Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

lonie,  belegen  (Scheuermann  1969,  101  fl).  In  Hamburg  bezeichnet  Koppel  f.
ein  ,(durch  Graben,  Knick  oder  Zaun)  eingefriedetes  Stück  Weide-  oder
Ackerland,  auch:  gehegtes  Waldstück;  urspr.  gemeinschaftlich  genutztes
Landstück1.  Oft  tritt  Koppel  als  Grundwort  von  Flurnamen  auf,  z.  B.  Bullen-,
Busch-,  Dorp-,  Haid-,  Hunger-,  Scheun-koppel  (HambWb  2,  1213).
Eine  weite  Verbreitung  haben  Koppel-Flurnamen  im  Ostfalischen,  neben
dem  Simplex  kommen  verstärkt  die  Komposita  Koppelwiese,  Koppelweide
und  Koppelhude  vor,  die  sich  auf  das  Merkmal  der  gemeinsamen  Weideberechtigung
  beziehen  (Zusammenstellung  der  ostfalischen  Flurnamenbücher
mit  Belegangaben  zu  Alop/?e/-Flurnamen  in:  WestfFlnAtl  Nr.  37).  Der  in
den  Komposita  zum  Ausdruck  kommende  Rechtsaspekt  (vgl.  DRW  7,  1299:
Koppelhut;  ebd.,  1300t'.:  Koppelweide)  unterscheidet  die  ostfalischen  deutlich
von  den  nordniederdeutschen  Koppel-Flurnamen,  die  ,eingezäuntes  Feld,
Wiese  oder  Stück  überhaupt,  das  nicht  als  Garten  dient1  (DWB  11,  1786)  bezeichnen.
  Ähnlich  verhält  es  sich  in  Westfalen  und  in  Hessen.
In  den  westfalischen  Mundarten  ist  Koppel  in  der  Bedeutung  ,  Weide,  Stück
Land4  nicht  mehr  vorhanden.  Das  Areal  der  Flurnamen,  in  denen  diese  Bedeutung
  von  Koppel  erhalten  ist,  zerfällt  in  einen  östlichen,  bei  Minden  westlich
der  Weser  gelegenen  Streifen  und  in  ein  Gebiet,  das  die  Westhälfte  Westfalens
  einnimmt  und  in  rheinisch-niederländischen  Zusammenhängen  steht.
Die  meisten  Belege  enthalten  das  Simplex  Koppel,  z.  T.  mit  unterscheidenden
Adjektivattributen  erweitert  (eerste  /  tweede  Koppel,  kleine  /  große  Koppel,
die  oberste  /  unterste  Koppel  etc.).  Komposita  mit  dem  Grundwort  Koppel
sind  seltener  (Kälberkoppel,  Füllenkoppel).  Um  Zufährtswege  zu  Koppeln
handelt  es  sich  bei  Komposita  mit  einem  Grundwort  in  der  Bedeutung  ,Weg,
Straße1  (Koppelpad,  Koppelweg).  Drei  Komposita  mit  Koppel  als  Bestimmungswort
  zeigen  eine  Häufung  gegenüber  den  übrigen:  Koppelhude  (bezieht
sich  auf  gemeinsame  Nutzung  durch  benachbarte  Gemeinden,  ist  also  Allmendeland),
  Koppelwiese  (Weiden,  die  von  zwei  oder  auch  mehreren  Höfen
benutzt  werden  konnten)  und  Koppelkamp  (Nutzung  ähnlich  wie  bei  der  Koppelwiese).
  interpretationsschwierigkeiten  bestehen  in  Westfalen  wegen  der
Verwechslungsgefahr  mit  Koppel  m.  ,kleiner  Berg,  Hügel122'  und  mit  westf.
koppel,Kopfweide,  salix1  (WestfFlnAtl  Nr.  37).
Auch  in  Hessen  ist  Koppel  in  der  Bedeutung  ,Stück  Land,  auf  dem  zwei
oder  mehr  Personen  gleiches  Recht  haben1  (KEHRETN  1872,  484;  ShessWb  3,
1670)  nur  in  Flurnamen  erhalten.  Diese  weisen  eine  gleichmäßige  Streuung
auf,  die  südlich  der  mittelhessischen  Namenscheide  allmählich  ausdünnt.  Bei
den  Kombinationstypen  herrscht  Koppelhute  vor,  häufiger  kommen  noch
Koppelwiese  und  Koppelweide  vor.  (HessFlnAtl  Karte  38  und  Kommentar).
Nach  Ausweis  hessischer  Flurnamenarbeiten  setzt  die  Überlieferung  von

~  1  Das  Hügelwort  Koppel  ist  etymologisch  mit  Kuppel  bzw.  mit  Kuppe/Koppe  ,Haube,
Hügel1  zu  verbinden.

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