Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

führter  Zweiter  Lautverschiebung,  ahd.  resultieren.  Da  der  Kotten  im
schwäbischen  auch  ein  Behälter  für  Holz  etc.  sein  kann  (auf  hochdeutschem
Gebiet  ist  dafür  allerdings  eine  Vorform  *kuda-  zu  erwarten)  und  das  bair.
Kotter  (falls  es  hierhin  gehört)  ein  ,Behälter  für  Wahnsinnige,  Käfig,  Gefängnis4
  ist,  darf  an  einen  Zusammenhang  mit  einem  anderen  Wort  für  ein  Behältnis
  gedacht  werden,  in  dem  möglicherweise  die  hochdeutsche  Entsprechung
von  nd.  Kotten  vorliegt:  Kötze,  Kietze  f.  ,Tragkorb4.  Ob  diese  Formen  jedoch
alle  zusammengehören,  ist  unsicher.  Daher  ist  eine  semantische  Übereinstimmung
  zwischen  Kotten,  das  zunächst  eine  Hütte  oder  ein  kleines  (Bauern-)Haus
  bezeichnet,  und  Kötze!Kietze  nicht  ohne  weiteres  zu  beweisen,  außerdem
  wäre  noch  die  Herkunft  des  Umlauts  zu  klären.229
Das  Vorhandensein  von  Kotten  im  Oberdeutsch-Alemannischen  kann  wohl
nur  durch  Entlehnung  des  Wortes,  das  auch  bei  norddeutschen  Schriftstellern
vorkommt,  erklärt  werden.  Im  SCHWEIZlD  3,  569  wird  das  Dorf  Kottwil  (CH,
Kt.  Luzern)  im  Zusammenhang  mit  einem  Kotten  genannt.  Nach  einer  neueren
  Darstellung  ist  der  Name  Kottwil  -  die  ältesten  Belege  lauten:  1173
predium  chotwile,  1277  de  Chottewile,  1303/08  ze  Kotwile  -  aber  sehr  wahrscheinlich
  als  ein  Kompositum  aus  dem  althochdeutschen  Personennamen
Cotto,  Chotto2M)  und  ahd.  wlläri  zu  interpretieren  (LSG  487;  ebenso  schon
FÖRSTEMANN  11,  1,  1765).  Dafür  spricht  auch  die  allgemeine  Feststellung,
dass  vm/er-Namen  in  der  Masse  mit  einem  Personennamen  komponiert  werden
  (PITZ  1997,  737-807).  Die  Überlieferung  des  Namens  von  Kottwil  kann
also  nicht  ohne  weiteres  als  Indiz  dafür  herangezogen  werden,  dass  Kotten  bereits
  im  12.  Jahrhundert  im  appellativischen  Wortschatz  der  heutigen  Schweiz
vorhanden  gewesen  ist.
Eine  Nebenform  des  niederdeutschen  Wortes  kote,  die  seit  dem  15.  Jahrhundert
  auftritt,  ist  mnd.  käte.2'1  Diese  Nebenform  lebt  in  der  Standardsprache
als  Kate  f.  fort,  während  die  o-Form  nur  noch  mundartlich,2’2  in  Flurnamen

229  Etwas  anders  Kluge  487:  Kötze,  Kietze  könnte  eine  (ahd.)  -Ava-Ableitung  zu  Kate,
Kote  sein.  Trifft  dies  zu,  ist  damit  der  Umlaut  erklärt.  Allerdings  wird  auch  ein  Zusammenhang
  mit  Kiepe  f.  ,Tragkorb“  nicht  ausgeschlossen,
2,11  Förstemann  I,  375  und  384.  Weitere  Siedlungsnamen  zum  oberdeutschen  Personennamen
  Kutto,  Kuttilo  (?)  sind  bei  Förstemann  11,  1,  1764f.  zusammengestellt.
Der  Personenname  sei  sonst  unbekannt.  Vgl.  auch  Kaufmann  1965,  74f.:  Ortsnamen,
  die  Kurznamen  zu  den  Personennamenstämmen  Göda-  (zu  got.  göds,  ahd.
guot  ,bonus4)  und  Güda-  (zu  got.  güth,  güdis;  asächs.  göd,  ahd.  göt  ,deus4)  enthalten,
  sowie  Kaufmann  1968,  88.
2,1  Hier  zeigt  sich  die  im  15.  Jahrhundert  einsetzende  Scheibung  (a)  für  (o),  vgl.  mnd.
got  m.  ,Gott“,  das  westfälisch  und  nordniedersächsisch  im  Genitiv  als  gades  belegt
ist  (MndGr  §  89;  MndHdWb  2,  137).  Belegnachweise  für  das  Auftreten  von  Kate
ab  1468  finden  sich  im  MndWb  2,  550.
232 Ammon  2004,  434:  Kotten  m.  kommt  in  der  Bedeutung  historisches  Gehöft4  in
Nord-  und  Mittelwestdeutschland  vor.

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