Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

diente,  wie  eben  anl.  Hrintsalis  <  westgerm,  *hrendaz  .Rind4  (ahd.  [h]rind,
asächs.  hrith)  und  Bolsele  <  mnl.  bulle  ,Stier4  zeigen.  Dementsprechend  haben
auch  die  vielen  anderen  -ve/e-Namen,  deren  Bestimmungswörter  nichts  über
den  Verwendungszweck  aussagen,  die  Bedeutung  von  Aufenthaltsort,  Herberge,
  Unterkunft,  Hürde  oder  Stall4.  ln  den  Namen,  in  denen  die  Elemente
sala-lsele-  als  Simplex  Vorkommen,  lasse  sich  ohne  Mühe  dasselbe  Bedeutungsfeld
  erkennen.  Die  Deutung  der  Namen  als  ,Herrenhof  würde  trotzdem
auch  in  diesem  Zusammenhang  nicht  völlig  als  Möglichkeit  ausscheiden,  da
dieser  Hof  ursprünglich  ein  Herrengut  darstelle,  das  von  der  grundherrlichen
Residenz  entfernt  und  mit  Gebäuden  für  die  Dienerschaft  und  das  Vieh  ausgestattet
  gewesen  sei  (RüELANDTS  1965,  286f.).  Die  Rechtshistoriker  wiederum
bezeichnen  mit  sala-lseli  ursprünglich  „das  germ.  Einraumhaus,  das  Mensch
und  Tier  zur  Unterkunft  (auch  vorübergehend)  diente  und  zugleich  die  Vorräte
für  den  Lebensunterhalt  aufnehmen  konnte“  (Schmidt-Wiegand,  HRG  4,
1274),  eine  Interpretation,  die  auch  die  Deutung  des  Namenmaterials  nahelege.
  Man  wird  jedoch  damit  rechnen  müssen,  dass  die  Bedeutung  des  Namenelementes
  als  Grundwort  in  onomastischen  Komposita  nicht  unbedingt  die
Hauptbedeutung  des  Wortes  widerspiegelt.
Es  folgt  die  Verbreitung  der  Wortgruppe  nach  den  Dialektwörterbüchern
und  Flurnamenarbeiten:
Das  RheinWb  7,  655,  ohne  Hinweise  auf  Flurnamen  oder  Ortsnamen,  meldet
Saal  m.  ,Halle,  Saal;  große  Stube;  auch  das  große  Zimmer  in  größeren  Bauernhöfen
  (in  appellativischer  Anwendung)4.“42  KEHREIN  1872,  534  nennt  folgende
Belege:  Auf  der  Saal  (f.)  /  Im,  vorm  Saal,  Saale  /  Saal  m.  Ramge  1979,  250  verzeichnet
  für  Abenheim  (Stadt  Worms)  den  Flurnamen  auf  dem  Saal,  historisch
1286  in  me  sale,  1490  uff  dem  sale,  1746  auf  dem  saal;  die  Flurnamen  deuten
auf  Herrengut,  bzw.  Reichsgut  hin  (vgl.  auch  ZERNECKE  1991,  435).  Für  das
obere  Rheinengtal  verzeichnet  HALFER  1988,  219  mit  sal-lsel-  gebildete  historische
  Flurnamen,  vgl.  in  Oberheimbach  1335  or.  zu  selhouen,  in  Rhens  1438
or.  off  dem  sale,  in  St.  Goar  1548  or.  in  der  selenbacff  die  Flurnamen  weisen
oft  auf  Reichsgut  hin.  Auch  in  Rheinhessen  sind  hist.  Flurnamen  belegt,  vgl.
1368  vnden  an  der  sele(n)  (BlNGENHEIMER  1996,  323f.).  ln  dem  Gebiet  an  der
mittleren  Lahn  sind  die  Lemmata  ebenfalls  in  Flurnamen  belegt,  dabei  mehrfach
  feminisiert:  vgl.  in  Dutenhofen  1775  auf  der  Saal  /  obig  der  Saal  /  bey  der
Saal.  Die  Flurnamen  beziehen  sich  wahrscheinlich  auf  die  Bedeutung  von  mhd.
sal  m.  ,Herrenhof  (JUNG  1985,  161).  Im  Südhessischen  gilt  Saal  m./n.  (meist
m.)  heute  in  der  Bedeutung  ,größerer  Raum,  der  an  bestimmten  Tagen  oder  bei
bestimmten  Festlichkeiten  als  Wirtslokal  benutzt  wird4,  ,das  gute  Zimmer  für
Festlichkeiten  in  wohlhabenden  Bauernhäusern4,,Klassenzimmer4  (SHESSWB  5,

295 Vgl.  Dittmaier  254,  wobei  dort  darauf  hingewiesen  wird,  dass  Saal/Sal  als  Bestimmungswort
  in  Ortsnamen  und  Flurnamen  auch  zu  ahd.  salaha,  mhd.  suhle  f.
,Salweide4  gestellt  werden  kann.

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