Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

RheinWb  4,  771).  Häufiger  jedoch  haben  die  auf  mnd.  klöt  usw.  ,Kloß,
Klumpen1  (<  germ.  *klautaz)  zurückzuführenden  Flurnamen  im  nördlichen
Rheinland  die  Bedeutung  ,Erdklumpen,  Scholle,  Erde,  Lehm1  (vgl.  RheinWb
4,  823  Abschnitt  A),  welche  für  das  Namenwort  sicher  die  ursprüngliche  ist:
z.  B.  1394  die  Cloei  in  Xanten;  14.  Jh.  eyn  kloet  in  Duisburg-Meiderich,  1452
die  Cloei,  Clote  in  Veen  bei  Moers  (DlTTMAIER  149).
Auch  die  zu  den  Formen  aus  germ.  *klautaz  im  Ablaut  stehenden  Wörter
-  mnd.  klüt(e)  usw.  -  bilden  Toponyme,  zunächst  mit  der  allgemeinen  Bedeutung
  .Geballtes,  Klumpiges1  und  dann  auch  mit  der  speziellen  Bedeutung
.Torf-,  Braunkohlenstücke1  (vgl.  dazu  RheinWb  4,  823  und  Abschnitt  D):
Klüttenweg,  Klutenseheuer,  Klüttchen,  Kluten  im  westlichen  Teil  Nordrhein-Westfalens
  (DlTTMAIER  151);  ferner  Klüt,  Ortsteil  von  Detmold,  Kr.  Lippe,
und  Klüt,  Berg  bei  Hameln  (JELLINGHAUS  122).
ln  Nordhessen  sind  die  unverschobene  Form  Klüte  m.  und  die  Varianten
Klaute,  Klüten,  Klauten  .Klumpen.  Erdscholle1  gerade  noch  heimisch  (Vilmar
  209f.).  Als  niederdeutscher  Import  wird  hingegen  wegen  der  unverschobenen
  Lautform  im  SHessWb  3,  1451  ein  singulär  belegtes  Diminutiv  zu
Klut  (Bedeutung:  .kleine  Spielkugel  aus  Glas1)  gedeutet.
ln  der  luxemburgischen  Mundart  gibt  es  zum  einen  das  unverschobene  Femininum
  Klott  .kleine  Scholle1,  zum  anderen  das  damit  verwandte  Klout,  Klut
f.  ,Hode‘  (LuxWb  2,  397f.).  Dies  sind,  wie  in  anderen  Mundarten  auch,  semantische
  Entwicklungen,  denen  die  Ausgangsbedeutung  .Klumpen,  Gerundetes1
  der  Wortfamilie  (siehe  oben,  Abschnitt  B)  zugrunde  liegt.  Für  das  lothringische
  Sierck  wird  ein  Femininum  Klut  ,Hode‘  verzeichnet,  das  an  das  luxemburgische
  Vorkommen  anschließt,  und  ferner  ein  weiteres  Femininum
Klutte  .große,  plumpe  Hand1,  das  man  mit  den  entsprechenden  niederdeutschen
  Wörtern  in  der  Bedeutung  .Klumpen1  verbinden  kann  (DtLothrWb
296).  Für  das  Moselfränkische  an  unterer  Saar  und  Obermosel  weist  CON-RATH
  118  den  Plural  Klööten  .Hoden1  nach.  Das  Vorhandensein  der  unverschobenen
  Formen  mit  der  Bedeutung  .Hode1  im  Verschiebungsgebiet  deutet
VENEMA  1997,  283f.  wie  folgt:  „Die  unterbliebene  Lautverschiebung  für  die
speziellen  Bedeutungen  zu  nhd.  Kloß  erklärt  sich  aufgrund  der  Bedeutungsdifferenzierung.
  Die  unverschoben  gebliebenen  Belege  gehören  semantisch
zur  obszön/vulgären  Volkssprache.  Der  Unterschied  zur  verschobenen  Form
in  der  standardsprachlichen  Bedeutung  sollte  auch  lautlich  deutlich  werden.11
D. An  das  im  Appellativbereich  am  weitesten  nach  Süden  reichende  rezente
Vorkommen  von  Klutt,  Klott  im  Dreieck  Luxemburg/Lothringen/Saarland
schließt  das  spärliche  toponymische  Vorkommen  im  Nordosten  des  Untersuchungsraumes
  an.  Diese  Reliktlage  markiert  die  äußerste  Südgrenze  der
arealen  Verbreitung  des  Namenwortes  in  der  unverschobenen  Lautform."15

21i  Viel  besser  belegt  in  Flurnamen  des  Saar-Mosel-Raumes  ist  hingegen  die  verschobene
Form  Klotz,  während  bei  Flurnamen,  die  mit  Klos(s)  gebildet  sind,  zu  bedenken  ist,
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