D. Wie die Kartierung der Belege (vgl. Abb. 40) zeigt, sind Wehr-Flurnamen
im nordöstlichen Teil des Untersuchungsgebietes verbreitet. Sie haben nach
Norden Anschluss im luxemburgischen appellativischen Vorkommen und im
Flumamenvorkommen des Hunsrücks. Bei den südlich und östlich von Saarbrücken
gelegenen Gemarkungen ist mit einem Einfluss von der Pfalz her zu rechnen
(über den sogenannten Pfalzkeil, vgl. Schorr 2000, 48-51 und Karte 21).
Bei der Beurteilung der mit Wehr gebildeten Flurnamen war darauf zu achten,
möglichst nur diejenigen aufzunehmen, die sich auf ein Stauwehr beziehen.
Es besteht Verwechslungsgefahr mit dem Femininum Wehr(e), das einerseits
eine Verteidigungsanlage (,Landwehr1) benennt, andererseits als Rechtsbegriff
das Nutzungsrecht des einzelnen Bauern an der Allmende oder die
Allmende selbst (vgl. Namenartikel Nr. 35: Wehre f. ,Anteil an der Mark4).
Die mehrfach vorkommenden Flurnamen Wehrwiese sind nur in den Fällen
aufgenommen und kartiert worden, wo es im Kontext oder bei den Zusatzangaben
konkrete Hinweise darauf gibt, dass es sich um Wehr im Sinne von Stauwehr4
handelt. So hegt z. B. die Wehrwiese in Gonnesweiler unter einer Mühle.
Weitere im Material des ASFSL vorhandene Flurnamen, die das Kompositum
Wehnsiese enthalten, blieben ohne Berücksichtigung, wenn keine konkreten
Anhaltspunkte dafür vorhanden waren, welches der Wehr-Wörter vorhegt.
Eindeutig zuordnen lassen sich die Flurnamen, die klar erkennbar Wehr als
Neutrum enthalten, und solche, die Wehr als Grundwort von Komposita wie
Mühlenwehr und Hüttenwehr haben: Hier sind Wehre im Sinne von wasserbaulichen
Einrichtungen zur Energiegewinnung gemeint. Im Beleg aus Holving
- also schon im Übergangsgebiet zum Elsässischen - wird eines der mit
Wehr konkurrierenden Wörter für Stauwerke im fließenden Wasser genannt,
das Wasserfach.319
Die Belege werth, werht, wertbrun aus Niederstinzel sind nicht eindeutig
zu bestimmen: Es könnte sich hier um Werd, Wort ,Flußinsel4 handeln, aber
auch um Wehr mit epithetischem t, das nach r gelegentlich auftritt. Für letztere
Annahme spricht das Nebeneinander der Belege wertbrun und wehrbrun in
Niederstinzel.
(R. K.)
319 Vgl. z. B. Bad Wb 2, 1; Dittmaier 68; DWB 3, 1218f.; ElsWb 1, 90; PfälzWb 2,
1003; Rill in Wb 2, 227; SchwäbWb 2, 907; jeweils s. v. Fach.
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