Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

171  und  203;  vgl.  die  Belege  in  den  Abschnitten  A  und  D).  Das  RHEINWB  5,
1044ff.  belegt  das  Wort  für  das  Rheinland  nicht:  Dort  gilt  Gemein(d)e,  Gemeinheit
  f.  Gemeinebesitz;  Gemeindeland1  (Dittmaier  87  und  Karte  17).
Im  Badischen  ist  Allmende  meist  f.  Gemeindeland,  den  Bürgern  von  gewissem
  Alter  ab  auf  Lebenszeit  verliehenes  Feld1  neben  den  Formen  almaind,
almende,  almende,  almenden,  allmendt  usw.  belegt.  Das  Wort  kommt  in  Ortsund
  besonders  in  Flurnamen  vor,  wo  auch  die  verkürzten  Formen  alme,  almed
belegt  sind  (BadWb  1,33).
Das  SCHWÄBWB  1,  142ff.  verzeichnet  Allmende  (mda.  almdd,  (¿Imsd)  meist  f.
(gelegentlich  auch  m.  oder  n.)  Gemeindeland,  aus  Weideland,  Wald,  Wasser
bestehend;  zumeist  Weid-,  auch  wohl  Wiesland,  dessen  Nutzung  durch  die  einzelnen
  Gemeindeangehörigen  auf  verschiedene  Weise  erfolgen  kann1,  mit  Hinweisen
  auf  zahlreiche  ältere  Belege  in  Ortsnamen.  Ältere  appellativische  Belege
gehen  auf  das  13.  Jahrhundert  zurück,  vgl.  z.  B.  1207  Compescuum,  id  est
teutonice  Almeinde  vel  Gemeinweida:  Die  Form  mit  -ei-  herrscht  in  den  ältesten
Quellen  vor  und  ist  deshalb  als  die  ursprüngliche  Form  anzusehen.  Die  heute
beherrschenden  Mundartformen  almdd,  qlmdd  (mit  Umlaut)  sind  als  sprechsprachliche
  Verkürzungen  anzusehen.  Umgelautete  Nebenformen  wie  Elman
und  Elmand  sind  bereits  im  15./16.  Jahrhundert  belegt.  In  der  Schweiz  ist  Allmeind
  f.  ,der  ungeteilte  Grundbesitz  einer  Gemeinde  1)  an  Weideland,  zu  gemeinsamer
  Benutzung,  im  Gegensatz  zu  einzelnen,  umhegten  Grundstücken,
welche  von  Privaten  besessen  und  kultiviert  werden,  2)  an  Wald,  3)  an  Wasser
und  Fischfang'  sehr  geläufig  (SchweizId  1,  190f.).  Auch  hier  herrschen  in  den
ältesten  Quellen  Formen  mit  -ei-  vor.  die  entsprechend  als  die  ursprünglichen  zu
interpretieren  sind.  Die  Nebenformen  Allmed,  Allmid  usw.  entstehen  infolge  eines
  Verkürzungsprozesses  des  ursprünglichen  Allmeind:  Allmig  leitet  sich  aus
Allmid  her,  wie  Abig  aus  Abid  ,Abend'.  Das  BayWb  1,  1613  verzeichnet  Almend
  als  ein  Wort,  das  vor  allem  im  Alemannischen  belegt  ist.
D. Das  ursprünglich  wohl  alemannische  Wort  Allmende  Gemeindeland;  Gemeindewiese'
  ist  im  Zusammenhang  mit  den  Rechtsverhältnissen  in  der
Landnutzung  zu  sehen  -  das  Wort  stellt  einen  wichtigen  Rechtsbegriff  der
mittelalterlichen  Dorfordnung  dar  (SCHM1DT-W[EGAND  1981,  9fi;  DWB  1,
237f.;  HRG2  1,  169-180;  LexMa  1,439fi;  STOTZ  2002,  366).
Anhand  der  Kartierung  (vgl.  Abb.  43)  kann  man  nachvollziehen,  wie  sich
,Allmende'  im  Saar-Mosel-Raum  in  nordwestlicher  Richtung  ausgebreitet  hat;
im  südlichen  Teil  des  Untersuchungsraumes  begegnen  uns  zugehörige  Flurnamen
  an  Eichel  und  oberer  Saar,  die  Anschluss  im  Eisass  haben.  Das  häufige
Vorkommen  des  Namenwortes  im  sogenannten  Pfalzkeil  weist  auf  jüngeren
Import  aus  der  Pfalz  hin.  Das  Wort  gehört  demnach  eindeutig  in  südliche  und
oberdeutsche  Zusammenhänge:3'6  Die  Verbreitung  des  Mikrotoponyms  im

336  Vgl.  Zink  1923,  167;  Buck  1931,  82;  Bader  2,  1974,  15ff.;  Kleiber/Kunze/
Löffler  2,  1979,  Karte  57;  Schnetz  1997,  12  und  68.

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