Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

lit.  bald  ,Bruch,  Sumpf  aus.  UDOLPH  1994,  134-136  plädiert  für  den  zweiten
Ansatz:  Im  Fall  von  Pfuhl  handele  es  sich  höchstwahrscheinlich  um  ein  Erbwort,
  dem  lit.  bald  ,Bruch,  Sumpf  entspreche.  Nach  KLUGE  698  spricht  dagegen
  wenig  für  diesen  Ansatz.  Das  Wort  wird  mit  ahd.  pfui  (GRAFF  3,  332),
pfuol  (Weigand  2,  417)  st.  m.,  mhd.  phuol  st.  m.  (Lexer  1,  268),  mnd.  pöl,
pül  m.,  nnd.  pohl  (MndWb  3,  359),  frühmnl.  poel  m.  (VroegMnlWb  3,
3813L),  mnl.  poel,  aengl.  pöl,  nengl.  pool,  afries.  pöl  m.  ,Pfuhl,  Sumpfloch,
Wasserloch'  verglichen  (AfriesHdWb  386;  MnlHdWb  470;  De  Vries  1971,
534;  EWN  3,  564).  In  den  althochdeutschen  Glossen  ist  das  Wort  mehrfach
belegt:  Das  althochdeusche  Wort  pul  st.  m.  glossiert  lat.  lama,  aqua  in  via
stans  ex  pluvia:  Dementsprechend  bedeutet  hier  pul,  Morast4  (AhdGl  7,  293f.
s.  v.  phuol).  Weitere  althochdeutsche  Glossenbelege  sind:  pfui,  phul  ,volutabrum\
  pfui  ,palus4,  phül  ,cloaca‘  (ebd.).  Nach  der  älteren  Glossenüberlieferung
  zu  urteilen  ist  die  Ursprungsbedeutung  des  Wortes  ,Morast,  Sumpf,  Lache,
  kleiner  Teich4.  Die  diminutive  Form  Pud(d)el,  die  gelegentlich  auch  in
Flurnamen  vorkommt  (siehe  unter  D),  „ist  aus  Pfuhl  entstanden,  indem  älterem
  *pfuel  ein  /d/  eingeschoben  wurde44  (HessFlnAtl  Karte  111  und  Kommentar;
  vgl.  auch  DWB  13,  1804;  KLUGE/MlTZKA  1957,  547;  anderer  Meinung
  Dittmaier  2362'8).
Ältere  Ortsnamen  für  das  niederländische  und  deutsche  Sprachgebiet  sind:
(1)  Poelgeest,  Gde.  Oegstgeest  (NL,  Prov.  Südholland):  918/48  кор.  11  Jh.
in  Folgest,  1130/57  kop.  ca.  1420  terram  in  Polgheest  iacentem  et  persolventem
  ...  tres  libras  (GYSSEL1NG  291);
(2)  Pulheim  (Rhein-Erft-Kreis):  1067  ca.  Polheim  (HAUBRICHS  2006,  19);
(3)  Abtspoel,  Gde.  Oegstgeest  (NL,  Prov.  Südholland):  1130/61  kop.  ca.
1420  terram  que  dicitur  Poel  quam  aqua  circumfluit  (GYSSELING  56);
(4)  Paddenpole,  Gde.  Wallenhorst  (Lkr.  Osnabrück):  1240  Paddenpole
(JELLINGHAUS  145).
C. UDOLPH  1994,  136  hat  daraufhingewiesen,  dass  die  Namenstreuung  von
mnd.  pöl  derjenigen  von  strut  ,Sumpfwald4  und  *bröka  ,Bruch,  Sumpf  entspricht.
  Diese  Namen  zeigen  „Häufungen  in  Mitteldeutschland,  Ausstrahlungen
  nach  Norddeutschland,  in  die  Niederlande,  nach  Belgien  und  Flandern44
(ebd.).  Die  Präsenz  des  Wortes  in  England  zeigt  außerdem  deutliche  Verbindungen
  über  den  Kanal  mit  dem  Kontinent  (ebd.).  Es  handelt  sich  also  um  ein
Wort,  dessen  appellativische  Verbreitung  sich  auffällig  im  Westgermanischen
konzentriert:  Schwed.  pöl,  dän.  pol  sind  höchstwahrscheinlich  aus  dem  Niederdeutschen
  entlehnt.259  „Den  oberdeutschen  Mundarten  ist  das  Wort  fremd

2  s  „Die  Etymologie  bei  K1G  [gemeint  ist  Kluge/Mitzka  1960]  (unter  Pfuhl)  trifft
kaum  zu,  da  Pudel  gerade  dort  herrscht,  wo  das  zwischenvokalische  -d-  nie  geschwunden
  ist.“
254  Jens-Uwe  von  Rohdf.n:  Die  Gewässernamen  im  Einzugsgebiet  der  Treene:  ein  Bei-237

            
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