Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

konnte  nur  in  größeren  Zeitabständen  wiederholt  werden  (DWB  9,  1833ff.;
Hahn  1910,  5052ff;  Brinkmann  1913,  356f.;  Rieder  1922,  163ff.;
Schmitthenner  1923,  115-117;  SchmithÜsen  1934;  Müller-Wille  1938,
51-86).  Etymologisch  wird  das  Wort  zu  Schuffel,  Schüffel  f.  ,Schaufel;  Werkzeug
  mit  metallenem  Trageblatt  und  langem  Stiel4,  einer  Nebenform  zu
Schaufel  -  vgl.  ahd.  scüfla  (8.  Jh.),  scüvala  (8./9.  Jh.),  mhd.  schüvel(e),  mnd.
sküfele,  asächs.  windsküfla  ,Wurfschaufel‘  -  gestellt.  Diese  besonders  in  den
niederdeutschen  und  mitteldeutschen  Mundarten  verbreitete  Nebenform  zu
Schaufel  ist  zu  vergleichen  mit  mnd.  schüffel(e),  mnl.  schuffel,  nnl.  schoffel,
aengl.  scofl',  nengl.  shovel,  schwed.  skovel  (alle  mit  kurzem  Vokal).  Diese
Formen  gehen  auf  germ.  *skuflö-  bzw.  *sküßö-  mit  dem  Suffix  der  femininen
Gerätnamen  germ.  -(i)lön  zurück:  Es  wird  die  indogermanische  Wurzelerweiterung
  *skeub(h)-  ,(flink)  dahinschießen,  schieben,  stoßen4  vorausgesetzt
(AhdGl  8,  399ff;  DWB  9,  1833ff.;  KLUGE  796;  KLUGE/MlTZKA  1967,  639;
Holthausen  1954,  67;  Holthausen  1974,  280;  L1V  560f.;  MndWb4,  145;
MnlWb  7,  605;  Pfeifer  1051;  RheinWb  7,  1851  ff.).  Eine  andere  Etymologie
wird  von  Dittmaier  1963,  266  (vgl.  auch  Halfer  1988,  199  und  RheinWb
9,  1381)  aufgrund  des  Vokalismus  vorgeschlagen:  Das  Wort  in  dieser  Bedeutung
  habe  danach  mit  Schuffel  (Schaufel)  nichts  zu  tun;  das  zeige  schon  allein
der  Umstand,  dass  die  Lautung  i:  ü  sich  umgekehrt  zur  Entrundungstendenz
verhält;  das  Ripuarische  hat  sifiil  >  -e-  >  -0-  (in  Flurnamen  stets  -/-;  vgl.  die
urkundlichen  Belege  in  Dittmaier  266  und  die  unter  Punkt  C  angeführten
Belege).  Schiffei  f./n.  .Brandwirtschaft4  sei  demnach  eher  mit  Schiefer  ,in
dünne  Platten  spaltbares  Gestein,  Splitter4  (ahd.  skivaro  [um  1000],  mhd.
schiver,  schever,  ,Holz-,  Steinsplitter4,  mnd.  schever,  schiver,  mengl.  scifre,
scivre,  nengl.  shiver  .Splitter4),  Scheibe  f.  .abgerundete,  flache  Platte,  Glas
des  Fensters  oder  Spiegels4  (ahd.  skiba  .Scheibe,  Rolle,  Walze4  [um  800],
mhd.  schibe  .Kugel,  Kreis,  Rad,  Walze4,  asächs.  skiba,  mnd.  schlve,  mnl.
scive,  nnl.  schiff,  anord.  skifa,  schwed.  skiva)  verwandt  und  gebe  die  Tätigkeit
des  Abschälens,  Abhebens  des  Rasens  in  Scheiben,  Soden  wieder.  Es  liegt  die
Labialerweiterung  idg.  *skeip-  der  idg.  Wurzel  *skei-  zugrunde  (Pfeifer  1503
und  1515).  Vermutlich  wurde  dieses  Wort  durch  schaffe  ln,  schuffel  ,mit  der
Schaufel  arbeiten^  beeinflusst.
C. Für  die  rheinischen  Mundarten  verzeichnet  das  RheinWb  7,  1851  ff.  das
schwache  Verb  schuffeln,  schüffeln  und  das  Substantiv  Schüffel  (in  Zusammensetzungen)
  als  Ausdruck  der  Brandwirtschaft.  Verbreitet  ist  das  Lemma  in
dieser  speziellen  Bedeutung  allgemein  im  linksrheinischen  Rheinfränkischen
und  im  Moselfränkischen  bis  einschließlich  Malmedy,  Monschau,  Aachen,
Schleiden,  Ahrweiler.  Historische  und  rezente  Flurnamen  bezeugen  diese  Art
der  Brandwirtschaft  in  der  Eifel:  vgl.  z.  B.  vor  1250  zo  deme  Scivelberge  bei
Zülpich;  1292  apud  Schiffüwege  bei  Kirchherten  (Rhein-Erft-Kreis)  oder  1330
Schyvelbuch  (!)  bei  Lohmar-Scheiderhöhe  (Rhein-Sieg-Kreis);  vgl.  auch
Schiffeiäcker  (Laubach,  Gde.  Simmern,  Rhein-Hunsrück-Kreis),  Schiefel-267


            
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