Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Halle',  das  nhd.  Saal  m.  ,großer,  repräsentativer  Raum'  zugrunde  liegt,  „handelt
  es  sich  ursprünglich  um  eine  Bezeichnung  des  germ.  Einraumhauses,  das
Mensch  und  Tier  zur  Unterkunft  (auch  vorübergehend)  diente  und  zugleich
die  Vorräte  für  den  Lebensunterhalt  aufnehmen  konnte“  (SCHMIDT-WIEGAND,
HRG  4,  1274).  ln  den  Malbergischen  Glossen  der  Lex  Salica  ist  das  Wort
noch  in  dieser  Funktion  und  Bedeutung  belegt  (SCHMIDT-WIEGAND  1973).
Die  Bedeutung  ,Herrenhaus,  Herrenhof  ist  jedoch,  wie  sich  an  den  Belegen
im  Heliand  zeigt,  auch  schon  früh  anzusetzen:  Dort  bezeichnen  seli  und
selihus  nämlich  den  ,Herrensitz'  (Schmidt-WIEGAND,  HRG  4,  1274),  vgl.
dazu  mhd.  sal-,  selguot  n.  ,freies  nicht  zinsbares  erbliches  Grundeigentum,
Herrengut',  salhof  m.  ,Hof  mit  dem  Herrenhaus  (sal),  Herrenhof,  von  dem  andere
  Höfe  abhängig  sind',  sal-,  sellant  n.  ,Land,  das  der  Grundherr  zum  Eigenbau
  sich  vorbehält,  Herrengut'  (LEXER  582f.).  Der  volkssprachige  Ausdruck
  findet  sich  (in  latinisierter  Form)  schon  früh  auch  außerhalb  des  Fränkischen:
  Der  langobardische  Edictus  Rothari  (ER  133,  136)  weist  das  Femininum
  sala  als  übliche  mittellateinische  Latinisierung  (und  zugleich  Feminisierung)
  des  germanischen  Wortes  in  der  Bedeutung  ,(Herren-)  Haus,  pars  dominica
  eines  Grundeigentums'  auf.2M>  Die  Lex  Alamannorum  (Tit.  81,1)  glossiert
das  latinisierte  Femininum  sala  mit  domus:  domus  seu  sala  (SCHMIDT-WlEGAND,
  HRG  4,  1274),  wofür  also  die  Bedeutung  ,Heim‘  bzw.  ,Herrenhof
anzunehmen  ist.2SI  ln  der  Galloromania  wird  ahd.  sal  m./n.  als  salla  f.  romanisiert,2S2
  wobei  von  Wartburg  (FEW  17,  10)  an  den  Einfluss  von  afrk.  halla
denkt:  Aus  dem  Galloromanischen  sind  katalanisch,  spanisch,  portugiesisch,
italienisch  sala  f.  ,Hauptwohnraum‘  entlehnt.  Es  wäre  aber  auch  durchaus
möglich,  an  eine  konkurrierende  feminine  altfränkische  Form  sala  zu  denken,
die  der  galloromanischen  Form  vorausgeht  (siehe  Abschnitt  D).
In  diesem  Zusammenhang  ist  noch  der  wichtige  Rechtsausdruck  terra
salica  (Pactus  legis  Salicae,  tit.  59  §  5)  zu  erwähnen:  Hier  nimmt  das  Adjek¬2X11

  Vgl.  Florus  van  der  Rhee:  Die  germanischen  Wörter  in  den  langobardischen  Gesetzen,
  Rotterdam  1970,  112-114;  Reto  R.  Bezzola:  Abbozzo  di  una  storia  dei  gallicismi
  italiani  nei  primi  secoli  (750-1300).  Saggio  storico-linguistico,  Heidelberg
1924,  200;  das  von  den  Langobarden  verbreitete  latinisierte  Namenwort  sala  bildet
im  Italienischen  zahlreiche  Ortsnamen:  vgl.  Nicoletta  Francovich  Onesti:  Vestigia
longobarde  in  Italia.  Lessico  e  antroponimia  (568-774),  Roma  1999,  113f.;  vgl.  ferner
  Gamillscheg  1935,  67  und  189.
2x1  Niermeyer  2,  1216  unterscheidet  für  mlat.  sala  folgende  Bedeutungen:  ,großes
Gebäude  mit  einem  einzigen  großen,  hohen  Raum'  (Pistoia  a.  726,  Codice
Diplomatico  Longobardo  1,  38;  Urkundenbuch  Fulda  a.  777;  a.  903,  Milano);
,Heim‘  (Lex  Alamannorum,  tit.  76;  Edictus  Rothari  136;  a.  763,  Urkundenbuch  St.
Gallen);  ,Haupthof  (Edictus  Rothari  133;  a.  709,  Echternach;  Lucca  a.  725,  Codice
Diplomatico  Longobardo  1,  105);  ,Saal,  Halle'  (a.  845,  Placitum;  a.  860,  D.  Karl
der  Kahle;  a.  896,  D.  Lambert;  a.  944,  D.  Ugo;  a.  952,  D.  Otto  I.).
2X2  Vgl.  Haubrichs/Pfister  2008,  267.

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