Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

geblieben“  (DWB  13,  1804).  Im  Süden  ist  das  Wort  tatsächlich  nur  schwach
belegt  (vgl.  SchwäbWb  1,  1083;  Keinath  1951,  44;  Kretschmer  1969,
242).  Die  Verbreitung  des  Wortes  in  Hessen  bildet  die  Obergangszone  zwischen
  dem  westmitteldeutschen  und  niederdeutschen  Hauptverbreitungsraum
(HessFlnAtl  Karte  111  und  Kommentar).
Die  Verbreitung  der  Orts-  und  Flurnamen,  die  zu  mnd.  pöl  nhd.  Pfuhl  gehören,
  zeigt  eine  hohe  Belegdichte  in  den  Niederlanden  und  Westfalen;  im
wendischen  Gebiet  östlich  der  Elbe  kommen  sie  häufiger  als  im  eigentlichen
Niedersachsen  vor.  In  Altholstein  sind  keine  Namen  belegt,  in  Wagrien  tauchen
  dagegen  Namen  auf  -pohl  auf  (JELLINGH  aus  1898,  310).26()  Auch  in  England
  kommt  -pool  häufig  in  Namen  vor  (ebd.;  Ekwall  1968,  329).260 261  Entlehntes
  pöl,Pfuhl,  Sumpf  ist  in  Toponymen  der  Picardie  verbreitet  (FEW  16,  644).
Aus  den  einschlägigen  Dialektwörterbüchern  und  aus  der  Flurnamenüberlieferung
  ergibt  sich  folgendes  Bild:
Für  das  Schleswig-Holsteinische  ist  Pohl  [pöl),  Paul  m.  ,Lache,  Pfütze,
Tümpel,  Teich4  appellativisch  belegt  (PI.  Pohlen  und  Pöhl).  Pohl  oder  Pool
kommt  in  Ortsnamen  häufig  vor  als  Bezeichnung  für  Teiche  oder  Ländereien,
in  denen  früher  ein  Teich  war  (SchleswHWb  3,  1086f.).  Clausen  1988,  88
verweist  auf  die  Flurnamen:  Pohlskamp,  Pohlkate,  Aantenpoof  Jettpohl,
Poggenpohl.
Die  Mecklenburgische  Mundart  hat  Pauhf  Pohl  m.  ,Pfuhl,  Wasserloch'.
Weitere  Varianten  sind  Pool  und  Poel:  Das  im  14.  Jahrhundert  bereits  belegte
Appellativ  kommt  auch  in  Flurnamen  wie  Aantenpauhl,  Kattenpauhl  u.  ä.  vor
(MECKLWB  5,  340fi).
Im  Bremisch-Niedersächsischen  ist  Pool  (Pwl,  Poul,  Puf  Pull,  Poel)  m.
,Pfuhl,  Sumpf  als  Appellativ  lebendig  (BremNsächsWb  3,  349fi).  Das  Ostfriesische
  kennt  (ohne  Hinweise  auf  Flurnamen)  Pöl  m.  ,Pfuhl,  Pfütze,  Lache
(worin  sich  Wasser  ansammelt)4  in  appellativischem  Gebrauch  (Ten  Doorn-KAAT
  Koolman  2,  744fi).  Das  HambWb  3,  830  verweist  auf  Pool  m.  ,Pfuhl,
kleineres  stehendes  Gewässer;  Teich,  Tümpel;  Pfütze4.  Das  Wort  ist  als  Appellativ
  lebendig,  es  werden  auch  Flurnamen  genannt,  deren  Überlieferung  frühestens
  im  17.  Jahrhundert  beginnt:  17.  Jh.  Wilhadipool;  o.  D.  Pooldiek.
Die  westfälische  Mundart  kennt  die  Zusammensetzung  Huckenpol  m.  in
der  Bedeutung  ,eine  in  Mistpfützen  wachsende  Pflanze4  (Woeste  107  und
203).  Ältere  Ortsnamen  für  Westfalen  nennt  Jellinghaus  145:  z.  B.  1225
Blekkincpole  bei  Winterswijk.
Die  Bedeutungsangaben  in  den  rezenten  hessischen  Dialektwörterbüchern
gehen  von  der  Bedeutung  ,Lache,  Pfütze,  kleiner  Teich4  aus;  in  Südhessen  gilt

trag  zur  Ortsnamenforschung  in  Schleswig-Holstein,  Neumünster  1989,  95.
260  Hermann  Jellinghaus:  Englische  und  niederdeutsche  Ortsnamen,  in:  Anglia  20
(1898),  257-334.
261  Eilert  Ekwall:  English  River-Names,  Reprint  Oxford  1968.

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