Full text: 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Wort Anger spielte vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein eine zentrale 
Rolle innerhalb der Dorfverfassung, was zu einer intensiven Toponymisierung 
in Teilen des Mitteldeutschen und des Niederdeutschen geführt hat. Anger 
kommt heute in Hessen nur in Namen vor (SHessWb 1, 248; HessFlnAtl 
Karte 29 und Kommentar; SHessFln 171), und zwar im niederdeutschen 
Norden des Untersuchungsraums, der in ostfälischen Zusammenhängen zu 
sehen ist; in den rheinischen Mundarten wird das Lemma als Appellativ sehr 
selten gebraucht (RHEINWB 1, 191; DlTTMAlER 13), während im Oberdeut¬ 
schen das Wort völlig untergegangen ist. Auftalligerweise ist Anger im Nie¬ 
derdeutschen in der Bedeutung ,Dorfplatz; gemeines Weideland* als Appella¬ 
tiv und in Namen verbreitet, in Westfalen ist es als Appellativ nicht mehr le¬ 
bendig, kommt aber in Flurnamen vor (WestfWb 1, 168; WestfFlnAtl Nr. 
34, S. 178ff). ln den ostfälischen Mundarten ist das Appellativ am kräftigsten 
belegt, und zwar in der Bedeutung ,kleines Wiesenstück, insbesondere das 
dem Dorf gemeinsam gehörende Weideland, Allmende; erstmals gepflügtes 
Weideland; Pflanzendecke des Bodens; Dorfplatz* (NsäCHSWb 1,356). 
Ein weiteres Wort, das hierher gehört, ist Strut f. ,Sumpf; Gebüsch, 
Buschwald, Dickicht* - ahd. struot f. ,Sumpf, mhd. struot, strut st. f. ,Sumpf; 
Gebüsch, Buschwald, Dickicht* < idg. Wurzel *sredh-/*srodh- mit regelge¬ 
rechtem Einschub von -/- (UDOLPH 1994, 120). Es ist westlich der Elbe im 
ganzen deutschen Sprachgebiet in Flur- und Siedlungsnamen bekannt, wobei 
es am stärksten in Hessen und seinen Nachbarräumen in der Bedeutung 
,sumpfiger Buschwald* vertreten ist (WALLNER 1936, 59; UDOLPH 1994, 
120ff; DERS. 1995, 235f.; HessFlnAtl Karte 124 und Kommentar), vgl. die 
DlTTMAIERsche Verbreitungskarte für Fenn und Strut, die hier als Abb. 14 
wiedergegeben ist. Als Appellativ ist das Wort heute in den Mundarten ausge¬ 
storben (DWB 20, 147; Scheuermann 1995, 148); es galt aber noch im 16. 
Jahrhundert, z. B. in Hessen. Die aus *struet entstandene umgelautete Varian¬ 
te ist hauptsächlich im Oberdeutschen belegt: Sie konkurriert im südlich an¬ 
schließenden Raum stark mit Strut (SchwäbWb 5, 1887; ElsWb 12, 636; 
BayWb. 12, 820f.; Udolph 1985; Schneider 2001, 89-9411). Die umgelaute¬ 
te Variante herrscht z. B. in Südhessen vor (HessFlnAtl Karte 124 und 
Kommentar; SHessFln 907f.; SHessWb 5, I579f.). Es lässt sich auf jeden 
Fall erkennen, dass Strut eine intensive Toponymisierung in den Regionen 
später Landeserschließung erfahren hat, wie auch die Verhältnisse im Rhein¬ 
land exemplarisch zeigen können: Das Namenwort ist dort vor allem im Huns¬ 
rück und in der Eifel verbreitet (Dittmaier 307; PfälzWb 6, 740). 
11 Emst Schneider: Zum Flurnamen Strut/Strüt, in: Die Ortenau. Zeitschrift des His¬ 
torischen Vereins für Mittelbaden 81 (2001), 89-94. Der Autor bietet eine Zusam¬ 
menstellung des Vorkommens von Strut in der Ortenau. 
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