Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

2138f.  und  2493-2496;  MnlWb  4,  667  und  914).  44  N1.  lis  ,Liesch1  kommt
mit  dem  Grundwort  Weg  zusammengesetzt  im  Namen  von  Lissewege  vor,  einem
  Stadtteil  von  Brügge  (B,  Prov.  Westflandern):  1060/70  kop.  13.  Jh.
Liswege  (GYSSELING  624).  Asächs.  liuski  (HOLTHAUSEN  1954,  48)  liegt  vor
im  Siedlungsnamen  11.  Jh.  A.  de  Liuschi  (die  heutigen  Bauerngüter  Lüsche,
Gde.  Bakum,  Lkr.  Vechta)  sowie  im  Namen  von  Lüßum  (Stadt  Bremen):  Fä.
12.  Jh.  auf  832  villa  Liusci  (JELL1NGHAUS  137;  MÖLLER  1979,  102).
Der  Ansatz  einer  gemeinsamen  germanischen  Basis  ist  wegen  der  Variation
im  Vokal  der  Wurzelsilbe  nicht  ohne  weiteres  möglich.  Herkunft  und  Grundbedeutung
  des  Wortes  bleiben  unklar,  zumal  außerhalb  des  Westgermanischen
und  des  Romanischen  keine  Vergleichsmöglichkeiten  bestehen."42
C. Im  deutschen  Sprachgebiet  sind  die  Varianten  von  Liesch  geographisch
klar  verteilt:  Die  /-Form  ist  fast  über  das  gesamte  Gebiet  verbreitet,  Liisch  ist
die  niederrheinische  Form,  Lesch,  Lesch  begegnen  vorwiegend  im  Norden.
Meist  ist  das  Wort  Neutrum,  im  Schwäbischen  und  Badischen  Maskulinum
und  nur  vereinzelt  noch  Femininum.  Hauptsächlich  im  Süden,  in  Baden  und
im  Eisass,  vereinzelt  aber  auch  in  Schleswig-Holstein,  Hessen,  Lothringen
und  der  Pfalz,  begegnen  Formen  mit  an  den  spirantischen  Auslaut  sekundär
angetretenem  epithetischem  t;  auch  in  der  Position  vor  der  Spirans  wird  in  einigen
  Mundarten  ein  t  eingeschoben.
Im  Norden  stehen  Leesch  und  Liesch  mit  neutralem  Genus  nebeneinander,
schleswig-holsteinische  Nebenformen  sind  Lees  und  Leest.  Das  Wort  bezeichnet
  verschiedene  Wasser-  und  Sumpfpflanzen,  z.  B.  Rohrkolben,  Igelkolben.
  Schwertlilie,  ln  Moorgebieten  heißt  auch  die  unter  dem  schwarzen  festen
Torfliegende  Moorschicht,  die  mit  Holz-  und  Pflanzenresten  stark  durchsetzt
und  für  die  Torfbereitung  untauglich  ist,  Leesch.  Ferner  ist  Leesch  Bestimmungswort
  in  Flurnamen  auf  -furt,  -kroog,  -plump,  -wisch  (CLAUSEN  1988,
73;  Scheuermann  1995,  134;  SchleswHWb  3,438f.).
Lieschgras,  Schilfrohr  und  die  Blätter  der  Schwertlilie  heißen  im  Ripuarischen
  und  Niederfränkischen  Liisch  n./f.,  vereinzelt  auch  Liisch,  Liitsch,  im
Rheinland  südlich  des  £/Ac/7-Gebietes  häufig  Lesch,  daneben  auch  Liesch,

244  Zu  nl.  lies,  luus,  lus(ch)  sind  die  verbreitet  vorkommenden  Flurnamen  lieskamp  und
liesveld,  in  der  Region  Zaan  in  der  Provinz  Nordholland  auch  luusjes,  gebildet
(Schönfeld  1950,  69).  -  VroegMnlWb  2,  2811  nennt  mit  Belegjahr  1240  die
Limburger  Varianten  lesche  und  lesge  sowie  als  Kompositum  von  1278  lissehroec
(mit  dem  Grundwort  Bruch  ,Sumpfland‘).
242  Dieses  Problem  wird  auch  diskutiert  in  Marzell  1,  827f.  s.  v.  Carex.  -Hubschmid
1954  führt  die  germanischen  und  romanischen  Typen  *leuska,  *leiska  und  *laska
zurück  auf  eine  Verbalwurzel  mit  der  Bedeutung  .schneiden4,  Benennungsmotiv
seien  die  schneidenden  Blätter  der  Sumpfpflanzen.  Die  von  ihm  erschlossenen  Varianten
  *lei-,  *lä-  zur  Wurzel  idg.  *leuH-  .abschneiden,  lösen4  (LIV  417)  sind  jedoch
sonst  nicht  nachweisbar.

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