Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Koppel-Flurnamen  in  der  Wetterau  im  späten  14.  und  sonst  im  15.  Jahrhundert
ein;  die  Flurnamen  beziehen  sich  in  Hessen  durchweg  auf  Weideflächen,  die
von  zwei  benachbarten  Gemeinden  gleichberechtigt  genutzt  werden  durften
(Jung  1985,  109;  SHessFln  594;  Vielsmeier  1,  1995,  283).
Im  appellativischen  Wortschatz  des  Rheinlandes  ist  Koppel  in  der  Bedeutung
  ,Weideland1  nicht  erhalten  (RheinWb  4,  1235f;  vgl.  auch  POST  1982,
133).  Flurnamen  aus  dem  Oberbergischen  Kreis  sowie  aus  den  Landkreisen
Neuwied  und  Mayen-Koblenz  enthalten  Koppel  als  Simplex.  Die  Komposita
Koppelweide  und  Koppelwiese  kommen  insbesondere  am  Niederrhein  und
auch  im  Oberbergischen  Kreis  vor.  Ein  alter  Ortsname  kommt  aus  dem  Rhein-Erft-Kreis:
  1028  or.  Copeleweide  (siehe  oben,  Abschnitt  B);  aus  Oberlahnstein
im  Rhein-Lahn-Kreis  stammt  der  Beleg  im  Koppele  aus  dem  Jahr  1258
(Dittmaier  161).  Dittmaier  gibt  zwei  Bedeutungen  an,  erstens;  ,Bodenfläche,
  auf  der  zwei  oder  mehr  Personen  gleiches  Recht  haben4;  das  Wort  sei
in  dieser  Bedeutung  direkt  an  lat.  cöpula  anzuschließen,  eine  Entlehnung  aus
afrz.  co(u)ple  im  13.  Jahrhundert  treffe  der  rheinischen  Überlieferung  nach
nicht  oder  höchstens  für  die  zweite  Bedeutung  zu;  zweitens:  ,Feld  von  einer
bestimmten  Größe,  Joch  Landes4;  in  dieser  Bedeutung  könne  Koppel  auf  afrz.
co(u)ple  Joch,  Joch  Ochsen,  Joch  Landes4  zurückgehen,  die  eigentliche  Bedeutung
  sei  ,soviel  Land,  als  ein  Paar  Ochsen  in  einem  Tage  pflügen  kann4.
PfälzWb  4,  473  gibt  für  Koppel  f.  die  nicht  mehr  in  der  Mundart,  sondern
nur  noch  vereinzelt  in  Flurnamen  wie  Koppelstück  (Zweibrücken:  1791  Koppel
  stück;  Albessen,  Lkr.  Kusel:  amtl.  Kopperstück,  mda.  Koppestick)  und
Koppelweide  (Walsheim,  Saarpfalz-Kreis;  vgl.  Abschnitt  A)  erhaltene  Bedeutung
  ,umzäunte  Weideabteilung  für  eine  bestimmte  Anzahl  von  Weidetieren
(Kühe,  Pferde)4,  auch  ,Feld  von  einer  bestimmten  Größe4  an.  Für  das  Obere
Rheinengtal  zwischen  Koblenz  und  Bingen  wird  nur  der  Bopparder  Flurname
von  1719  or.  auff  Koppelsbergh  verzeichnet  (Halfer  1988,  193).  In  der
rheinhessischen  Gemeinde  Nackenheim  sind  Äx>/?/?e/-Flurnamen  ab  1387  bezeugt
  (under  der  Koppeln,  undir  deine  Koppelberge);  die  rezenten  Belege  lauten
  Die  Kuppel  und  An  der  Kuppel.  Schon  im  14.  Jahrhundert  wurde  das  betreffende
  Gelände  als  Weinberg  genutzt  (Zernecke  1991,307).
Mit  Koppel  zusammengesetzte  Flurnamen  in  der  Rechtsbedeutung  ,  Weidefläche,
  auf  der  mehrere  Personen  oder  Gemeinden  gleiches  Recht  haben4  reichen
  in  den  niederalemannischen  und  den  schwäbischen  Dialektraum  hinein
(das  Elsässische  ist  ausgenommen).  Ein  appellativisches  Vorkommen  wird
nicht  genannt  (BadWb  3,  331;  ROOS  1966,  291;  SchwäbWb  4,  857).  Auffällig
  sind  die  Belege,  in  denen  Koppel  Maskulinum  oder  Neutrum  ist,  während
sonst  feminines  Genus  vorherrscht:  1344  In  dem  cuppel  in  Riegel  am  Kaiserstuhl,
  1436  an  dem  kuppel  in  Bahlingen  am  Kaiserstuhl,  beide  Orte  Lkr.  Emmendingen
  bei  Freiburg.  Das  Schweizerische  Idiotikon  meldet  kein  Vorkommen
  in  der  hier  zu  behandelnden  Bedeutung,  und  den  bairischen  Mundarten
ist  Koppel  als  Bezeichnung  für  ,Weide4  ebenfalls  fremd.

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