(10) Selwerd, Gde. Noorddijk (NL, Prov. Groningen): 1169 kop. 15. Jh. A.
terram Selewrt ... comparavit, 1181 kop. 15. Jh. A. in Selewrt predium
(KÜNZEL/BLOK/VERHOEFF 322) < germ. *sali-z m./n. + *waripa m./n.
,Flussinsel4.
C. Die Hauptverbreitungsräume der Siedlungsbezeichnungen mit dem Namenwort
-sal-l-sele-, letzteres aus germ. *sali-z mit /-Umlaut, sind die niederdeutschen
und niederländischen Sprachgebiete.28 Insbesondere hat man das Vorkommen
der Ortsnamen mit -sal-l-sele- in Belgien und Nordfrankreich mit der
Siedlung der Franken in diesen Gebieten in Zusammenhang gebracht. Diese
Auffassung wurde hauptsächlich von K.URTH 1896 vertreten, wobei PETRI
(1937) und BACH (1954) eine Verbreitung dieser Namen auch südlich der mittelalterlichen
deutsch-französischen Sprachgrenze, also im nichtfränkischen Gebiet,
zu erkennen glauben. Die Ortsnamen auf -sele sollen sich in der Galloromania
nämlich bis zur Seine erstreckt haben (Petri 1, 1937, 664ff., Bach II,
2, 479 und 477 Karte 70). Auch in Westfalen sind Ortsnamen auf -sele nicht selten
und bilden oft synonyme Paare mit den niederländischen -vc/e-Namen, weshalb
die westfälischen"88 und niederländischen Namen nicht zu trennen sind
(PETRI 2, 1937, 875ff. mit Karte 36; BACH II, 2, 165 und 278). Die -se/e-Namen
kommen auch im ripuarischen Gebiet der alten preußischen Rheinprovinz vor
(Petri 2, 1937, 877). Alle von PETRI gewonnenen Ergebnisse bedürfen freilich
sorgfältiger Nachprüfung.284 Die Verbreitung der -sele-Orte in Nordwestdeutschland,
den Niederlanden und Nordfrankreich will die Karte von Petri 2,
1937, 904 darstellen. Demgegenüber ist von Roelandts 1965 betont worden,
dass die mit -sal-l-sele- gebildeten Ortsnamen sich überall im (nördlichen) germanischen
Sprachgebiet finden. Die mit diesem Element gebildeten Namen begegnen
nämlich auch in Dänemark, Schweden, Norwegen und England."40 Im
Süden werden die Namen auf -sal-l-sele- seltener, wobei hier in jedem einzelnen
Fall zu prüfen wäre, ob sie nicht zu ahd. salaha, salha f. ,Salweide4 zu stellen
sind (Bach II, 2, 343), wie SchwäbWb 5, 542 für die einschlägigen schwäbischen
Ortsnamen annimmt. In der Schweiz (SCHWEIZlD 7, 688) werden nur
einige wenige Ortsnamen - durchaus unsicher - auf -sal-l-sel- zurückgeführt.
Einige Flurnamen wie 1480 Hinder dem saal, 1585 yff Saal in der Umgegend
von Basel gehen sicherlich auf die Bedeutung ,Gutshof, Herrenhof zurück, sind
287 Lindem ans 1948; Mansion 1932; Moerman 1956, 206f.
288 Vgl. dazu Jellinghaus 15lf.
289 Zu den methodischen Schwächen des in Quellenerhebung, -Sicherung und sprachhistorischer
Auswertung unzulänglichen Werkes von Petri vgl. Haubrichs 1992;
Pitz 2003a.
290 Zu den schwedischen Ortsnamen vgl. Jöran Sahlgren: Namnet Uppsala, in:
Ortnamnssällskapets i Uppsala ärsskrift 1947, 5-11. Zu den norwegischen Ortsnamen
vgl. Olav T. Beito: Norske saetemamn, Oslo/Leipzig 1949, 118-122.
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