Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

ges  für  solche  Studien  erkennen.  Ältere  Arbeiten  sprachhistorischer  Art  flir
den  Saar-Mosel-Raum  sind  nicht  unbedingt  von  diesen  Prämissen  ausgegangen,
  weshalb  sie  methodisch  keine  innovative  und  grundlegende  historische
Wort-  und  Namengeographie  anbieten  konnten  (z.  B.  CHRISTMANN  1931;
WILL  1932;  Lehnert  1956/57).  Die  Forschung  zur  Entwicklungsgeschichte
der  im  östlichen  Lothringen  und  im  Saarland  gesprochenen  deutschen  Dialekte
  ist  deshalb  bis  heute  ein  nahezu  unbeschriebenes  Blatt  geblieben  (vgl.
HAUBRICHS  1987b,  1  llf.).
Um  die  wortgeographische  Stellung  des  Saar-Mosel-Raumes,  eines  kulturell
  und  sprachlich  äußerst  vielschichtigen  Raumes,  auszuloten,  bietet  sich  also
  die  Auswertung  der  Mikrotoponyme  besonders  an.  Es  ist  im  Bereich  des
landwirtschaftlichen  Sachwortschatzes  mit  relativ  wenigen  Neuerungen  in  der
Agrartechnik  des  Mittelalters  und  der  Frühen  Neuzeit  zu  rechnen;  gerade  der
Saar-Mosel-Raum  ist  in  Hinsicht  auf  die  agrarrechtlichen  Institutionen  als
konservativ  zu  betrachten  (Blickle  1995,  272  und  274f.),  was  besonders  da,
wo  kein  Kontinuitätsnachweis  zurück  bis  ins  Frühmittelalter  zu  erbringen  ist,
die  sprachhistorische  Interpretation  von  Flurnamen  erleichtert.  Die  Flurnamenüberlieferung
  des  Saar-Mosel-Raumes  hat  ihren  überlieferungsgeschichtlichen
  Schwerpunkt  in  der  Frühen  Neuzeit:  Es  lassen  sich  deshalb  die  seit  dieser
  Zeit  eingetretenen  Veränderungen  von  Namenräumen  mit  Sicherheit  erkennen
  und  Neuerungen  dieser  Zeit  aus  der  Argumentationskette  ausscheiden.
Unter  Berücksichtung  wortgeographischer,  sprachgeschichtlicher  sowie  agrarund
  rechtshistorischer  Aspekte  sind  Namenwörter  erfasst  worden,  die  als  Indikatoren
  älterer  Flurnamenschichten  anzusehen  sind,  die  in  manchen  Fällen  bis
in  die  merowingische  und  karolingische  Zeit  zurückzuführen  sind.
1.6. Erläuterung  der  Begriffe  ,Nordwort4  und  ,Südwort4
Die  Auswahl  einschlägiger  und  aussagekräftiger  Namenwörter  für  vertiefende
Einzelstudien  richtete  sich  nach  verschiedenen  Kriterien.  ,Nordwörter‘  sind  in
erster  Linie  als  Wörter  zu  definieren,  die  vom  Saar-Mosel-Raum  als  Untersuchungsgebiet
  dieser  Studies  aus  betrachtet  Anschluss  nach  Norden  aufweisen:
  Sie  stehen  in  einem  direkten  wortgeographischen  Zusammenhang  mit
dem  Ripuarischen  und  Niederfränkischen.  Als  ,Südwörter1  sind  dagegen  solche
  Wörter  abzugrenzen,  die  exklusiv  in  oberdeutsche  Zusammenhänge  gehören.
  In  beiden  Fällen  stellt  sich  die  methodische  Frage  nach  ihrer  Identifizierung
  und  Erfassung  als  ,Nordwörter1  bzw.  ,Südwörter‘.  Hauptsächlich  bieten
  sich  hierzu  zwei  einschlägige  Kriterien  an:  zunächst  die  areale  Verbreitung
und  Häufung  innerhalb  des  Untersuchungsgebietes  im  Vergleich  mit  der
sprachgeographischen  Verbreitung  des  untersuchten  Lemmas  im  gesamten
deutschen  Sprachgebiet.  Letzteres,  eine  klar  fassbare  Verbreitungsstruktur  in

Vgl.  Kapitel  2.1.  und  Abb.  1.

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