Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

263;  WOESTE  170)  und  ist  hier  Neutrum,  das  im  Mittelniederdeutschen  noch
die  seltenere  Variante  neben  sonst  vorherrschendem  Femininum  war.
Darüber  hinaus  ist  kein  dialektales  Vorkommen  mehr  festzustellen;  jedoch
hat  Mersch  als  Namenwort  in  der  Bedeutung  ,nasses,  sumpfiges  Gelände*
noch  eine  weitere  areale  Verbreitung:  ln  Südhessen  ist  das  Namenwort
Mersch,  welches  in  rezenten  Belegen  gelegentlich  mit  hyperkorrekter  Schreibung"^
  als  Mörsch,  Morsch  begegnet,  in  Flurnamen  gut  bezeugt.  Die  Überlieferung
  setzt  im  späten  13.  Jahrhundert  ein  (SHessFln  676;  ShessWb  4,  636).
Auch  im  Rheinland  weisen  nur  noch  Flurnamen  auf  einstiges  appellativisches
  Vorkommen  von  Mersch  hin.  Im  niederfränkischen  Gebiet  begegnen
diese  rechts  und  links  des  Rheins;  im  Ripuarischen  kommen  sie  in  den  alten
Kreisen  Ahrweiler,  Bonn,  Düren  und  Jülich  vor,  im  Moselfränkischen  in  den
Altkreisen  Bernkastel  und  Cochem  und  im  Rheinfränkischen  im  Lkr.  Bad
Kreuznach  (Dittmaier  197f.).  Sie  reichen  also  nahe  an  das  mit  einem  frühen
urkundlichen  Beleg  vertretene  Mainz  (siehe  oben)  heran.  In  Luxemburg  stehen
  die  Flurnamen  Meresch,  Meersch,  Miersch  für  sumpfiges  Gelände  (Anen
1945,  35);  die  historischen  Belege  für  die  luxemburgische  Gemeinde  Mersch
(siehe  oben,  Abschnitt  B)  zeugen  vom  hohen  Alter  des  Namenwortes  in  diesem
  Raum.
Mersch  ist  vereinzelt  seit  dem  späten  13.  Jahrhundert  und  verstärkt  seit  dem
14.  Jahrhundert  in  Flurnamen  der  Regionen  Rheinhessen  (Ramge  1979,  207;
Zernecke  1991,  344)  und  Pfalz  (Christmann  1951,  126;  PfälzWb  4,
1301  f.;  Zink  1923,  154)  belegt;  einige  der  rezenten  pfälzischen  Flurnamen
zeigen  die  hyperkorrekte  Schreibung  Mörsch,  ln  den  südrheinfränkischen
Raum  rechts  des  Rheins  reichen  die  südlichsten  Belege  des  Namenwortes
Mersch:~>('  Die  Gemarkung  Hochstetten  im  Lkr.  Karlsruhe  hat  einen  zugehörigen
  Flurnamen  aus  dem  Jahr  1702:  2  Viertel  im  Mörsch  in  Krummen  Äggern
(Schneider  1960,  151  f.).
D. Die  Kartierung  der  Flurnamenbelege  des  Saar-Mosel-Raumes  (vgl.  Abb.
32)  zeigt  eine  schwache  Verbreitung  fast  im  gesamten  Untersuchungsgebiet
diesseits  der  Sprachgrenze.  Nach  Südosten  hin  laufen  die  Belege  langsam  aus.
Wie  oben  dargestellt  wurde,  finden  sich  die  südlichsten  Belege  des  deutschsprachigen
  Raumes  überhaupt  im  Raum  Karlsruhe,  also  in  relativ  kurzer  Distanz
  zum  Untersuchungsgebiet.
Einzelne  mit  Mersch  gebildete  Flurnamen  -  in  Elvange,  Guinglange,
Redange  -  reichen  bis  an  die  Sprachgrenze  heran,  überquert  wird  diese  jedoch
nicht.  Der  älteste  Beleg  findet  sich  in  Cattenom  /  Kattenhofen  und  somit  im

25>  Vgl.  z.  B.  ahd.  leffil,  mhd.  leffel  -  nhd.  Löffel'.  Die  Form  mit  sekundärer  Rundung
des  Id  zu  /0/  ist  in  die  Standardsprache  eingegangen.
256  Vgl.  auch  oben  in  Abschnitt  B  den  historischen  Siedlungsnamenbeleg  für  Mörsch
im  Lkr.  Karlsruhe.

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