Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Die  Schreibungen  Kothen-,  Koden-,  Koten-,  Kaden-  lassen  in  Verbindung
mit  Mundartbelegen,  die  Längung  zeigen,  auf  einen  in  offener  Tonsilbe  entstandenen
  Langvokal  schließen.  Als  Grundwörter  begegnen:  -bäum,  -born,
-hrannen,  -de/!,  -je  Id  (er),  -gärten,  -Häuschen,  -hübel,  -klamm,  -tal,  -wiese(n).
Für  das  Untersuchungsgebiet  sind  Kotten,  also  Leprosorien,  ab  dem  15.
Jahrhundert  in  Flurnamen  nachgewiesen.  Leprosorien  gab  es  jedoch  im  südwestdeutschen
  Raum  schon  viel  früher;  so  wurde  z.  B.  das  Leprosenhaus  zu
Speyer  im  Jahr  1239  erstmals  erwähnt  (Staerk  1972,  532).  Die  Verwendung
des  Appellativs  Kotten  in  der  Bedeutung  ,Hütte4  etc.  wie  auch  in  der  Sonderbedeutung
  ,Leprosorium‘  ist  im  Zusammenhang  mit  den  pfälzischen  Verhältnissen
  zu  sehen.  Hier  hat  Kotten  ebenfalls  zunächst  die  Bedeutung  ,Hütte4
etc.,  aus  der  dann  -  in  euphemistischer  Verwendungsweise  des  Wortes  -  die
Sonderbedeutung  entstehen  konnte.
Wie  die  Kartierung  zeigt  (vgl.  Abb.  29),  befindet  sich  ein  großer  Teil  der
Belege  im  Namenraum  an  unterer  Blies  und  mittlerer  Saar,  dem  sogenannten
Pfalzkeil.  Entlang  der  Altstraße  von  Worms  nach  Metz  konnten  sprachliche
Formen  aus  der  Pfalz  in  westlicher  Richtung  nach  Saarbrücken  vorstoßen
(SCHORR  2000,  48-51  und  79  Karte  21).

(R.  K.)
            
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