Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Das  Wort  geht  auf  den  germ.  /7-Stamm  *rudan  n.  ,Clearing1  (OREL  307)  zurück;
  daneben  ist  wegen  der  alten  sächsischen  -^-Formen  (Belege  weiter  unten)
  und  wegen  afries.  torothia  sw.  V.  ,ausroden4  (AfriesHdWb  508)  von  einer
  Variante  germ.  *rupa-  auszugehen.  Diese  beiden  sich  im  Konsonantismus
unterscheidenden  Formen  können  auf  eine  gemeinsame  indogermanische
Grundlage~6S  zurückgeführt  werden,  indem  man  Grammatischen  Wechsel  annimmt.
  Ahd.  rad  aus  ostfränkischer  Quelle  kann  entweder  auf  die  Form  mit
-d-  zurückgehen  und  zeigt  dann  nicht  das  hier  zu  erwartende  sondern
(rhein  fränkisches  -¿/(AhdGr  §  163  und  Anm.  4);  oder  es  geht  auf  die  Form
mit  -/>-  zurück,  aus  der  ohnehin  -d  resultieren  muss.  Rod  ist  die  schwundstufige
  Bildung  zu  der  indogermanischen  Grundlage,  zu  deren  e-Vollstufe  ahd.
riuti  n.,  nhd.  Reute  f.,  und  dessen  Nebenform  Ried  ,Rodungsstelle4  gehören.
Einen  Frühbeleg  (ze  demo  Geruuinesrode,  eine  nicht  genau  lokalisierbare
Rodung  an  der  Kürnach  beim  Kürnachberg  mit  dem  Genitiv  des  Personennamens
  Gei'wnn  als  Bestimmungswort)  liefert  die  Zweite  Würzburger  Markbeschreibung,
  die  nicht  datiert  ist,  aber,  wie  die  Übereinstimmungen  mit  der  auf
14.  Oktober  779  datierten  Ersten  Würzburger  Markbeschreibung  zeigen,  zeitlich
  sehr  nahe  bei  dieser  liegen  muss.  Sie  wurde  um  das  Jahr  1000  in  einen
Würzburger  Evangelienkodex  des  9.  Jahrhunderts  eingetragen.* 260
In  mittelhochdeutscher  Zeit  ist  das  Substantiv  rode  oder  rot  (Neutrum  oder
Maskulinum)  ,Rodung,  gerodetes  Land4,  ebenso  wie  die  Ableitungen  rodelant
,gerodetes  Land1,  rodelirt  ,kleine  Rodung4  und  roder  ,Rodungsbauer4,  nur
schwach  belegt  und,  im  Unterschied  zum  schwachen  Verb  roden,  roden
(LEXER  2,  482),  bei  LEXER  nicht  erfasst.2  "  Die  wenigen  urkundlichen,  z.  T.
toponymischen  Belege  aus  dem  Corpus  der  altdeutschen  Originalurkunden  bis
zum  Jahr  1300  sind  in  WMU  2,  1452f.  zusammengestellt.  Für  das  Frühneuhochdeutsche
  nennt  BAUFELD  195  ein  Substantiv  rod  ,Rodung4.  Die  von
Baufeld  als  Varianten  der  Leitform  rod  genannten  Substantive  reut(t),  rewt,
rütti  gehören  zu  der  oberdeutschen  Entsprechung  von  rod,  die  in  ahd.  riuti,
mhd.  riute,  nhd.  Reute  vorliegt.  Im  Mittelniederdeutschen  existiert  neben  dem
Verb  roden,  rodden,  rüden  auch  das  Substantiv  röde,  rüde,  rot  (MndHdWb
II,  2,  2179-2181  und  2253).  Die  mit  Längenstrich  versehenen  Vokale  sind  hier

sesTlrode  ,Graben  an  einem  Seesief  sowie  das  schwache  Verb  torothia  ,ausroden'
belegt.
"(,s  Grundlage  ist  eine  Dentalerweiterung  (evtl.  *reuct-  ,Jätung  setzen,  roden')  der
laryngalhaltigen  Wurzel  idg.  *reuH-  ,aufreißen'  (Kluge  761  f.;  LIV  509f.).
260  Zu  den  Würzburger  Markbeschreibungen  vgl.  Reinhard  Bauer:  Die  ältesten
Grenzbeschreibungen  in  Bayern  und  ihre  Aussagen  für  Namenkunde  und  Geschichte
  (Die  Flurnamen  Bayerns;  8),  München  1988,  28-66;  zum  Örtlichkeitsnamen
Geruuinesrode  siehe  S.  60.
2  0  Weitaus  besser  belegt  sind  das  gleichbedeutende,  in  oberdeutsche  Zusammenhänge
gehörende  riute  n./f.  und  das  Verb  riuten  (Lexer  2,  47lf.).

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