige Flurnamen für die Gemarkung Bierbach genannt: 1298 in dem gerude,
1596 das geraidt, 1634 ein Geriedt; ferner ein Flurname Gereutegraben in
Homburg-Einöd: 15. Jh. die Große buche herabe in den gerude graben.
Im Oberdeutschen ist Gereute überall nachzuweisen. Das Alemannische
fuhrt vor Konsonant die Diphthongierung von mhd. /ü/ nicht durch. Jedoch
wird in Gebieten ohne Diphthongierung die Digraphie im Frühneuhochdeutschen
in die Schriftlichkeit übernommen. So stehen fast überall diphthongierte
und nicht diphthongierte Formen nebeneinander. Ferner sind Formen mit gerundetem
Vokal belegt und solche, die Entrundung der undiphthongierten Variante
Geriite oder der diphthongierten Variante Gereute zeigen. Im Anlaut
steht teilweise k, das in der Zweiten Lautverschiebung aus g entstanden ist.
Häufig ist im Oberdeutschen der Präfixvokal synkopiert.
Im Eisass lauten die Formen Geriit, Grüt, teils auch entrundet Krit. Das
Wörterbuch der elsässischen Mundarten führt Belege aus dem südlichen
Département Bas-Rhin und aus dem Département Haut-Rhin an. Es handelt
sich hier um ,ein Stück unbebautes Land, das von der Gemeinde den Bürgern
zum Anbauen unentgeltlich übergeben wird4 oder um einen ,unbebauten,
waldlosen Hügel, auf dem besonders viel Haide wächst4. Für Grüt wird die
Bedeutung , Acker am Berge4 angegeben (ElsWb 1, 286 und 2, 307).
Für den alemannisch-fränkischen Grenzgürtel am Oberrhein weist SCHNEI¬DER
1962, 117 daraufhin, dass sich Reute überall neben dem ,fränkischen
Import4 Rod (so Kleiber 1957, 178) behauptet habe. Unter den Reute-Flurnamen
führt Schneider 1962, 119-125 eine Anzahl Gereut-Namen auf,
die ältesten davon aus dem 14. Jahrhundert.
ln der badischen Mundart bedeutet Gereut ,Rodung, Platz wo Wald ausgereutet
ist4. Kritt hat dort auch die spezielle Bedeutung ,Rheinvorland4, ln
Flurnamen begegnen Varianten mit den Anlautvarianten [g] und [k] sowie mit
gerundetem und ungerundetem Vokal (BadWb 2, 372). Flurnamensammlungen
für die Freiburger Bucht und für den Kaiserstuhl weisen Belege nach, die
mhd. geriute n. ,durch riuten urbar gemachtes Landstück4 fortsetzen, z. B. 13.
Jh. des grebers gerüthe, 1310 zu des Giseies geriite, 1316 in dem Geriite, dialektal
mit Entrundung grit (ROOS 1966, 322f.; Wenninger 1997, 169).
4S ln der deutschen Winzersprache ist Gereut ein Ausdruck für den neu angelegten
Weinberg, vgl. Puhl 2008, 452.
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