In Mecklenburg bedeutet Wehr n. ,Stauwerk in fließendem Wasser, zum
Fischfang gesetztes Wehr1: 1265 quandam piscariam ipsius episcopi, que
wer vulgariter appellatur, temere destruentes (MECKLWb 7, 1272).
Im Rheinland ist das Neutrum Wehr ,Querdamm aus Holz oder Steinen in
einem fließenden Gewässer zur Stauung des Wassers4 als Appellativ linksrheinisch
von der Kölner Bucht bis zur Eifel und zum Hunsrück, rechtsrheinisch
im Bergischen Land und im Siegerland verbreitet; typische Komposita
sind Mihle- und Wisewehr (RheinWb 9, 354). In Flurnamen des Raumes ist
mit Wehr meist ,die Stauvorrichtung am Mühlenweiher (Damm und Abflussschleuse)4
gemeint, aber auch ,schleusenartige Stauungen in Bächen und kleinen
Flüssen4 (Dittmaier 333).
Nach CRECELIUS 900 ist das oberhessische Wehr n. ein ,gemauerter Querdamm,
das fließende Wasser zu stauen4. In Hessen-Nassau ist Wehr n. allgemein
in der Bedeutung ,Staudamm im Fluß4 verbreitet; in Flurnamen wie
Wehrgraben, -wies ist ebenfalls diese Bedeutung enthalten (HNassWb 4, 579;
KEHREIN 1872, 599f.). Auch in den übrigen Teilen Hessens ist Wehr Stauwehr,
Fischwehr4 appellativisch und als Bestandteil von Flurnamen gut bezeugt
(Jung 1985, 202; SHessFln 965f.; ShessWb 6/1, 357; Vielsmeier
1995, 515f.). In einer hessischen Urkunde von 1320 heißt es: super ... eiusdem
aque fragiis et aggeribus qui wer vulgariter nuncupatur (DWB 28,
199). Die Flurnamenbelege Südhessens setzen bereits Ende des 13. Jahrhunderts
ein (SHessFln 965f.). Auch in Flurnamen der Region Rheinhessen ist
Wehr auffallend früh, ebenfalls ab Ende des 13. Jahrhunderts, überliefert
(Ramge 1979, 292f.; ZERNECKE 1991, 555). Bereits aus dem 12. Jahrhundert
stammt ein Siedlungsnamenbeleg aus der Gemeinde Palzem an der Mosel
(vgl. Abschnitt B, Siedlungsname Nr. 3). Daher ist damit zu rechnen, dass die
Ausbreitung von Wehr nach Süden mindestens am Rhein entlang früher als
gemeinhin angenommen (z. B. KLUGE 977: „Ursprünglich niederdeutsches
Wort [...], das sich seit dem 13. Jh. nach Süden ausbreitet44) erfolgt sein muss.
In der pfälzischen Mundart ist Wehr n./m. eine ,Wasserstaueinrichtung4.
Am Hang dient es als Querrinne dem Wasserablauf. In Münchweiler im Donnersbergkreis
lautet ein Flurname von 1500: das pleckel uff dem were
(PfälzWb 6, 1 149).
Das luxemburgische Wier n./m. bedeutet ,Wehr, Querdamm im Fluss4; die
Mundartform des nördl. Ösling ist Wiär, die des Mittelösling und des Südostens
Weer{LuxWB 4, 448).
Im Oberdeutschen heißen Einrichtungen zur Wasserstauung WuhrfIN bis
auf einen vereinzelten schwäbischen Beleg (siehe Abschnitt B) kommt Wehr
hier nicht vor.
318 Eis. Wuer (ElsWb 2, 846), schwäb. Wur (SchwäbWb 6, 982E), bair. Wuer, Wüer
(BayWb 2, 980f.).
285