Landwirtschaft; ein von einem Hof oder aus der Mark geschnittenes Landstück4
entwickelt (Jellinghaus 123; WOESTE 140). Hier ist der Aspekt, dass
der Kotten zunächst einmal eine Hütte, ein kleines Haus war, in den Hintergrund
getreten.
Am Niederrhein (dort auch in der Variante Kate) und im Niederbergischen ist
der Kotten ,eine kleinere Bauemstelle, oft von einem größeren Bauerngut abhängig
und mit minderen Rechten, aber auch mit weniger Pflichten4
(Dittmaier 134 und 162L; ähnlich RheinWb 4, 253 und 1279). Diese Bedeutung
galt wohl ursprünglich im gesamten rheinischen Verbreitungsgebiet. Der
Aspekt des Kleinen und Minderwertigen wurde dann im mittleren und südlichen
Rheinland herausgehoben. Im appellativischen Wortschatz wie auch in Flurnamen
dieses Raums bezieht sich Kotten in verächtlichem Sinne auf ein kleines,
wenig ertragreiches Anwesen, ein altes, baufälliges Haus oder eine minderwertige
Hütte (Dittmaier 163; Lerchner 1971, 213; RheinWb 4, 1285).
In Hessen ist Kotten ,kleines Bauernhaus ohne Feld4 von Norden her bis in
die Schwalm und nach Oberhessen nachgewiesen, ln hessischen Urkunden
des 16. Jahrhunderts findet sich die Lautform koden (ViLMAR 214L) mit Lenisierung
des Dentals durch den folgenden Nasal. Für Südhessen ist kein appellativischer
Gebrauch mehr nachgewiesen (SHessWb 3, 1699), aber Flurnamenbelege,
die im 16. Jahrhundert einsetzen, weisen noch auf das ehemalige
Vorhandensein des Wortes, das in diesem Raum auch Köhlerhütten bezeichnet
hat, hin (SHessFln 597).
In der Pfalz hat Kotten in der älteren Mundart die Bedeutung ,am Rande
oder abseits von Siedlungen stehendes Haus für die Aussätzigen4. Die rezente
Bedeutung ist ,ein einzelnes Haus ohne Feldgüter, ohne Anspannvieh u. ohne
Nebengebäude4. Zahlreiche Flurnamen der ganzen Pfalz, besonders der Westpfalz,
sind mit Kotten zusammengesetzt, z. B. Kottenacker, -bach, -berg,
-brach, -brunnen, -feld, -garten, -klamm, -rech, -stück, -tal, -Wäldchen, -wiese,
-Winkel. Kotten ist auch der Name eines Stadtteils von Kaiserslautern, der früher
von der ärmeren Bevölkerung bewohnt war. In pfälzischen Mundartbelegen
zeigt sich der ¿/-Rhotazismus: Korre, Kore (PfälzWb 4, 502; Zink
1923, 129).222 Ebenfalls mit mhd. kote ,Hütte4 ist der Name des Dorfes
Kottweiler im Lkr. Kaiserslautern gebildet (DOLCH/GREULE 1991, 267: a.
1377 or. Kodewilre). ln einem Raum, der sich von Kaiserslautern bis Saarbrücken
und von Zweibrücken bis Kusel erstreckt, hat das Wort die spezielle
Bedeutung ,Leprosarium4 angenommen; hierfür werden sonst auch die Bezeichnungen
Gutleuthaus oder Siechenhaus verwendet (CHRISTMANN 1955,
189-193 und Abb. 6, 190; Ders. 1965, 34 und 216; LlPPS 1962, 99-102;
PfälzWb 4, 502).2,6 Die auch sonst anzutreffende Verwendung des Wortes
235 Zink bezieht den Flurnamen Kotten auf den Quittenbaum; diese Deutung ist abzulehnen.
236 Vgl. hierzu einen westpfalzischen Beleg, der im PfälzWb 4, 502 zitiert ist, aus dem
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