Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Nr.  35
Wehre  f.  ,Anteil  an  der  Mark4
A.  Alsweiler  (SW):  1400  kop.  frz.  derriere  werböesch  (BA  Tr  71,3/17,1  113).
Auersmacher  (SB):  1786/88  or.  dt.  der  wehrholzer  wald  /  unten  am
wehrholzer  weeg  /  untig  dem  wehrholzerweeg  /  oben  am  wehrholzer  weeg  /
hinter  der  obersten  frohn  obig  dem  wehr-holzer  weeg  (GEB),  o  Gemeinde
Wald  genannt  Wehrholz,  Unter  dem  Wehrholzerweg  ['unnrom  'verholst;  ve:J],
Ober  dem  Wehrholzerweg  ['ovüram  'vemholsn  ve:J].  Berg-sur-Moselle  (Ca):
1562  kop.  17.  Jh.  dt.  am  wehr  /  in  der  wergewahn  /  neben  den  wehr  Weingarten
  /  gegen  den  wehrr  Weingarten  /  zu  denn  wehrr  weingartenn  (  AD  Mos  1
E  169),  1757  or.  frz.  wehrgevan  (AD  Mos  H  4555),  o  Vervangarte
['vimvapnt],  Onter  den  verwangarte  [onorom  'vimvaqnt],  Ebring  (Fb):  o
Wehretzel  ['veredsl].  Hirzweiler  (Ot):  1745/62  dt.  in  der  wehrwies  /  im
wehrloch  (GEB),  1770  dt.  die  wehrw’iesen  /  wehrgärten  hinterm  pferch
(GEB),  o  Wehrwiesen  (di  'vemvEzo].  Kleinblittersdorf  (SB):  1789  or.  dt.  um
wehrholzerweg  (GEB),  o  Auf  Wehrholz.  Osterbrücken  (SW):  1587  dt.  vf  der
wehr  (LA  Sp  B  2/1036).  St.  Wendel  (SW):  1720  dt.  in  minner  wehrr  i  in
minninger  wehrr  (LH  A  Ko  1  C/15185,  1-1628).
Belege  mit  wer  res  <  Wehr-gras:
Remeling  (Si):  1692  or.  frz.  werrestriche  (AD  Mos  4  E  459).  Schwalbach
(Sl):  1696  dt.  in  den  werreswiessen  (GEB).
(Vgl.  Abb.  41)
B.  Wehre  f.,  mhd.  wer,  were  f.  ,Gewere,  Besitzrecht,  Besitz,  Gewalt;  Gewährleistung,
  Bürgschaft4  (Lexer  3,  767;  WMU  3,  235lf.),320  dem  mnd  .  were  f.
Gewährleistung;  das  Innehaben,  Gewahrsam,  Besitz  und  Besitzrecht;  Besitz
in  konkretem  Sinn,  bes.  Haus  und  Hof  (MndWb  5,  678f.),  mnl.  were,  weer
f./n.  ,Besitzrecht,  Nutzungsrecht;  Besitz  in  konkretem  Sinn‘  (MnlWb  9,
2212-2217),’“'  und  afries.  were,  wer,  wer,  -wäre,  war  f.  ,Dominium,  Herrschaft;
  Besitz;  Besitzrecht;  Habschaft;  Land,  Ländereien;  Hausstätte?4
(AfriesHdWb  578;  OFED  441)  entsprechen,  ist  eine  Verbalsubstantivierung

211  Die  31  Belege,  die  das  WMU  kennt,  sind  fast  alle  niederdeutsch  bzw.  mitteldeutsch.
Nur  vier  stammen  aus  dem  alemannischen  Dialektraum:  Drei  davon  finden  sich  in
städtischen  Urkunden  des  späten  13.  Jahrhunderts,  einer  ist  in  einer  Klosterurkunde
von  1296  über  der  Zeile  nachgetragen,  also  offensichtlich  nicht  einheimisch.  Es  ist
davon  auszugehen,  dass  Wehre  in  diesen  süddeutschen  Urkunden  ein  importierter
Rechtsbegriff  ist.  -  Zum  Rechtsbegriff  Gewere  vgl.  HRG  1,  1658-1667.
’2I  In  niederländischen  Toponymen  sind  die  Varianten  waar  und  weer  belegt,  das  erste
bedeutet  ,Anteil  an  der  Mark4,  das  zweite  ,Parzelle,  Grundstück4  (Moerman  1956,
263).

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