Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

samtraumes  zum  Norden  bestand.  Die  /-Variante  Liesch  erscheint  hingegen
vorwiegend  an  der  oberen  Saar  und  damit  in  einem  Namenraum,  der  über  die
Vogesen  zum  alemannisch-elsässischen  Oberrhein  offen  ist  (dem  sogenannten
Eisasskeil,  vgl.  SCHORR  2000,  41-43  und  Karte  21).  Einen  sogenannten  gestürzten
  Diphthong  zeigt  ein  mundartlicher  Beleg  aus  Hüttersdorf  (Sl):  amtl.
Im  Lischenpfuhl,  mda.  [im  'leijopoulj.
Eine  weitere  Variante  ist  die  Kollektivbildung  Geleschi  Gelöscht  die  wahrscheinlich
  zu  Liesch  gehört  und  die  nur  in  drei  amtlichen  Flurnamen  belegt  ist.
Dazu  kommt  noch  das  räumlich  naheliegende  Waldgebiet  Ensheimer  Gelösch
zwischen  Ensheim  und  St.  Ingbert.  Die  Flurnamen  Löschbach  in  Scheuem  und
Walhausen,  Löschborn  in  Crehange  /  Kriechingen  sowie  Löschenbruch  in
Ottonville  wurden  unter  Lesch/Lesch  aufgenommen,  da  die  Mundartbelege  [lej-]
lauten.  Der  Flurname  löschen  und  Löschengraben  in  Farebersviller  mit  der
Mundartform  floijokraivo]  ist  dagegen  bei  den  sonstigen  Belegen  aufgeführt,
ebenso  wie  letsch(en)  in  Bliesmengen-Bolchen  und  Reitscheid  sowie  lychsten  /
listen  in  Grosbliederstroff  /  Großblittersdorf,  die  vor  bzw.  hinter  der  Spirans
einen  /-Einschub  zeigen.246
Der  Name  Liesch  wird  in  den  Belegen  des  Untersuchungsraumes  häufig  im
Plural  gebraucht.  Als  Bestimmungswort  von  Flur-  und  Gewässernamen  wird
Liesch  mit  den  Grundwörtern  Wiese,  Garten,  Bruch,  Acker,  Feld,  Matte,
Bach,* 24  Brunnen!Born  zusammengesetzt.
(R.  K.)

24(1  Diese  Erscheinung  tritt  auch  sonst  in  der  Germania  auf,  siehe  oben,  Abschnitt  C.
24  Zum  Flurnamen  Leschbach/Lisehbach  in  Brettnach  vgl.  L.  Poncelet/J.  Lang:
Enquête  sur  les  Noms  de  Lieux-dits  de  Brettnach,  in:  ASHAL  54=68  (1954),  57-74,
hier  61:  „Le  ruissau,  qui  arrose  la  localité,  s’appelle  ,Leschbach‘  ou  ,Lischbachi.  Il
tire  son  nom,  non  pas  d’une  plante  déterminée,  mais  d’un  ensemble  de  plantes,  qui
poussent  dans  des  prés  humides  ou  aux  bords  des  eaux,  telles  que  les  différentes
sortes  de  roseaux  (=  Schilf)  et  de  joncs  (=  Rohr).  L’habitant  appelle  ces  plantes
,Leijen‘.  Ce  mot  remonte  à  ,lisca‘  ou  ,liesch’  vha  (,lasca‘  en  italien,  ,laiche’  en
français).“

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