Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Nr.  36
Wisch,  Wiesch  f.  ,nutzbares,  feuchtes  Grasland1
A.  Bettviller  (Rb):  o  Wiesch.  Breidenbach  (Vo):  1758  or.  felszen  broner
wiesch  (AD  Mos  Cartes  et  plans  Nr.  986-988).  Ensdorf  (Sl):  1685  dt.
wießborgen  (LHA  Ko  218/698,  165),  o  Uff  Wischbergen.  Rahling  (Rb):  1494
kop.  17.  Jh.  A.  dt.  uff  der  breite  wischen  (LA  Sp  F  1/3  fol  272r-274v).
Remering-Ies-Puttelange  (Sa):  1693-1751  or.  frz.  schlempel  wiesch  (AD
Mos  4  E  463).  Wittersheim  (SI):  1624  dt.  in  den  wischmath  (Spies  Amt
Blieskastel,  60).
(Vgl.  Abb.  42)
B.  Eine  Ableitung  mit  k-  oder  s£-Suffix  von  westgerm.  *wisö(n)  f.  ,Wiese‘
(>  ahd.  wisa,  mnd.  wese,'24  nhd.  Wiese;  vgl.  Orel  441)  ist  nd.  Wisch,  Wiesch
f.  ,Wiese;  nutzbares,  feuchtes  Grasland4,  mnd.  wisch,  wisk(e)  f.  ,Wiese4
(MndWb  5,  739),  (ost-)mnl.  wisch,  wijsche  ,Weide,  Niederung4  (MnlWb  9,
26  73),* 325  aengl.  wisce  n.  ,überschwemmungsgefährdetes  Weideland4  (Clark
Hall/Meritt  412)  und  wisc(e)  f.  ,Wiese4  (Holthausen  1974,  399),  nengl.
dial.  wish.
Für  die  altsächsische  Sprachperiode  kann  *wiska  /  *wTska  f.  (HOLTHAUSEN
1954,  88)  nur  aus  Toponymen  rekonstruiert  werden:
(1)  10.  Jh.  in  Walliwiscun,  bei  Löwendorf  (Kr.  Höxter).326
Wegen  des  in  die  ältere  Zeit  zurückreichenden  Nebeneinanders  von  Formen
  mit  Kurz-  und  mit  Langvokal  im  Westgermanischen  ist  neben  westgerm.
*wisö(n)  auch  eine  Form  *wlsö(n)  anzusetzen.
Die  Bestimmung  der  weiteren  Herkunft  von  Wiese  und  der  Ableitung
Wisch,  Wiesch  sowie  des  Verhältnisses  zu  bedeutungsverw'andten  indogermanischen
  Wörtern  bereitet  Probleme.  KLUGE  989  sieht  eine  Verbindung  zu  hethitischen
  und  awestischen  Weidebezeichnungen  und,  etwas  zurückhaltender,
zu  lat.  vescor  ,ich  nähre  mich,  erfreue  mich4  und  got.  wisan  ,sich  freuen,
schwelgen4.  Westgerm.  *wisö(n)  wird  bei  OREL  441  als  Nebenform  von  germ.
*waisön  f.  genannt,  auf  welches  u.  a.  anord.  veisa  f.  ,Schlamm,  Sumpf  und
aengl.  wäse  f.  ,Schlamm,  Sumpfland4  zurückgehen.  OREL  geht  also  davon
aus,  dass  die  Wiesenwörter  ahd.  wisa  und  mnd.  wese  einerseits  und  die  Bezeichnungen
  für  Schlamm  und  Sumpf  anord.  veisa  und  aengl.  wäse  anderer->24

  In  ahd.  wisa  ist  das  alte  germ.  /i/  (=  idg.  /i/)  unverändert  erhalten  (AhdGr  §  31),
während  mnd.  wese  Senkung  von  /i/  zu  /e/  zeigt.
325  Zu  Flurnamen  in  den  östlichen  Niederlanden  vgl.  Schönfeld  1950,  83.
326  Die  alten  Mönchslisten  und  die  Traditionen  von  Corvey,  Teil  1,  neu  herausgegeben
von  Klemens  Honselmann,  Paderborn  1982,  153.

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