Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

kehlheck  (AD  Mos  E  depot  553  DD  2).  Richeling  (Sa):  1726  or.  dt.  dass  kurtz
geried  /  weyer  geried  (AD  Mos  4  E  474).  Saint-Jean-Rohrbach  (Sa):  ca.
1770  or.  fr/,  im  ersten  ahwender  geried  /  in  des  lang  bernets  grosen  geried
(AD  Mos  24  J  105).  Seingbouse  (SA):  1708  or.  dt.  an  bernets  mördtell
geriedt  /  dass  mitter  geriedt  (AD  Mos  4  E  524).  Spicheren  (Fb):  1689  dt.  im
langen  geriedt  (ALLMANG  Spicheren,  147).  Theding  (Fb):  1697  or.  dt.  an  der
gerieder  marcken  /  in  den  zwerch  geriederen  (AD  Mos  4  E  546).  Webenheim
(Hb):  1564  kop.  ca.  1564  dt.  im  bircken  geruete  (SCHARF  Stella,  44),  1624/25
or.  dt.  im  bircken  geredt  (LA  Sp  C  33/15d2),  o  Im  Birkengerüth  [im
binko'kreit].
(Vgl.  Abb.  45)
B. Im  Althochdeutschen  sind  das  dem  Kollektivum  Gereute  und  dessen  Lautvarianten
  Geräte  und  Geriedt346  zugrundeliegende  Substantiv  riuti  n.  gerodetes
  Land,  Rodung4  (nhd.  Reute)  sowie  die  Komposita  niuwi-gi-riuti  und  niuwiriuti
  als  Glossenwörter  belegt  (AhdGl  7,  114,  116  und  449;  Splett  I,  2,  760),
bei  Notker  kommt  das  Wort  im  Bestimmungsteil  des  Kompositums
riutesegensa  f.  ,Sense4  vor  (AhdWbSchÜTZEICHEL  240;  ChWdW9  684).
Gereute  ist  die  Variante  mit  durchgeführter  neuhochdeutscher  Diphthongierung.
  ln  Geräte,  das  im  Alemannischen  vorherrscht,  ist  die  Diphthongierung
  unterblieben.  Die  Form  Geriedt  ist  mit  Vokalentrundung  aus  Geräte  entstanden.
  Eine  auf  Gereute  zurückzuführende  entrundete  Form  Gereite  existiert
ebenfalls,  wenn  auch  seltener;  sie  ist  vor  allem  in  jüngerer  Zeit  im  Bairisch-Österreichischen
  belegt.  Mit  Synkope  des  Präfixvokals  entstehen  Formen  wie
Greut,  Grüt,  Grit  sowie,  mit  Lautverschiebung,  Kreut,  Krit  usw.
Mhd.  geriute  n.  ,Rodung,  gerodetes  Land4  erscheint  daher  im  Alemannischen
  überwiegend  mit  undiphthongischen  Schreibungen  wie  (iu),  (iv),  (v)
usw.,  im  Bairischen  mit  den  diphthongischen  Schreibungen  (ev),  (eu)  (WMU
1,658).  Bei  Konrad  von  Würzburg  ist  die  Form  geriute  belegt  (DWB  5,  3632;
LEXER  1,  884).
Für  das  Frühneuhochdeutsche  verzeichnet  Baufeld  107  eine  diphthongische
  Variante  gerewdt  n.  ,urbar  gemachtes  Land4.  Das  FrnhdWb  6,  1047f.
nennt  unter  der  Leitvariante  gereute  n.  diphthongierte  Formen  mit  den  Graphien
  gereütt-,  gerewte,  gereut,  nicht  diphthongierte  Formen  aus  dem  Alemannischen
  wie  gerütte,  gerüte  und  Formen  mit  Synkope  des  Präfixvokals
wie  Greutten,  greif.  Das  Wort  bezeichnet  nach  dem  FrnhdWb  die  Rodung  als
Handlung  und  metonymisch  den  ,Neubruch,  durch  Rodung  entstandene  Fläche
  im  Wald,  die  landwirtschaftlich  genutzt  wird4.  Es  sei  ein  oberdeutsches
Wort  und  komme  in  Rechts-  und  Wirtschaftstexten  vor  sowie  in  literarischen

4<1  Im  Untersuchungsgebiet  sind  die  Formen  Gerüte  und  Geriedt  belegt;  das  in  diesem
Namenartikel  als  Leitvariante  verwendete  Gereute  kommt  hier  nur  in  entrundeter
Form  vor,  vgl.  Abschnitt  D.

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