Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

des  Pferdes1,  ,(verächtl.)  hohe,  schiefe  Schultern,  BuckeL  usw.  genannt
(RheinWb  7,  1842f.),  für  den  Saargau  ,Nacken  vom  Pferd,  oberes  Halsstück
vom  Sch  wein,  ein  Schopf  Haare‘  (Conrath  227).
D. Im  Material  des  ASFSL  findet  sich  außer  dem  Flurnamenbeleg  in  Bierbach
kein  weiterer  vergleichbarer  Name.  Schon  in  der  Beschreibung  der  Ämter
Zweibrücken  und  Kirkel  von  Tilemann  Stella  aus  dem  Jahr  1564  heißt  es  (S.
201;  Kartenmappe  Blatt  10):  Der  berg  auff  dem  Schlicht  genannt,  als  weitere
Schreibweise  wird  Schücht  angegeben.  Letztere  ist  als  graphische  Variante  zu
interpretieren,  da  die  heutige  Mundartform  [da  Juxt]  keinen  Umlaut  hat.  Der
Flurname  zeigt  den  Lautwandel  /ft/  zu  /xt/,  der  in  historischer  Zeit  bis  ins
mittlere  Saarland  reichte.300
Da  die  Verbreitung  des  Appellativs  an  der  Mosel  endet  (siehe  oben,  Abschnitt
  C),  kann  angenommen  werden,  dass  das  Wort  in  älterer  Zeit  eine
weitere  Verbreitung  nach  Süden,  bis  in  das  Untersuchungsgebiet  hinein,  hatte.
Schucht  wird  hier  als  Bergname  zur  Benennung  eines  332  m  hohen  Bergrückens
  auf  der  Gemarkung  Bierbach  verwendet.  Benennungsmotiv  dürfte  die
gewölbte,  an  den  Widerrist  oder  die  Schulter  eines  größeren  Tieres  erinnernde
Form  des  Bergrückens  gewesen  sein,  der  Bergname  ist  also  als  Formname
aufzufassen.
Der  amtliche  Flurname  Auf  dem  Schlucht  ist  als  volksetymologische  Umdeutung
  des  nicht  mehr  verstandenen  Schucht  zu  deuten:  Das  Wort  Schlucht
,enges  Tal‘,  das  hier  anklingt,  hat  erstens  im  Saarland  und  den  angrenzenden
Mundarträumen  ausschließlich  feminines  Genus,301  zweitens  wäre  als  Syntagma
  eher  *In  der  Schlucht  o.  ä.  zu  erwarten.
(R.  K.)

l0<>  Vgl.  zur  Ausbreitung  des  Lautwandels  MhdGr  §  E  39,5  sowie  den  Artikel  achter
.hinter1  in  RheinWb  1,  39-43:  Diese  niederdeutsche  Form  für  hochdeutsch  after
.hinter1  reicht  mit  moselfränkischem  Ausfall  des  ch  bis  in  das  Saarland  hinein.
301  PfälzWb  5,  1114;  RheinWb  7,  1383.

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