Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Das  westgermanische  Adjektiv  *söra-  ist  in  älteren  Siedlungsnamen  überliefert,
  z.  T.  zusammengesetzt  mit  dem  Substantive  bildenden  Suffix  -ipa;
*söripa  wäre  also  als  ,Trockenland'  aufzufassen:
(1)  Soratfeld  bei  Lichtenau  (Kr.  Paderborn):  1001  kop.  12.  Jh.  M.  pagos  ...
Sorethfelt  (Gysseling  926);
(2)  Sürth,  Stadtbezirk  Köln-Rodenkirchen:  1067  Sorethe  (GYSSELING
948);303
(3)  Soiron  bei  Verviers  (B,  Prov.  Lüttich):  1086  Sorun  (FÖRSTEMANN  II,  2,
827).
Während  das  Vorkommen  des  Adjektivs  sohr  .trocken,  ausgedörrf  auf  das
Niederdeutsche  beschränkt  ist,  ist  das  bereits  im  Althochdeutschen  (mit  irsören)
  bezeugte  Verb  sohren  .verdorren'  mundartlich  im  ganzen  deutschen
Sprachgebiet  verbreitet  (DWB  16,  1426L).  Sowohl  das  Adjektiv  als  auch  das
Verb  beziehen  sich  grundsätzlich  auf  ausgedörrte,  verwelkte  Pflanzen  oder
Bäume  (ebd.).
Französisch  sour,  sor  Adj.  .getrocknet',  vgl.  den  Ausdruck  hareng  sor  ,salé
et  séché  à  la  fumée'  (seit  dem  13.  Jahrhundert),  ist  aus  mnl.  soor  entlehnt
(FEW  17,  161;  DE  VRIES  1971,  870).  Bretonisch  sor  ,saur  (du  hareng)'  sowie
pan  sor  ,durchgebackenes,  luftiges  Brot'  aus  dem  Piemontesischen
(Alessandria)  und  aus  dem  Dialekt  von  Val  Sesia  sind  aus  dem  Französischen
entlehnt.
C. Die  Verbreitung  des  Adjektivs  sohr  .trocken,  dürr'  ist  auf  den  kontinentalen
  Nordwesten  beschränkt.  Sein  Hauptvorkommen  umfasst  die  niederländischen,
  rheinischen  und  niederdeutschen  Gebiete.  Südlich  lässt  sich  sohr  vereinzelt
  bis  ins  Flsass  verfolgen,  wobei  es  hier  als  Appellativ  nicht  mehr  lebendig
  ist  (ElsWb  1,  736).  Im  Schweizerdeutschen  bezeichnet  sor  m.  eine  Art
von  Unkraut  (SCHWEIZlD  7,  1270f.):304  Das  Wort  ist  vielleicht  als  Substantivierung
  des  Adjektivs  sohr  .trocken,  dürr'  zu  interpretieren  und  stellt  möglicherweise
  eine  späte  Entlehnung  aus  dem  Niederdeutschen  dar.  Die  schweizerdeutschen
  Ortsnamen  wie  Sor-Ent,  im  Sohr  werden  dagegen  eher  zu  Sor  n.
.scaturigines'  oder  zum  Verb  sören  (bzw.  sören)  ,dürr  werden,  langsam  verblühen'
  gestellt  (ebd.).  Die  in  Schwaben  vorkommenden,  mit  Soor  gebildeten
Ortsnamen  -  ein  Wort,  das  sonst  im  Schwäbischen  nicht  belegt  ist  -  wie  Soorlache,
  -wiesen  werden  nur  unter  Vorbehalt  mit  dem  Adjektiv  sohr  ,dürr‘  in

Die  angeführten  Ortsnamen  wurden  aus  *sauripa-  n.,  Kollektivbildung  zu  westgerm.
  *sauza-  .trocken,  dürr',  gebildet.  Vgl.  auch  den  niederländischen  Flurnamen
Soorkamp  (MOERMAN  1956,  215;  SCHÖNFELD  1950,  61).
'il4  Kolb  1957,  127  verbindet  Schweiz,  sör  m./n.  .Unkraut  im  Werch'  mit  norw.  sanr
m.,  schwed.  sör  m.  .Unkraut  im  Acker'  (vgl.  Schweiz,  sören  .verwelken').

274
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.