Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

2. Anmerkungen  zum  paradigmatischen  Korpus:
,Nordwörter‘  und  ,Südwörter*  in  Flur-  und
Siedlungsnamen  zwischen  Mosel  und  Saar
(Ruth  Kunz)
2.1. Materialgrundlage
Flurnamen  haben  eine  große  Nähe  zur  sprachlichen  Grundschicht  des  Raumes,
  in  dem  sie  entstehen  und  überliefert  werden,  sie  sind  datierbar  und  besitzen
  noch  weitere  Vorzüge  im  Vergleich  mit  anderen  Materialkategorien,
vgl.  DEBUS  1983,  932:  „Nicht  zuletzt  die  dem  Appellativbereich  noch  am
nächsten  stehenden  Flurnamen  eignen  sich  hervorragend  als  Quelle  für  die
historische  Dialektgeographie.  Sie  sind  nicht  nur  durch  eindeutige  Lokalisierbarkeit
  gekennzeichnet,  sondern  führen  auch  durch  relativ  dichtes  Vorkommen
  zu  engmaschigeren  Belegnetzen.“  Systematische  Sammlungen  von  Flurnamen
  sind  daher  in  besonderer  Weise  für  sprach-  und  siedlungsgeschichtliche
  Auswertungen  geeignet.  Für  das  Saarland  und  das  angrenzende  germanophone
  Lothringen  wurde  unter  Leitung  von  Wolfgang  HAUBRICHS  (in  den
Anfängen  vor  rund  30  Jahren  unter  Mitwirkung  von  Hans  Ramge)  und  zunächst
  von  der  Stiftung  Volkswagenwerk,  ab  1989  dann  von  der  Deutschen
Forschungsgemeinschaft  und  ergänzend  hierzu  aus  Mitteln  der  Universität  des
Saarlandes  gefördert,  eine  nach  Umfang  und  Qualität  des  Materials  im  deutschen
  Sprachraum  bedeutende  Flur-  und  Siedlungsnamensammlung  aufgebaut:
  das  Archiv  für  Siedlungs-  und  Flurnamen  des  Saarlandes  und  des  germanophonen
  Lothringen  (ASFSL).Das  Untersuchungsgebiet  des  ASFSL,
im  Folgenden  auch  Saar-Mosel-Raum  genannt,  umfasst  außer  dem  Saarland
die  deutschsprachigen  Teile  des  lothringischen  Départements  Moselle  bis  zur
historischen  Sprachgrenze  nach  deren  für  die  Zeit  um  1500  ermittelten  Verlauf1
  1  sowie  die  historisch  und  sprachgeschichtlich  zu  Lothringen  gehörigen
Kantone  des  sogenannten  Krummen  Eisass  (Alsace  Bossue)  im  Département
Bas-Rhin  und  darüber  hinaus  einen  breiten  Grenzsaum  von  französischsprachigen
  Gemeinden  jenseits  der  alten  Sprachgrenze  in  den  Départements
Moselle,  Meurthe-et-Moselle  und  Vosges  (vgl.  Abb.  1).  Das  Archiv  enthält
die  amtlichen  Flurnamen  aus  den  etwa  1400  Gemeinden  des  Untersuchungsgebietes,
  mundartliche  Flurnamen  aus  rund  1100  Gemeinden  sowie  histori-12

  Zu  den  Anfängen,  der  Konzeption  und  dem  Fortgang  des  ASFSL  vgl.  Haubrichs/
Ramge  1981,  Ramge  1983,  Bucumüller-Peaff  1991,  Gluting/Jochum-Godglüc:k/Pitz/Puhl/Schorr
  1997,  Jochum-Godglück/Puhl  2002,  1861-1863,
Kunz  2008,  375f.
13  Zum  Verlauf  der  Sprachgrenze  in  Lothringen  vgl.  This  1887,  Witte  1894,
Toussaint  1955.

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