Auf die geminierte Form germ. *kluttaz gehen außer hochdeutschem Klotz
- die älteren Formen sind ahd. kloz ,Flolzzapfen\ mhd. kloz ,Klumpen, KugeF
(Lexer 1, 1634; Starck/Wells 337) - noch mnd. klot m. .Kloß, Klumpen1
usw. (MndHdWb 2, 587), aengl. clott ,Klumpen, Masse4 (HOLTE1AUSEN
1974, 53), dazu nengl. clot ,Klumpen1, und mnl. c/o/, clotte m. ,Klumpen1
(MnlWb 3, 1589f.) zurück.
Einige dieser Formen wurden in die französische Sprache übernommen:
clot ,Klumpen1 zum einen aus dem Mittelenglischen, zum anderen aus dem
Mittelniederländischen; kluit ,Erdscholle1 aus dem Flämischen; ebenfalls aus
dem Flämischen kluitje ,kleines Geldstück4; clüt ,Fetzen4 aus dem Altenglischen211
(FEW 16, 335f.).
Zu der Sippe um germ. *klautaz und *kluttaz stellt GYSSELING 565 zwei
Siedlungsnamen aus den Niederlanden und aus Nordrhein-Westfalen:
(1) Kloetinge (NL, Prov. Seeland): 1216 or. Clotinge (nach GYSSELING
aus germ. *klötingja- n., einer Ableitung von klöta- m. ,Ball, runder
Gegenstand4; die Siedlung sei auf einer runden Anhöhe gelegen);
(2) Klotingen, Gde. Welver (Kr. Soest): 1096 or. Closcinge, 1116 or.
Clozinga, beides offenbar verhochdeutschte Formen (nach GYSSELING
aus germ. *kluttingja- zu klutta- m. ,Klumpen, Hügel4).212
C. Zahlreiche historische und rezente appellativische Belege aus dem englisch-friesisch-niederländischen-rheinisch-niederdeutschen
Verband sind bei
LERCHNER 1965, 147-149 zusammengestellt. Die Bedeutungsangaben lassen
eine große Variation und Spezialisierung aufscheinen - z. B. ,Erdklumpen4,
.Ball, Schneeball4, ,Hoden4, .Bruchstück4, .Lappen, Fetzen4; eine friesischniederländische
Sonderentwicklung ist .Staken4. Sie alle lassen sich nach
Lerchner aber auf eine gemeinsame Ausgangsbedeutung .Klumpen, Ballen4
zurückführen.211 ln den rezenten Mundarten bezeichnet die hochdeutsche
211 Dieses Wort sei „eine der wenigen sprachlichen spuren der Zusammengehörigkeit
der Normandie und Englands vor 1204“ (FEW 16, 336). - Die Verbindung des
Wortes mit anord. klütr .Fetzen4 in einem älteren Band des FEW wird hier widerlegt,
da klütr erst im 14. Jahrhundert, aengl. clüt jedoch bereits um 700 belegt sei.
212 Erst später ist der Siedlungsname in der Form Clotinge überliefert. - Die Namen
von Kloetinge und Klotingen stellt Förstemann II, 1, 1695 zu einem Personennamenstamm
Cloti oder Clothi. - Nicht berücksichtigt wird hier der Name der Gemeinde
Klotten im Lkr. Cochem-Zell, der vermutlich keltischen Ursprungs ist
(Kaufmann 1965, 226 setzt freilich eine wenig wahrscheinliche Grundform
*Clot(t)en-aha .Siedlung am Bache des Clot(t)o4 an): 698 kop. 1191 in monte
Clotariense, 814 kop. Clodon(n)a, 1051 or. in Clottono usw. (Gysseling 565;
Jungandreas 1962,218f.).
212 Unter dem Aspekt der fehlenden /-Verschiebung in mundartlichen Reliktwörtem
betrachtet Lerchner 1971 u. a, auch Klut (S. 208) und die unverschobenen Formen
zu Kloß (S. 213). „Lautverschiebungsrelikte sind nicht auf das Rheinisch-195