Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Form  Kloß  meist  eine  kugelförmige  Teigspeise,  während  das  entsprechende
unverschobene  Wort  über  die  semantische  Spezialisierung  ,Erdscholle,  Klumpen1
  zum  Namenwort  werden  konnte.  14
Zu  der  geminierten  Variante  germ.  *kluttaz  dürfte  das  Namenwort  Klott
,Klumpen4  zu  stellen  sein,  das  in  Dithmarscher  Flurnamen  vorkommt
(Falkson  2,  2000,  525).
Das  Fiamburgische  und  das  Niedersächsische  Wörterbuch  belegen  jeweils
mehrere  Varianten,  die  sich  durch  drei  unterschiedliche  Ausgangsformen
-  mnd.  klöt  <  germ.  *klautaz,  die  ablautende  Variante  mnd.  klüt(e)  und  mnd.
klot  <  germ.  *kluttaz  -  erklären  lassen  und  die  sich  nicht  immer  eindeutig
voneinander  unterscheiden:  In  Hamburg  kommen  die  Varianten  Kloot,  Klööt
und  Klent  als  Maskulinum  und  als  Femininum  in  den  Bedeutungen  ,Kloß,  Kugel;
  was  zusammengeballt  ist4  (dies  nur  m.)  und  .Hode4  (m.  und  f.)  vor;  auch
als  Schimpfnamen  werden  die  Wörter  benutzt  (HambWb  2,  1103).  Kluten  m,
bedeutet  hier  ,Klumpen,  bes.  Erdklumpen'  -  dafür  wird  vereinzelt  auch  Kluut
gebraucht  -  und  übertragen  ,schwerer,  großer  Mensch4;  Klütert  und  Klüüt  sind
Bezeichnungen  für  den  Kloß  (HambWb  2,  1116).
In  Niedersachsen  sind  die  Hauptformen  Klöt,  Klöte  m./f.  ,KIoß,  Klumpen,
Kugel,  Klotz,  Hoden'  usw.,  Klotten,  Klutten  PI.  .Lumpen,  zerfetzte  Kleidung'
und  Klüte(n),  Klüte(n)  .Klumpen,  bes.  Erdklumpen,  Scholle,  Kloß'  usw.  Diese
haben  ein  umfangreiches  Bedeutungsspektrum  und  bilden  zahlreiche  Nominal-
  und  Verbalableitungen,  die  im  NsächsWb  7,  417-425  und  455-464  dokumentiert
  sind.
Am  Niederrhein  ist  Klot  die  Bezeichnung  der  Größe  eines  Flurstückes  gewesen;
  dieser  allgemeine  Ausdruck,  der  kein  bestimmtes  Flächenmaß  beinhaltet,
  dient  zur  Benennung  kleinerer  Feldstücke  (Bach  II,  1,  430,  §  397;

Westmitteldeutsche  beschränkt,  hier  aber  besonders  häufig  und  von  zäher  Lebenskraft.“
  (S.  199).  Davis  2008  stellt  diejenigen  der  unverschobenen  Reliktwörter
Lerchners  zusammen,  die  im  ganzen  rheinisch-westmitteldeutschen  Gebiet  Vorkommen,
  nicht  als  Entlehnung  aus  dem  Niederdeutschen  gedeutet  werden  können
und  eine  klare  Etymologie  haben  (darunter  auch  Kloß,  S.  428  und  432),  und  kommt
zu  dem  Schluss,  dass  die  Mehrzahl  dieser  Wörter  ursprünglich  einen  langen
Stammvokal  hat.  Aus  diesem  Befund  sowie  aus  der  altertümlichen  Teilverschiebung
  von  voralthochdeutsch  *p,  t,  k  nur  nach  Kurzvokal  in  der  Mundart  von  Wermelskirchen
  folgert  er,  „dass  die  ahd.  Tenuesverschiebung  in  der  Position  nach
Kurzvokal  begann  und  sich  erst  später  in  die  Position  nach  Langvokalen  ausbreitete.
  Diese  Ausbreitung  wurde  wohl  hauptsächlich  durch  Analogie  (Systemzwang)
vorangetrieben.“  (S.  434).  Die  Häufigkeit  der  unverschobenen  Reliktformen  im
Fränkischen  deutet  Davis  als  Folge  der  prosodischen  Besonderheiten  im  von  der
Rheinischen  Akzentuierung  betroffenen  Gebiet  (S.  431-434).
14  Zur  Verbreitung  und  Bedeutung  von  Kloß  und  Verwandten  im  deutschen  Sprachraum
  vgl.  auch  Kretschmer  1969,  291-296.  -  Das  Vorkommen  von  Klot  und  Klut
im  Rheinland  kartiert  Venema  1997,  282  Karte  33  und  286  Karte  34.

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