Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Saar-Mosel-Raum  verweist  auf  weit  zurückliegende  mittelalterliche  rechtshistorische
  und  soziokulturelle  Verbindungen  nach  Süden  und  Südwesten.  Nach
dem  Zeugnis  der  historischen  Flurnamenbelege1'  zu  urteilen  ist  eine  Ausbreitung
  des  Wortes  spätestens  ab  dem  13.  Jahrhundert  anzunehmen:
In  Hesse:  13.  Jh.  dt.  nebent  dem  almendewege;  in  Medelsheim:  13.  Jh.  dt.  almendin
  Sarraltroff:  13./14.  Jh.  or.  dt.  an  dem  almende  /  am  almende  /  vff  dz  almende;
  in  Kirkel-Neuhäusel:  13./14.  Jh.  or.  dt.  vff  dem  almant;  in  Weiterswiller:
1366/67  or.  dt.  an  dem  almenden;  in  Fechingen:  1426  or.  dt.  bis  an  ffechinger
alemende;  in  Altheim:  1428  or.  dt.  allmend  /  die  almend  uff  dem  ryne.
Das  massenhafte  Vorkommen  des  Namens  und  der  häufige  Gebrauch  von
Allmende  im  Saar-Mosel-Raum  ist  die  Erklärung  für  die  Vielzahl  von  sprechsprachlichen
  Formen,  wie  die  im  Untersuchungsraum  am  häufigsten  vorkommenden
  (mda.)  Varianten  Allmut,  Allmet,  die  durch  Endsilbenabschwächung
(und  infolge  zunehmender  Anfangsbetonung?)  entstanden  sind,  und  auch  für
Kurzformen  wie  Alma:  vgl.  in  Cappel  bei  St.  Avold  1690  or.  dt.  unden  am
allmuth  /  dass  gemeine  almeint.  1753  or.  frz.  au  dessus  de  l'almouth,  amtl.
Allmend  ['a:lma].
Die  selten  vorkommenden  Aliment-Belege,  wie  z.  B.  in  Walsheim:  1791  or.
dt.  das  kleine  Aliment  /  das  grosse  Aliment  /  hinter  dem  grosen  Aliment,  amtl.
Kleine  Allmend  ['gle:n  'admot]  sind  auf  die  irrtümliche,  volketymologische
Herleitung  aus  lat.  alimentum  ,Nahrungsmittel,  Nahrung4  zurückzuführen.
Diese  Lautvariante  ist  vor  allem  ab  dem  18.  Jahrhundert  belegt.  Vereinzelt  ist
die  umgelautete  Form  Eimen  belegt,  vgl.  Bining  1758  or.  Eimen,  Völklingen
1685  or.  dt.  am  Elmert.  In  historisch  belegten  Flurnamen  ist  gelegentlich  die
Variante  mit  mhd.  (ei)  zu  verzeichnen,  vgl.  Blanche-Eglise:  1688  or.  frz.
dessus  le  schifft  Allemein,  amtl.  Le  Schiffstalimin.  Ferner  ist  die  Hebung  des
Langvokals  /ä/  zu  /0/  zu  verzeichnen,  vgl.  Heckendalheim:  amtl.  Am  kleinen
Allmend  [em  'glemo  'o:lmet].  "s
Es  ist  unklar,  ob  die  ,4/mo.se/7-Belege,  wie  z.  B.  Spicheren:  1569  dt.  das
grosse  Almosen-guth  koellner;  St.  Arnual:  1763  or.  dt.  Almosenstiicker  als
Nebenformen  von  Allmende  zu  interpretieren  sind:  Es  ist  zumindest  Interferenz
  mit  Almosen  n.  <  kirchenlat.  eleemosyna  f.  ,Mitleid4  anzunehmen.
Sehr  interessant  sind  die  Allming/Allmeng-Belege,  die  im  Untersuchungsraum
  sowohl  im  germanophonen  Lothringen,  vgl.  Langatte  /  Langd:  1739  or.
frz,  vor  süss  Ahlming,  amtl.  Fisalleming  ['sisalmint  /  'sisalmip],  als  auch  im
Krummen  Eisass  Vorkommen,  vgl.  Mackwiller:  1757  or.  dt.  aud  den  süss
Allming,  amtl.  Sauer  Allmend  [zy:ral'mn]]  /  Sussalming  [ze:zal'm3ij],  Keskastel:
  amtl.  Sau  Almend  ['zaoalmn]].  Dieser  Befund  lässt  sich  mit  dem  aus  den

337  ASFSL-Material.
338  Zur  Genese  von  Hebung  und  Senkung  und  zu  deren  Vertretung  in  den  rezenten
Mundarten  vgl.  Wiesinger  1983c.

313
            
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