Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

umgelautete  Formen  wie  Söhren  -  häufig  als  Simplex  -  enthalten,  reichen  bis
ins  13.  Jahrhundert  hinein  (Jellinghaus  1  899,  300).
In  Mecklenburg  begegnet  appellativisch  sor,  vereinzelt  sur,  sorr,  surr  Adj.
,trocken,  dürr  (von  Wiesen,  Bäumen,  Wälder)4.  Das  Appellativ  kommt  bereits
in  einer  Urkunde  des  14.  Jahrhunderts  vor:  1369  myt  ...  beken,  more,  wolde
szore  effte  unsore.  Die  Bedeutung  überträgt  sich  im  Sinne  von  ,austrocknend,
kalt4  auch  auf  das  Wetter  oder  Windbedingungen,  ln  Flurnamen  zeigt  das
Wort  meistens  Umlaut:  vgl.  Sorborg,  -hörst,  Sörbrok,  Sorenkrog,  Sörenbreed-kul,
  -stücken,  -wisch,  Sörenskamp  (MecklWb  6,  542).
Das  PreubWb  verzeichnet  das  Adj.  sohr  ,dürr,  trocken1  als  nur  vereinzelt  belegt
  (PreubWb  5,  691);  Frischbier  2,  345  nennt  sor  Adj.  ,dürr,  trocken,  saftlos,
verdorrt,  abgestorben4,  in  Pommern  auch  sûr,  im  Göttingischen  sär  und  sor.
In  Hamburg  bezeichnet  man  mit  soor,  suur  Adj.  ausgedörrte  Pflanzen  und
Bäume.  Das  Adjektiv  bezieht  sich  auch  auf  die  trockene  Kälte  oder  auf  die
austrocknende  Wirkung  des  Windes.  Flurnamen  werden  auch  genannt:  1779
Sahren  Kamp/Koppel  bei  Ohlstedt  und  1804  Suhrbrook  bei  Poppenbüttel
(HambWb  4,  423).
D. ln  unserem  Untersuchungsraum  gehen  die  Belege  der  mit  sohr  gebildeten
historischen  Flurnamen  bis  ins  16.  Jahrhundert  zurück.  Das  Adjektiv  sohr
kommt  in  Behren-lès-Forbach,  Drulingen,  Habach  und  Rettel  als  Bestimmungswort
  vor  und  bezeichnet  dort  die  Beschaffenheit  von  Pflanzen  und  Fluren.
  ln  Dudweiler  (Stadt  Saarbrücken)  ist  sohr  als  Grundwort  -  also  substantivisch
  -  in  den  Flurnamen  1764  or.  dt.  im  herrensohr,  amtl.  Im  Herrensohr  belegt;3üs
  in  Farschviller  1753  or.  frz.  im  sohr,  und  Rouhling  1585  or.  dt.  bey
dem  sor,  amtl.  Soor  [so:u];  amtl.  Zvischerd  soor  dirgarten  [tsveja  'son  un
diugento]  ist  sohr  als  Simplex  überliefert,  ln  diesen  Fällen  erfährt  das  Adjektiv
sohr  eine  Substantivierung,  wie  aus  dem  Zusammenhang  zu  entnehmen  ist,
und  bedeutet  vermutlich  ,trockenes  Land,  trockene  Landstelle4.
Die  Verbreitung  der  So/îr-Namen  im  Saar-Mosel-Raum  zeichnet  sich  nicht
durch  eine  hohe  Belegdichte  aus.  Es  lassen  sich  trotz  der  spärlichen  Beleglage
hauptsächlich  drei  Flurnamenräume  erkennen:  Das  Vorkommen  des  Wortes
im  Kanton  Sierck-les-Bains,  im  Lkr.  Neunkirchen  und  im  Regionalverband
Saarbrücken  -  also  in  den  Flurnamenräumen  an  Obermosel  und  unterer  Saar
sowie  an  Prims  und  oberer  Blies  -  zeigt  Anschluss  nach  Norden.  Die  südlichen
  Belege  in  den  Kantonen  Forbach,  Sarreguemines  /  Saargemünd  und  Drulingen
  -  im  Namenraum  zwischen  Rossel  und  oberer  Saar  -  halten  die  Verbindung
  zu  den  im  Norden  und  Nordwesten  anschließenden  Flurnamenräumen.
  Die  Streuüberlieferung  über  das  gesamte  Gebiet  weist  auf  Reliktlage.
(M.  V.)

Heute  ist  Herrensohr  ein  Ortsteil  von  Dudweiler.  Das  Bestimmungswort  bezieht
sich  auf  die  Herren,  die  Stiftsherren  von  St.  Amual  (Stadt  Saarbrücken).

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