Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Form  mit  -ei-,  welche  in  den  ältesten  Quellen  vorherrscht,  ist  ohne  Zweifel  als
die  ursprüngliche,  die  mit  -e-  als  bloße  Abschwächung  [...]  zu  betrachten“
(SCHWEIZlD  1,  191).  Es  wird  eine  spätere  Ausbreitung  des  Appellativs  in  südnördlicher
  Richtung  angenommen,  wie  sein  Vorkommen  in  Lothringen,  in
Südhessen  und  im  Frankfurter  Raum  (siehe  unten  Abschnitt  B)  nahelegt.  Eine
frühe  Verbreitung  des  Lemmas  in  Ortsnamen  des  alemannischen  Raums  kann
ab  dem  11.  Jahrhundert  angenommen  werden  (KRIEGER  1904,  41  und  43;
Förstemann  II,  1,  66;  Buck  1931,6).
C. Das  Wort  Allmende  zeigt  im  Mittelalter  in  der  räumlichen  Verteilung  einen
deutlichen  Schwerpunkt  im  Oberdeutschen  (Schmidt-Wiegand  1981,  9f;
DWB  1,  237f.).  WMU  1,  63f.  nennt  als  Verbreitungsareal  für  Allmende  gemeinschaftliches
  Grundeigentum1  „außer  Worms,  Neustadt  a.  d.  Weinstraße,
nur  alem.  und  eis.  Bel.“.
Aus  der  Auswertung  der  rezenten  Dialektwörterbücher  und  der  Flurnamenarbeiten
  ergibt  sich  folgendes  Bild:
In  der  Frankfurter  Mundart  heißt  eine  Allmei  f.  ,Allmende,  der  schmale
Streifen  zwischen  den  Häusern,  die  das  letzte  Reststück  des  königlichen,  später
  reichsstädtischen  Besitzes  am  gesamten  Grund  und  Boden  innerhalb  der
Mauerberings  waren.  Sie  wurden  durch  ein  Schild  mit  dem  Frankfurter  Adler
gekennzeichnet/  In  den  historischen  Quellen  kommt  das  Wort  oft  vor  (erst  im
18.  Jahrhundert,  FrankfWb  1,  156).  ln  Südhessen  ist  Allmende  f./n.  Gemeindeland,
  das  den  Ortsbürgern  mit  eigenem  Hausstand  auf  Lebenszeit  kostenlos
oder  gegen  Pacht  überlassen  wird1  appellativisch  belegt:  In  Hessen  wurde  die
Allmende,  als  Gemeindebesitz,  bis  ins  19.  Jahrhundert  von  Ortsbürgern  in  genau
  festgelegter  Weise  genutzt  (ShessWb  1,  193f.;  Kehrein  1891,  42;
Vielsmeier  1,  1995,  33).  Das  Wort  kommt  sehr  häufig  auch  in  südhessischen
Flurnamen  vor  (erste  Belege  im  14.  Jahrhundert),  wobei  die  Nebenformen
Alme  und  Almut  am  häufigsten  belegt  sind,  die  als  sprechsprachliche  Entwicklungen
  zu  interpretieren  sind  (SHESSFLN  161  ff.).  In  Hessen  tritt  das  Wort  sehr
häufig  in  Flurnamen  südlich  des  Mains  auf  (Vorkommen  im  südlichen  Odenwald,
  wo  Allmende  seine  Nordgrenze  erreicht),  was  erneut  darauf  hindeutet,
dass  Allmende  einem  süddeutschen  Namenraumtyp  angehört:  „die  Hauptverbreitung
  von  Allmend(e)  [ist]  heute  auf  Odenwald  und  südliches  Ried  beschränkt:
  Das  südwestliche  Allmend  findet  hier  seine  Nordgrenze  im  Hessischen“
  (HessFlnAtl  Karte  2  und  Kommentar)."4  Außerdem  kommt  Allmende
  (nur  vereinzelt)  bis  in  den  Hunsrückraum  vor  (DlTTMAIER  12  und  86,  Karte
17)/°  Im  südlichen  Lothringen  ist  Alming  [älminp]  m./n.  ,Teil  des  Bannes,

334  Vgl.  dazu  Ramge  1987b,  101-120,  hier  114f.:  „Die  Vorkommen  im  südlichen
Odenwald  [weisen  darauf  hin],  daß  Allmende  einem  generellen  -  süddeutschen  -
Namenraumtyp  angehört.“  Vgl.  außerdem  SHessFln  161  ff.
’  "  Die  Karte  ist  hier  als  Abb.  44  nochmals  abgedruckt.

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