Sprehe in zwei Lautvarianten - mit langem a und mit langem e - erscheint, ln
einem Streifen vom mittelfränkischen Dialektgebiet an nordwärts bis zur niederländischen
Provinz Groningen, d. h. im Rheinland, im Südwest-Westfälischen
und im Ostniederländischen einschließlich des westlichen Ostfriesischen,
finden sich Belege mit a-Vokal, der in den Mundarten auch als o realisiert
wird, während in den westlichen und südlichen Niederlanden einerseits
sowie im Nord- und Ostniederdeutschen, im Hessischen und südlich der Mosel
andererseits die e-Form vorrangig ist (DWA 15, Karte Star). Die c-Form
kann nicht mit Umlaut aus der a-Form entstanden sein, wie nl. spreeuw zeigt:
Dieses setzt germ. *spraiwö voraus. Hingegen erfordern die rheinischwestfälisch-ostniederländischen
Belege mit a-Vokal eine Vorform *spräwös 12
(DeVries 1971,684; Foerste 1954, 407f.; Ders. 1958, 27f.).
Wie das oben skizzierte Sprehe-Vorkommen zeigt, hat diese Bezeichnung
für die Vogelart Sturnus vulgaris im Unterschied zum gemeingermanischen
Star, ahd. stara i.lstaro m., eine geringere geographische Ausbreitung (vgl.
auch DWA 15, Karte Star). In der Bildung von Siedlungsnamen spielte
Sprehe keine Rolle. Wie weiter unten zu zeigen sein wird, existieren nur vereinzelt
entsprechende Flurnamen (für die Provinz Nordholland nennt Schönfeld
1950, 90 den rezenten Flurnamen Spreeuweweid), was das Fehlen von
Siedlungsnamen erklärt.
C. Zusammenfassend beschreibt Hildebrandt 1983, 1338 die areale Verbreitung
der variierenden Bezeichnungen für den Vogel Star aufgrund der Daten
des Deutschen Wortatlasses:
Die Grenzlinie ist im Ndt. stark nach Norden verlagert, indem das Ostfäl. und
das Brandenburg, zu 2 [= SA/r] gehören, ebenso gehörten der südl. Teil Ostpommems
und der östl, Teil Ostpreußens zu 2. Westfalen, das Ripuar.-Niederfränk.
und das Hess, nördl. von unterer Lahn und mittlerem Main gehören
zu 1 [= Spree(n), Sprol(e)]. Reste von I finden sich jedoch auch noch beiderseits
der unteren Mosel, in Luxemburg, im Saargebiet und sogar im Elsaß. Die lautlichen
Variationen von 1 zeigen in gleicher Häufigkeit Sprei(n) neben Spree(n),
dazu im Hess, auch Sprinn und Sprien, im Ostfriesischen Spraa. Der Worttyp
Sprol(e) zeigt ripuar.-westfäl. Verbreitung, am Niederrhein herrscht Spron.
In einer Zusammenstellung der Namen der Vögel im Niederdeutschen vom
Ende des 19. Jahrhunderts wird für Lübeck als Benennung des Stars Spree,
Sprei angegeben, für Mecklenburg-Strelitz Spreen, für den Regierungsbezirk
1,2 Nach Foerste 1954, 408 und Ders. 1958, 27 liegt hier ein alter, lautgesetzlicher Vokalwechsel
vor. Dessen Erklärung steht allerdings noch aus. Ein weiteres von
Foerste 1954, 406 angeführtes Beispiel für den Wechsel germ. /ai/ : /e/ (westgerm.
/ei/: /ä/), das Wort Ameise, ahd. ämeiza, wird von EWA 1,204 anders erklärt: Mittelhochdeutsche
und dialektale Formen mit dem Anlaut ei-, ai- (z. B. mhd. eimesse,
aimsche) seien mit assimilatorischen und volksetymologischen Einflüssen zu erklären;
der Ansatz einer westgermanischen Nebenform *aimaitjön habe keine Berechtigung.
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