Frühe Siedlungsnamenbelege zu germ. *mariska- sind: 51
(1) Mörsch, Stadt Frankenthal: 765 Fä. vor 1175 Mers, 766 kop. um 1190
in Merische;
(2) fForismarische, unidentifiziert (NL, Prov. Nordholland oder Südholland):
776 kop. 1170/75 Forismarische, 776 kop. 1183/95 in Fresia in
loco qui dicitnr Forsmarsche;
(3) Mersch (L, Kt. Mersch), mundartlich Miersch (vgl. LuxWb 3, 149):
853 or. Mariscus, 893 or. Marse, 940 or. Merisc;252
(4) Mörsch, Gde. Rheinstetten (Lkr. Karlsruhe): 940 locus Meriske.
Im Mittelniederdeutschen wird /e/ vor r + Konsonant zu /a/ gesenkt. Nach
Ausweis von toponymischen Belegen ist die Senkung überwiegend erst im
15./16. Jahrhundert eingetreten. So ist z. B. der Landschaftsname Marsch
(nördlich von Dannenberg im östlichen Niedersachsen) 1330/52 als Mersch
und 1593 dann mit eingetretener Senkung als Marsch belegt (SCHMITZ 1999,
19 und 248, § 35). Seit dem 17. Jahrhundert geht Marsch mit femininem Genus
in hochdeutsche Texte ein.
C. Das rezente Appellativ Marsch f. ist erwartungsgemäß vor allem in den
Mundartwörterbüchem der Regionen enthalten, in denen es alluviale Niederungen
an großen Flüssen und an der Nordsee, z. B. die Holsteiner Elbmarschen
und Dithmarschen,^1 oder überhaupt niedrig gelegenes, wasserreiches
Weideland, das ebenfalls Marsch genannt wird, gibt. In den Mundarten an der
Nordsee ist das schon im Mittelniederdeutschen als Nebenform auftretende
Masch2'4 die geläufige Form. Ein Beleg aus Hamburg aus dem 15. Jahrhundert
lautet in der mersch; 1568 heißt es, ebenfalls in Hamburg, marsch, später
Masch (HambWb 3, 262; MndHdWb II, 1, 965; SchleswHWb 3, 596).
Zahlreiche Flurnamen dieses Raums sind, je nach Alter, mit Mersch, Marsch
oder Masch gebildet (Jellinghaus 1899, 281; Scheuermann 1995, 136).
Das Appellativ reicht als Marsch, in Dialekten auch als Masch, bis nach
Westfalen und den nordhessischen Lkr. Kassel (Udolph 2002b, 134; Vilmar
25' Belege bei Förstemann II, 2, 219f.; Gysseling 690 u. ö.; Künzel/Blok/Verhoeff
488 (Register); Laur 1992, 450 und 729 (Register); Udolph 1994, 364-377.
-Zu (1) vgl. Dolch/Greule 1991, 314f.; zu (4) vgl. Diemer 1967, 43f.: Die Verfasserin
weist auf die Lage der Siedlung am Hochgestade des Rheins sowie in der
Nähe des feuchten Hardtgebietes hin. - Englische merac-Namen sind verzeichnet
bei Watts 2004, 400, 409 u. ö.
2:12 Der Frühbeleg zeigt das germanische Wort mit lateinischer Endung, vgl.
Niermeyer 2, 856.
253 Vgl. hierzu Peter von Polenz: Der Name Dithmarschen. Volksumdeutung und Gelehrtenumdeutung
im Mittelalter, in: Niederdeutsches Jahrbuch 79 (1956), 59-66.
254 Der Ausfall des r kann erst spät, nach der Senkung des /e/ zu /a/ vor r + Konsonant,
erfolgt sein.
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