Hof (1386 de bür, de nü de weren bezytten). Als Bestandteil von Redensarten
ist das Wort seiner konkreten Bedeutung nach in der heutigen Mundart noch
bewahrt (MecklWb 7, 1270f.).
In rheinischen Flurnamen bedeutet Wehr f. ursprünglich das Nutzungsrecht
des einzelnen Bauern an der Allmende (meist Wald und Weide), dann
diese selbst4 (Dittmaier 333). Als Wort kommt Wehr in den Mundarten des
Rheinlands nicht mehr vor; ein historischer Beleg für das Appellativ ist: 1278
de iure il/o, quod ... Wergras et Banne vulgariter appellatur (LACOMBLET 2,
419). Wie DITTMAIER 334, Karte 35 zeigt, ist Wehr ,Besitzrecht an der Allmende4
nördlich der Mosel weit verbreitet, vereinzelte Ausläufer erreichen
aber auch noch den Saarbrücker Raum. Wehr wurde nur als Bestimmungswort
zusammengesetzter Flurnamen kartiert: Wehrgras (Werres), Wehrwiese,
Wehrholz, -husch, -hecke, -loh, Wehrfeld, Gewehr sowie weitere vereinzelt
vorkommende Komposita. Historische Flurnamenbelege sind (DITTMAIER
333): 1361 Werholtze, Weilburg (Lkr. Limburg-Weilburg), 1364 an dem
Wehrbusche, Millendorf (Gde. Bedburg, Rhein-Erff-Kreis), vor 1482 den
Werbusch, Kornelimünster (Aachen), 1507 das Werholtz, Gleuel (Gde. Hürth,
Rhein-Erft-Kreis), 1602 Wergras, Frechen (Rhein-Erft-Kreis), 1602 ahn der
werresdricht, Golzheim (Gde. Merzenich, Kr. Düren).
Für Hessen wird Wehr f. ,Besitz, Teil eines Besitztums4 als veraltet gemeldet
(Kehrein 1891, 441). ln Oberhessen war Wehr n. „das nach altem Hausrecht
einem Ortsbürger durchs Los zukommende Stück Gemeindewiese. Neu
angebaute Bürger haben dazu kein Recht.44 (Crecelius 899). Wehre-Flurnamen
begegnen in Süd- und Osthessen nur vereinzelt, im Gebiet von
Taunus und Wetterau nach Nordhessen liegt dagegen der Schwerpunkt der
Verbreitung. Dieses Vorkommen hat eine westliche Fortsetzung in den rheinischen
Wehre-Namen (siehe oben). Die hessischen WA^re-Flurnamen beziehen
sich auf Besitz- bzw. Nutzungsrechte. Sie kommen entweder als Simplizia im
Femininum vor oder in Kombination mit Grundwörtern wie z. B. -gras, -holz,
-land, vgl. einen historischen Flurnamen aus der südlichen Wetterau: 1340 vor
dem were hultze (HessFlnAtl Karte 5 und Kommentar; JUNG 1985, 202;
SHessFln 966f.; Vielsmeier 1, 1995, 515).
Aus dem oberen Mittelrheintal sind die Flurnamen 1499-1502 ym werhoultz
sowie 1825 auf dem Wehn\>eg zu nennen (Halfer 1988, 211), und
auch noch in Rheinhessen, im alten Stadt- und Landkreis Worms, gibt es
Wehre-Namen (RAMGE 1979, 293).
D. Nicht aufzunehmen waren Flurnamen, die Wehr mit neutralem Genus enthalten,
da diese sich auf Stauwehre beziehen. Ebenso schieden zusammengesetzte
Flurnamen aus, bei denen zwar das Genus von Wehr nicht zu erkennen
ist, die jedoch eindeutig aufStauwehre verweisen (Mühlenwehr etc.).
Simplexbelege im Femininum kommen nicht sehr häufig vor. Grundsätzlich
können sich diese zwar auch auf die Landwehr beziehen, jedoch scheinen
solche Verteidigungsanlagen im Untersuchungsraum eher selten in die Flur¬289