Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Texten  berichtenden  Inhalts.  Ferner  nennt  das  FrnhdWb  das  Verb  gereuten
,etw.  (ein  Waldstück  o.  ä.)  roden,  urbar  machen4  und  die  Komposita
gereutacker,  gereuterhacken,  gereuterholz,  gereutmachung,  gereutregister,
gereutwiese,  gereutzehent.
Die  Ausgangsform  von  Gereute,  ahd.  riuti,  hat  eine  Entsprechung  in  anord.
rjödr  n.  ,Lichtung;  eig.  gerodete  Stelle4  und  aengl.  gerieäre  n.  ,  Rodung,  Lichtung4
  aus  einem  s-haltigen  Stamm  germ.  *reuäran  n.  (Df.  VRIES  1961,  449;
Holthausen  1974,  259;  Kluge  761  f.;  Orel  303).
Gereute  bezeichnet  eine  Rodungsart,  bei  der  die  Bäume  samt  ihrer  Wurzel
entfernt  werden.  Auf  der  substantivischen  Grundlage  ahd.  riuti  ist  ein  schwaches
  Verb  riuten  ,reuten4  gebildet.  Reute  und  reuten  sind  die  oberdeutschen
Entsprechungen  der  standardsprachlichen  Wörter  Rod(ung)  und  roden.
Als  Siedlungsname  ist  Gereute  in  den  rezenten  Varianten  Gereut(h),
Greut(h),  Kreut(h)  vor  allem  in  Baden-Württemberg,  Bayern  und  Österreich
verbreitet.  Darüber  hinaus  verzeichnet  Förstemann  je  einen  Siedlungsnamen
für  die  ursprünglich  fränkische  Siedlung  Hildburghausen  im  südlichen  Thüringen
  und  für  die  Nordschweiz,  bei  Stoffel  ist  ein  elsässischer  Siedlungsname
  nachgewiesen  und  das  Altdeutsche  Namenbuch  (ANB)  nennt  einen  Beleg
  aus  Südtirol:'4
(1)  Troschenreuth,  Stadt  Pegnitz  (Lkr.  Bayreuth):  1062  Drogessongeruite;
(2)  Kreith,  Gde.  Hohenlinden  (Lkr.  Ebersberg):  1080  Giriuta\
(3)  Unterrüti,  jetzt  zu  Merenschwand  (CH,  Kt.  Aargau,  Bez.  Muri):  11.  Jh.
Gruti;
(4)  Wüstung  bei  Durlach,  Stadt  Karlsruhe:  1110  Grasingesgerutr,
(5)  Greuth,  Gde.  Kronburg  (Lkr.  Unterallgäu):  1178  Gerute;
(6)  Gerhardtsgereuth  (Gde.  und  Lkr.  Hildburghausen):  1181  Gerhartisgirute;

(7)  Gareit,  ital.  Caredo,  Gde.  Brixen  (I,  Prov.  Bozen):  um  1189  Gerevte,
um  1189  in  monte  Gerüte;
(8)  Gerevt,  nicht  identifiziert  (A,  Steiermark,  in  der  Gegend  von  Laßnitz
bei  Murau?):  Fä.  1232  auf  1181  vii  mansos  iuxta  Lazinich  uuolgo  propter
  nouitatem  Gervt  appellatos;
(9)  tGereut  bei  Altenburg  (A,  Niederösterreich,  pol.  Bez.  Horn):  1260/80
curia  Gereut',
(10)  Kruth  (F,  Haut-Rhin,  Arr.  Thann):  1342  de  Gereuth.
C. Gereute  ist  als  Wort  und  als  Name  fast  nur  im  Oberdeutschen  verbreitet,
während  die  einfache  Form  (nhd.  Reute)  noch  weit  in  das  Westmitteldeutsche
und  vereinzelt  sogar  in  das  Niederdeutsche  hineinreicht  (vgl.  Bach  II,  2,  §  615;
JELLINGHAUS  149f;  MndHdWb  II,  2,  2300:  niden  ,ausräumen,  säubern4).

347  ANB  1,  397  und  408;  Förstemann  II,  1,  745,  1006,  1046  und  1092;  Schuster  2,
1990,  153;  Stoffel  1876,  309f.

318
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.