Rade und, mit Dentalschwund, Rah fort (CLAUSEN 1988, 93; SCHEUERMANN
1995, 142). Wie im neuniederländischen Verb rooien ,ausgraben, roden1 (De
VRIES 1971, 589f.; EWN 3, 681) entfallt auch im Westfalischen rpen der inlautende
Dental (Woeste 217).
Im Bergischen kommen /?o<7-Namen sehr zahlreich dort vor, wo die einst
dichte Bewaldung durch Rodung aufgebrochen wurde; dagegen sind sie selten
im Oberbergischen, wo noch größere Waldgebiete existieren. Zum Rheintal
hin, das keine starke Bewaldung hatte, werden die Rod-Namen, wie zu erwarten,
spärlicher (LEITHAEUSER 1901,227-231). Sonst aber ist das Verb roden im
appellativischen Wortschatz und das Neutrum Rod in Flurnamen des Rheinlandes
allgemein verbreitet (Dittmaier 248; Halfer 1988, 197f.; RheinWb 8,
476-479). Ähnliches gilt für das Moselland, wie die Zusammenstellung alter
Siedlungs- und Flurnamen erweist (JUNGANDREAS 1962, 877-883).
In großer Zahl begegnen /?f>r/-Flurnamen im ehemals dicht bewaldeten
Hessen. Der Name kommt in vielen Varianten ab dem 13./14. Jahrhundert vor.
Das /o/ wird gelegentlich zu /u/ gehoben, häufiger jedoch zu /a/ gesenkt; neben
der Diminutivform Rädchen gibt es im südlichen Teil Hessens auch die
Form Rödel; der Plural lautet meist Röder. Die Varianz im Vokalismus führte
zu Umdeutungen, deren Ergebnisse häufig den Zusammenhang mit Rod oder
der Variante Rad kaum noch erkennen lassen, vgl. Rädchen, Rodel, Rudel
(Diminutiv) und Räder, Rüder (Plural). Im appellativischen Wortschatz gibt
es, neben roden, in Südhessen auch die oberdeutsche Entsprechung rotten.
Insbesondere in Rheinhessen weisen Rod und Rädchen auf neu angelegte
Weinberge hin, die in den ersten Jahren ihres Bestehens diese Namen tragen
können. Ein Beleg aus dem Jahr 1735 zeigt noch appellativischen Gebrauch
des Wortes Roth im Bereich des Wißberges im westlichen Rheinhessen. Das
Hessen-Nassauische Volkswörterbuch nennt ein Neutrum Rod, dies sei in
Nassau und Oberhessen ein nicht selten vorkommender Flurname. Das zugehörige
Verb roden, das mundartlich auch mit ¿/-Rhotazismus vorkommt, gilt
hier neben dem bedeutungsgleichen rotten (BlNGENHEIMER 1996, 296f.;
Crecelius 696-698; FrankfWb 5, 2527; JUNG 1985, 155f.; HNassWb 2,
884; KLEIBER 1980, 12 und Karte 6; SHessFln 771-773; SHessWb 4, 1436f.;
Vielsmeier 1, 1995, 399f.; Zernecke 1991,423).
In den waldreichen Gebieten der Pfalz hat das Roden mit Axt, Rotthacke
oder Feuer in den Flurnamen Spuren hinterlassen. Die Rodetätigkeit setzte im
Bannforst um Kaiserslautern ab 985 ein, im Bienwald erfolgte sie vom 10. bis
zum 15. Jahrhundert, am Donnersberg vom 12. bis zum 15. und im 17./18.
Jahrhundert. Die Rodungsnamen Rod oder Rott (obd.) sind daher in großer
Zahl und besonders im Plural und als Diminutiv in einigen Varianten vorhanden.
Als Appellative begegnen die Verben roden und das oberdeutsche rotten.
Sekundäre Siedlungsnamen treten erst nach dem 12. Jahrhundert auf. Von der
gewöhnlichen Rodungstätigkeit ist die Röderwirtschaft oder Hackwirtschaft
zu unterscheiden, die noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts betrieben wur¬252