der Germania, ist dabei die Grundvoraussetzung für die Beurteilung der Befunde
aus dem näheren Untersuchungsgebiet. Wörter, die dagegen zwar im
Saar-Mosel-Raum eine klare Verteilung aufweisen, sich aber nicht in den
skizzierten Zusammenhang der Germania einordnen lassen, wurden ausgeklammert
(z. B. Loh m. ,Hain‘, Anger m. ,ungepflügtes, wildgrünes Grasland;
Grasland, Weideland" und Strut f. ,Sumpf; Gebüsch, Buschwald, Dickicht",
vgl. Kapitel 1.7.).
Der nächste Punkt ist die chronologische Einordnung der jeweiligen Erscheinung.
Namenwörter, die sich erst im Spätmittelalter oder in der Frühen
Neuzeit belegen lassen, also wahrscheinlich erst in dieser Zeit durch Einwanderung
oder Innovation aus den Nachbarräumen in das Untersuchungsgebiet
vorstoßen, scheiden in der Regel für unsere Fragestellung aus. Gerade
für die ,Südwörter" stellt sich die Frage der Chronologie, da sich in vielen Fällen
Teile des Saar-Mosel-Raums, wortgeographisch betrachtet, erst später dem
Oberdeutschen, insbesondere dem Oberdeutsch-Alemannischen angeschlossen
haben (HAUBRICHS 2002, 2005, 2007a; PlTZ 2005; Pitz/Schorr 2003;
SCHORR 2000). Auch die kombinatorische philologische Analyse von Siedlungsnamen
und Flurnamen ermöglicht zuverlässige Aussagen über das Alter
des untersuchten Lemmas, da Siedlungsnamenbelege in der Regel ein höheres
Alter als die Flurnamenbelege aufweisen. Das Wort Rebe f. z. B. breitet sich
im 14. Jahrhundert westlich der Vogesen aus: Die Pluralform die Reben und
das Kompositum Rebberg wurden auf Kosten von älterem Wingert produktiv.
Die mit Rebe gebildeten Namen sind höchstwahrscheinlich als Neuerungen
des 14. Jahrhunderts anzusehen. Auch das Wort Kaute f. ,Grube" ist als ein
spät übernommenes Wort zu betrachten: Wahrscheinlich wurde es über die
pfälzischen Gebiete am Rhein und die Altstraße Worms-Saarbrücken-Metz
vermittelt. Die Flurnamenüberlieferung dieses Wortes setzt erst im 17. Jahrhundert
ein: Solche Wörter scheiden aus einer weiteren Diskussion aus. Hingegen
ist das (west)alemannische Wort Matte f. ,Wiese" ein sicheres älteres
,Südwort": Die entsprechende Flurnamenüberlieferung setzt schon im 13.
Jahrhundert westlich der Vogesen an der oberen Saar ein.
1.7. Ausschlusskriterien: unechte ,Nordwörter4
Bestimmte im Saar-Mosel-Raum belegte Lemmata, die ihrer sich heute auf
das nördliche deutsche Sprachgebiet konzentrierenden Verbreitung nach vermeintlich
als ,Nordwörter" anzusehen sind, haben keine Aufnahme in den Katalog
gefunden, weil diese Verbreitung nicht ursprünglich ist, sondern einer
jüngeren Entwicklung des Lemmas zugeschrieben werden muss. Dies wird in
exemplarischer Weise an den Beispielen Loh m. ,Hain", Anger m. ,ungepflügtes,
wildgrünes Grasland; Grasland, Weideland" und Strut f. ,Sumpf; Gebüsch,
Buschwaid, Dickicht" deutlich:
Loh gehört zu ahd. löh st. m. ,Hain" (AhdWbSchÜTZEICHEL 200), mhd.
loch st. m./n. ,Gebüsch" (LEXER 1, 1949): Das Wort ist etymologisch mit lat.
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