Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Nr.  33
Sprehe  f.  ,Star‘
A.  Brettnach  (Bv):  1717  or.  frz.  spreen  ath  (AD  Mos  4  E  70),  o  Spreven  ath
['jpreiovon  a:t],  Sprevenaht.  Fechingen  (SB):  1554  dt.  sprawinckel  (StiftsA
StArnual  Bd.  2,  571),  1684  or.  dt.  sproenwinkel  /  im  sprohwinkel  l
sprorenwinkel  /  im  sprorenwinkel  !  oberhalb  sprorenwinkel  /  oben  am
spromwinkel  (GEB),  1724  or.  dt.  im  sprohwinkel  zwei  ahnungen  unterste  und
oberste  (GEB),  1757  or.  dt.  in  den  sprohwinkelgärten  (GEB),  o
Sprohwinkelgarten.  Hinckange  (Bo):  o  Spreven  bäum  ['Jprewonbaum].
Losheim  (MW):  o  Spriewengerischt  ['Jpra^vogorift].
(Vgl.  Abb.  39)
B.  Sprehe  f.  ,Star;  Sturnus  vulgaris‘  ist  in  ahd.  Glossen  als  spräa,  sprea  f.  belegt
  (Splett  I,  2,  909;  Starck/Wells  578).  Die  althochdeutschen  Belege
stammen  aus  mittel  fränkischen  Quellen.  Beispielsweise  ist  sprea  ,sturnus‘309
in  einer  aus  Vorlagen  des  9.-11.  Jahrhunderts  kompilierten  Trierer  Glossenhandschrift
  des  12.  Jahrhunderts  überliefert.  Das  älteste  Zeugnis  ist  das  Glossenwort
  spra  aus  einem  Wolfenbüttler  Codex  des  10.  Jahrhunderts310
(FOERSTE  1958,  27f.;  Graff  6,  368;  NEUß  1973,  147f.;  Suolahti  1909,
167f.).  Belege  aus  der  mittelhochdeutschen  Sprachperiode  fehlen.  Weitere  Belegnachweise
  aus  historischen  Sprachstufen  sind  mnd.  spre(n)  m.
(MndHdWb  3,  398;  MndWb  4,  344)  sowie  mnl.  spreeuwe,  sprewe,  spreew  f.
(MnlWb  7,  1803f.;  VroegMnlWb  4,  4521).  Lehnwort  aus  dem  Fränkischen
ist  afrz.  esprohon  ,Star‘  (FEW  17,  188;  HAUBRICHS/PFISTER  2008,  264).
Das  Substantiv  Sprehe  wird  verbunden  mit  dem  mittelhochdeutschen  Verb
sprcejen,  sprcewen  (Lexer  2,  11  lOf.)  bzw.  mit  dessen  mittelniederländischer
Entsprechung  spraeyen,  die  beide  ,spritzen,  sprühen4  bedeuten.  Benennungsmotiv
  sei  das  gesprenkelte  Gefieder  des  Vogels  (DWB  17,  9;  KLUGE  870).311
Schon  die  althochdeutschen  Glossenbelege  spräa  und  sprea  zeigen,  dass

309  Georges  2,  2834:  sturnus  m.  ,Star,  Sprehe'.
3,0  Das  lateinische  Lemma  turdus  zur  ahd.  Glosse  spra  bezeichnet  eigentlich  die  Drossel
  (Georges  2,  3262f.),  jedoch  scheint  turdus  im  Mittelalter  auch  als  ,Star‘  verstanden
  worden  zu  sein  (Foerste  1958,  28  Anm.  154;  NEiUß  1973,  147).
jl1  Möglich  scheint  eine  etymologische  Zusammengehörigkeit  von  Sprehe  mit  der  Vogelbezeichnung
  got.  sparwa,  anord.  spprr,  aengl.  spearwa,  ahd.  spar(o),  mhd.
spar(e)  ,Sperling'  <  germ.  *sparwaz  /  *sparwön  m.  (vgl.  IEW  991;  Lehmann
318f.;  Orel  363).  Die  indogermanische  Basis  dieses  Wortes  ist  *spherH-  (ved.
sphuräti  ,stößt  weg,  schnellt,  zappelt';  vgl.  IEW  992f.;  L1V  585):  Der  Sperling  ist
nach  der  ursprünglichen  Wortbedeutung  also  ein  ,Hüpfer'.  Sprehe  kann  auf  eine
idg.  Wurzel  *sp<hlreH-  zurückgeführt  werden,  die  vielleicht  als  Variante  zu
*spherH-  mit  Metathese  zu  interpretieren  ist.

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