Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Die  oben  angeführten  Mundartformen  aus  dem  nordwestlichen  Saarland,
Lkr.  Merzig-Wadern,  haben  einen  Anschluss  im  Luxemburgischen:  Spreif  f.
und  Spro,  Spron  f./m.  ,Star\  lokal  auch  ,Drossef  (LuxWb  4,  249  und  251).
Die  lothringischen  Gemeinden  Berling,  Boulay-Moselle  /  Bolchen,  Etting,
Faulquemont  /  Falkenberg,  Forbach,  Hestroff,  Lixing-les-Rouhling,  Metzervisse,
  Remering,  Vahl  und  Varsberg  haben  für  Star  das  Mundartwort  Spreb,
Sprew  m.  (DtLothrWb  488).
ln  der  Westpfalz  wird  der  Star  Spree,  Sprää  (Lkr.  Kusel,  nördlicher  Teil
des  alten  Landkreises  Homburg  und  Lkr.  Kaiserslautern)  und  Spreeb,  Sprääb
(südlicher  Teil  des  Landkreises  Homburg,  die  alten  Landkreise  St.  Ingbert  und
Zweibrücken)  genannt.  Feminines  Genus  ist  vorherrschend,  vereinzelt  tritt
maskulines  Genus  auf.  Um  1928  wird  der  Vogelname  nur  noch  von  älteren
Sprechern  verwendet,  er  wird  von  neuerem  Star  verdrängt  (CHRISTMANN
1938,  20  und  22;  PfälzWb  6,  330f.  und  Karte  360  Star).
Im  gesamten  Eisass  bis  hinunter  zur  schweizerischen  Grenze  ist  Sprehe  in
den  Varianten  Spree,  Gespree,  Spreel(e),  Sprehe,  Sprejer  f.  belegt,  ln  einer
elsässischen  Quelle  von  1381  tritt  erstmals  die  standardsprachlich  gewordene
Form  Sprehe  auf  (ElsWb  2,  555f.).  ln  der  schwäbischen  Mundart  kommt
Sprehe  nicht  vor,  ebenso  wenig  in  der  bairischen.  Dies  könnte  ein  Indiz  dafür
sein,  dass  wir  es  beim  elsässischen  Vorkommen  mit  altem  fränkischen  Import
zu  tun  haben.
D.  Die  wenigen  Flurnamenbelege  des  ASFSL-Untersuchungsraums  befinden
sich  überwiegend  im  Gebiet  um  Obermosel  und  untere  Saar,  also  im  moselfränkischen
  Dialektraum.  Sie  haben  Anschluss  an  das  luxemburgische  und  das
rheinische  Vorkommen  von  Sprehe.  In  der  Mundart  des  südöstlichen,  von  der
Pfalz  beeinflussten  Teil  des  Saarlandes  ist  bzw.  war  Sprehe  zwar  auch  vorhanden
  -  vgl.  dazu  HEEGER  1903,  10:  „Im  Bliesgau  heißen  die  Stare  Sprewen“  -,
dies  hat  sich  jedoch  in  der  Flurnamenüberlieferung  kaum  bemerkbar  gemacht.
Allenfalls  flir  die  Belege  aus  Fechingen  kann  mit  einem  Einfluss  von  der  Pfalz
her  gerechnet  werden.
Die  Flurnamenbelege  des  Saar-Mosel-Raums  zeigen  bis  auf  die  Fechinger
historischen  Komposita  sprawinckel,  sprohwinkel  den  ^-Vokalismus.  Sprehe
steht  jeweils  im  Plural  (Sprewen)  und  ist  als  Bestimmungswort  mit  den
Grundwörtern  Acht,  Baum  und  Gericht  zusammengesetzt.
(R.  K.)

280
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.