Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

nicht  als  alte  Längen  zu  verstehen,  sondern  als  in  offener  Silbe  gedehnte  ursprüngliche
  Kurzvokale.  Im  Mittelniederländischen  kommt  das  Wort  ab  dem
13.  Jahrhundert  als  Femininum  und  Neutrum  rode,  roede,  roet,  rot  usw.  vor.
Das  Verb,  ebenfalls  ab  dem  13.  Jahrhundert  belegt,  hat  die  Varianten  roden,
roiden,  roeden,  reuden,  ostmnl.  -  beeinflusst  durch  das  Mittelniederdeutsche  -
auch  raden,  raiden  (EWN  3,  681;  MnlWb  4,  1481-1483;  VroegMnlWb  3,
3990-3992).  Nachdem  rod  nur  noch  in  Namen,  aber  nicht  mehr  im  appellativischen
  Wortschatz  vorhanden  war,  wurde  vom  schwachen  Verb  roden  mit  dem
Suffix  -ungö,  -ingö  ein  Abstraktum  mit  femininem  Genus  gebildet,  das  mnd.
rödinge  (MndHdWb  II,  2,  2186),  mhd.  rödunge  (LEXER  2,  482)  lautet.271
Rod  ist  nur  eines  der  mit  unterschiedlichen  Ablautstufen  auf  dieselbe  Wurzel
  zurückgehenden  Grundwörter  von  Flurnamen  und  daraus  abgeleiteten
Siedlungsnamen,  die  auf  gerodeten  Waldboden  verweisen.  Während  Namen
auf  -rod  und  der  Nebenform  -rath  in  Westfalen,  im  Rheinland,  in  Hessen  und
in  Thüringen  sowie  in  den  Niederlanden  und  den  historischen  Territorien
Flandern  und  Brabant  auftreten,  sind  die  Namen  auf  -reut  meist  oberdeutsch
und  die  Namen  auf  -ried  besonders  in  Bayern  verbreitet  (vgl.  Abschnitt  D).
Das  in  Brabant  gebräuchliche  Verb  fläm.  roden  (<  mnl.  roden)  ist  von  den  benachbarten
  galloromanischen  Mundarten  aufgenommen  worden  und  von  dort
in  den  forstwirtschaftlichen  Fachwortschatz  eingedrungen  (FEW  16,  733).
Siedlungsnamen  und  alte  Flurnamen  liefern  Frühbelege  für  Rod  als  Namenwort;
  genannt  seien  hier  (in  alphabetischer  Sortierung)  die  folgenden:"  ~
(1)  Elbickeroderfeld,  Flurname  in  der  Gde.  Gleichen  (Lkr.  Göttingen):  9.
Jh.  Alfrikesrod;
(2)  Greimerath  (Lkr.  Trier-Saarburg):  981  kop.  1215  Grimolderode\
(3)  Nenderoth,  Gde.  Greifenstein  (Lahn-Dill-Kreis),  993  kop.  12.  Jh.  M.
in  villa  Nantheresrod  dicta;
(4)  Neuerode,  Gde.  Meinhard  (Werra-Meißner-Kreis):  980  kop.  12.  Jh.
Nuwenrot;
(5)  Radheim,  Gde.  Schaafheim  (Lkr.  Darmstadt-Dieburg):  780-802  kop.
12.  Jh.  in  villa  Rödem,  um  800  kop.  12.  Jh.  Rodeheim;
(6)  f  Rhodaheim  (F,  Bas-Rhin  oder  Haut-Rhin):  810  Rhodaheim',
(7)  Rodau,  Stadt  Zwingenberg  (Kr.  Bergstraße):  782  kop.  12.  Jh.  E.  et  Rod;
(8)  Rodde,  Stadt  Rheine  (Kr.  Steinfurt):  10.  Jh.  or.  Rotha',
(9)  Roden,  Gde.  Sint-Pieters-Aalst  (B,  Prov.  Ostflandem,  Arr.  Gent):  ca.
814/20  kop.  941  Rodum\

271  Im  Hochdeutschen  hat  sich  die  Form  -unga  durchgesetzt  (Kluge  1926,  §  158).
272  Diese  und  zahlreiche  weitere  Belege  bei  Andrieeen  1990,  133-144;  Förstemann
II,  2,  616-633;  Gysseling  851  u.  ö.;  Haubrichs  2006,  16;  Jellinghaus  148f.;
Künzel/Blok/Verhoeff  489  (Register);  Laur  1992,  730  (Register).  -  Vgl.  auch
Luiboldisrode  (Ortenaukreis)  in  Abschnitt  C  und  Badachenroth  (Lkr.  Merzig-Wadern)
  in  Abschnitt  D  (beide  10.  Jahrhundert).

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