Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Letschenfeld  [am  'le:tj3felt],  Rechts  der  Letschenbach  [am  'letjbbox],  Links  auf
die  Letschbach  [lii]ks  on  da  'le:tjabax].  Farebersviller  (SA):  1698  or.  dt.  in
die  löschen  /  ander  seit  den  besehen  (AD  Mos  4  E  153),  1736  or.  dt.  in  die
löschen  (AD  Mos  4  E  154),  о  Löschengraben  ['leijakrarva].  Grosbliederstroff
  /  Großblittersdorf  (Sg):  1588  kop.  dt.  in  den  lychsten  (LA  Sp  Gräfinthaler
  KPB),  1756  or.  frz.  au  dessus  de  langen  loeschen  (AD  Mos  4  E  208),  о
Unten  an  den  langen  besehen  /  au  dessus  de  -  listen,  Lieschen  oberhalb  der
redoute  /  -  au  dessus  de  -  [li:sja].  Reitscheid  (SW):  1721  or.  dt.  in  der
letschen  wiess  (LHА  Ko  1  С/15183,  140),  о  In  der  Litschwiese  [en  dt?
'letjVi:s].
(Vgl.  Abb.  31)
B. Die  Etymologie  von  Liesch  n.  ,Riedgras1  ist  undeutlich.  Möglich  scheint
eine  Entlehnung  aus  mlat.  Iisca  f.  ,Segge1  (Du  CANGE  5,  121;  NiERMEYER  1,
803),  dessen  Herkunft  aber  ebenfalls  nicht  klar  ist.* 24  Wahrscheinlicher  ist  es,
dass,  wie  bei  anderen  romanischen  Wörtern  dieser  Sippe  vermutet  wird,  der
Entlehnungsvorgang  in  umgekehrter  Richtung  verlaufen  ist:  Frz.  laiche,  piemont.
  lesca  ,Riedgras1,  ital.  Iisca  ,  Hanfspelze1  werden  als  Entlehnungen  aus
dem  Germanischen  interpretiert  (KLUGE  575;  vgl.  auch  KLUGE/MlTZKA  1963,
441).241  Nicht  auszuschließen  ist  aber  auch,  dass  die  germanischen  und  die
romanischen  Formen  aus  einer  Substratsprache  entlehnt  sind.  De  VRIES  1971,
405  denkt  an  eine  indogermanische  Wurzel  *leu-  ,Schmutz,  beschmutzen1
(1EW  681).  Benennungsmotiv  sei  das  Vorkommen  der  Pflanze  auf  schlammigem
  Boden.
Das  Wort  begegnet  in  verschiedenen  Formen,  die  sich  in  ihrem  Wurzelvokal
  unterscheiden  und  deren  gegenseitiges  Verhältnis  nicht  geklärt  ist:  In  althochdeutschen
  Glossen  kommen  Iisca  f.  ,carex,  Riedgras1  und  lese  f.  ,scirpus,
Binse1  vor,  letzteres  in  mittefränkischen  und  niederdeutschen  Handschriften
(AhdGl  6,  117;  Graff  2,  281;  Splett  I,  1,  556;  Starck/Wells  371  und
379).  Die  mittelhochdeutsche  Form  ist  besehe,  vermutlich  mit  femininem  Genus
  (LEXER  1,  1913),  während  das  Wort  heute  meist  Neutrum  ist.
Im  Mittelniederdeutschen  kommt  neben  lesek  (lesik)  ,Liesch,  carex1  vereinzelt
  auch  lösch  (luysch,  lus)  ,Schilf,  Binse,  Liesch,  carex1  vor  (MndHdWb
II,  1,  792  und  873f.).  Ein  mittelniederdeutsches  Glossenwort  ist  lius  f.  ,alga,
Seegras1  (AfidGl  6,  117).  Unterschiedliche  Bildungen  hat  auch  das  Mittelniederländische
  mit  lissche,  lisch,  lessche,  lesch(e)  n./f.  sowie  luusch,  luesch  n.
,Riedgras1,  nnl.  lis,  lies,  lisch,  les(ch)  n./m./f.,  dial.  leus,  luusjch,  luisbloom
(EWN  3,  241;  De  Vries  1971,  405;  Franck/Van  Wuk  392;  WNT  VIII,  2,
242  Niermeyer  1,803  kennzeichnet  Iisca  als  germanisches  Wort.
24’  FEW  5,  372-374  vermutet  wegen  der  Vokalvarianten,  die  neben  dem  Fränkischen
auch  im  Galloromanischen  auftreten  und  dort  vom  Germanischen  her  nicht  zu
rechtfertigen  seien,  „vorrömischen“  und  „vorgermanischen“  Ursprung.

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