(Holthausen 1974, 391) und anord. ver n. ,Klippe am Meer zum Fischfang1
(De Vries 1961,654).
Das ursprünglich niederdeutsche Wort breitet sich entlang der Flussläufe
nach Süden aus, rheinaufwärts nach Hessen und in die Pfalz, elbaufwärts bis
in das Gebiet von Saale und Ilm und die Oder hinauf nach Schlesien. Die
Ausbreitung erfolgte nicht flächendeckend: Das Stauwerk im fließenden Wasser
heißt niederösterr. pruch, alem. wuor, wüere, siegerländ. dich, frk.-hess.
fach (BACH II, 1, § 306; DWB 28, 196-200; KLUGE 977; KLUGE/MlTZKA
1963, 846). Vereinzelte frühe oberdeutsche Belege für Wehr finden sich in
einer Urkunde aus dem schwäbischen Pfullingen (Lkr. Reutlingen): svas der
wisen geschit von dez werres wegen (DWB 28, 200; WMU 3, 2352fi). Der
bairischen Mundart fehlt das Wort.
Bei mit Wehr gebildeten Siedlungsnamen ist es nicht in allen Fällen möglich
zu entscheiden, ob Wehr in der hier interessierenden Bedeutung ,Stauwehr,
Fischw'ehr4 (in dieser Bedeutung meist Neutrum) vorliegt oder aber das Femininum
Wehr Verteidigung, Befestigung, Landwehr4. So ward z. B. bei FÖRSTE¬MANN
II, 2, 1273-1275 nicht zwischen dem Neutrum mhd. wer ,Flusswehr4 und
dem Femininum ahd. wen, mhd. wer(e) Verteidigung4 unterschieden.
Alte Siedlungsnamen aus den Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen
und Rheinland-Pfalz sowie aus Belgien, bei denen sich Hinweise finden,
dass Wehr in der Bedeutung ,Stauwehr, Fischwehr4 zugrunde liegt, sind:317
(1) tWehre, Klein-, nordöstl. von Wehre (Lkr. Goslar): 1053 in villis ...
Ostwerri;
(2) Wehr, Gde. Selfkant (Kr. Heinsberg): 1144 or. Were, 1204 or. Wer,
(3) Wehr, Gde. Palzem (Lkr. Trier-Saarburg): ca. 1150 Were;
(4) Werbeek, Gde. Retie (B, Prov. Antwerpen): 1186 or. Werheche, 1221
or. Werheke;
(5) Werbeke, Gde. Avelgem (B, Prov. Westflandern): 12. Jh. E. or.
Vuerebeke.
C. In Schleswig-Holstein sind Wehre n./f. ,Staudämme in Bächen und Flussläufen4,
daneben aber auch allgemein ,Hindernisse4 oder ,schmale Wiesenstreifen
zwischen den Äckern, deren Grenzscheiden nur durch Steine oder Pfähle am
Ende angedeutet sind4. Alle diese Bedeutungen sind in Flurnamen wie Wehren,
Wehrbrook-, -barg, -brück, -koppel, Wehrenwisch, Achter-, Helms-, Huk-,
Steinwehr, Schmalwehren, Lachswehren vertreten (CLAUSEN 1988, 127;
Falksön 2, 2000, 578; SCHLESWHWß 5, 579). In einer Hamburger Urkunde
von 1256 heißt es: ipsumflumen cum piscatione et gurgustio, quod were dicitur,
capitulo assignavit (DWB 28, 199). In Flurnamen Niedersachsens bezeichnet
Wehr, Wahr in der Regel ein ,Stauwerk zum Zwecke der Bewässerung von
Wiesen4 und nur selten ein ,Fischwehr4 (Scheuermann 1995, 154).
317 Vgl. Gysseling 1055 und 1061; Jungandreas 1962, 1099; Möller 1979, 142.
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