Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

seits  auf  verschiedene  Ablautstufen  derselben  Wurzel  zurückzuführen  sind
(ähnlich  schon  DWB  29,  1575).  Die  in  L1V  67  If.  getrennt  behandelten  Wurzeln
  idg.  *ueis-  ,sprießen,  gedeihen1,  die  ahd.  wisa  und  anderen  Wiesenwörtern
  zugrunde  liegt,  und  idg.  *ueis-  ,fließen4,  auf  die  sich  die  Bezeichnungen
für  nasses  Gelände  zurückführen  lassen  und  die  in  der  alteuropäischen  Hydronymie
  eine  wichtige  Rolle  spielt,  vgl.  Krähe  1964,  50f.,  wären  dann  als  nur
eine  Wurzel  mit  der  Grundbedeutung  ,fließen,  feucht  sein,  fruchtbar  sein1  zu
betrachten,  aus  der  sich  sekundär  die  spezielleren  Bedeutungen  entwickelt  haben.
  Dies  ist  jedoch  bisher  nicht  eindeutig  geklärt.
Ebenso  herrscht  Unklarheit  über  die  Art  der  Ableitung  von  westgerm.
*wisö(n).  Nach  DWB  30,  711  handelt  es  sich  bei  Wisch  um  eine  Diminutivbildung
  *wisika  (>  *wiska)  mit  Suffix  k  zu  dem  Wort  Wiese.  Ein  Toponym
aus  dem  Eisass,  das  a.  810  als  Wisicha  belegt  ist'"  und  das  im  DWB  im  Zusammenhang
  mit  dieser  Erklärung  erwähnt  wird,  könnte  rein  formal  betrachtet
eine  solche  Diminutivbildung  -  mit  der  hochdeutschen  Form  des  Suffixes  -
sein  und  damit  die  im  DWB  vertretene  These  stützen.  Es  handelt  sich  bei  dem
elsässischen  Beleg  jedoch  um  den  Namen  des  heutigen  Wischbaches,  der  bei
dem  Dorf  Wisches  im  con  Schirmeck  in  den  Vogesen  in  die  Breusch  mündet.
Dieser  Flussname  wird  von  Greule  1973,  98f.  sehr  überzeugend  als  aha-Name
  interpretiert,  wenn  auch  die  Etymologie  des  Bestimmungswortes  nicht
ganz  klar  ist:  GREULE  zitiert  Fritz  LANGENBECK,  der  sich  mit  der  vorgermanischen
  Toponymie  des  Elsasses  befasst  hat  und  der  hier  mit  lat.  vicus  rechnet.
Eine  Zusammensetzung  von  vorgermanischem  Siedlungsnamen  und  Grundwort
  aha  ist  jedoch  sehr  unwahrscheinlich.  Da  Wisicha  mit  großer  Sicherheit
als  o^a-Name  (*Wich-aha)  zu  analysieren  ist327 328  und  daher  für  die  Argumentation
  zur  Art  der  Ableitung,  die  Wi(e)sch  zugrunde  liegt,  ausfallt,  muss  man
nicht  zwingend  von  einem  /r-Suffix  ausgehen;  ebenso  gut  kann  es  sich  um  ein
xA-Suffix  handeln.  Diese  Auffassung  wird  z.  B.  von  Laur  1992,  703  und
Falkson  2,  2000,  580  vertreten.  Das  etymologische  Wörterbuch  von  KLUGE
lässt  die  Art  der  Erweiterung  offen;  PFEIFER  1567  zieht  ein  diminutives  k-Suffix
  in  Erwägung.
Außer  in  Westfalen  -  ein  Toponym  aus  dem  Kr.  Höxter  wurde  oben  bereits
genannt  -  finden  sich  ältere  Siedlungsnamenbelege  mit  Wisch  in  relativ  großer
Zahl  noch  in  Holstein,  im  Gelderland  und  im  nördlichen  Nordrhein-Westfalen:
(2) Wisch  (NL,  Prov.  Gelderland):  10.  Jh.  in  Wiscun,  1144  or.  Bernhardus
de  Wisce,  ca.  1  150  Wisch,  ca.  1195  or.  de  Wische  (FÖRSTEMANN  II,  2,

327 Der  Beleg  findet  sich  auch,  ohne  nähere  Identifizierung,  bei  Förstemann  II,  2,
1398.  Es  handelt  sich  um  das  Dorf  Wisches  (F,  Bas-Rhin,  con  Schirmeck),  vgl.
Reichsland  Elsass-Lothringen  1220;  Richert  1986,  74.
,2S  Vgl.  auch  die  historischen  Belege  816  uhi  Uuichia  surgit  (nach  Greule  ist  Uuichia
ein  latinisiertes  *Wichaha)  und  1059  kop.  1559  uhi  Wihcaha  Bruscham  alluit
(Greule  1973,  98f.).

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