Nr. 21
Klutt, Klott m./f. Erdklumpen'
A. Kostenbach (MW): o Auf dem Kloff / Klott [of de klot]. Stennweiler (Ot):
1742 or. dt. die klutt (GEB), 1767 or. dt. an der klutt (GEB), o Auf der Klutt
[of da glot].
(Vgl. Abb. 27)
B. Dem seinem Lautstand nach niederdeutschen Wort Klutt - mit Senkung des
Stammvokals auch Klott-, das als Femininum und als Maskulinum vorkommt
und in toponymischer Verwendung die Bedeutung ,Erdklumpen" hat, entsprechen
im Hochdeutschen zwei Appellative, die die Zweite Lautverschiebung
durchgeführt haben: Kloß und Klotz. Seit dem 12. Jahrhundert belegt
ist das standardsprachliche Wort Kloß ,Klumpen, in Kugelform zubereitete
Speise4 (DWB 11, 1244-1248; KLUGE 498-500 s. v. Kloot, Kloß und
Klut; Pfeifer 673). Sein Ausgangspunkt ist germ. *klautaz m. (EWN 3, 83f.;
OREL 215), welches auf eine Dentalerweiterung von idg. *gleu-, einer erweiterten
Variante der Wurzel idg. *gel- ,ballen, Gerundetes, Kugeliges4 (IEW
362), zurückfuhrt. Daneben existiert, mit expressiver Geminate und dadurch
bedingter Vokalkürzung, germ. *kluttaz m. (EWN 3, 83E; OREL 217), das unter
anderem durch nhd. Klotz fortgeführt wird (DWB 11, 1248-1253; KLUGE
499; PFEIFER 673f.).209 Kloß und Klotz haben demnach eine gemeinsame Herkunft
und weichen in ihrer ältesten Bedeutung kaum voneinander ab.
Der Stamm germ. *klautaz wird einzelsprachlich fortgesetzt durch: mnd.
klöt, kloet, kloit m. .Kloß, Klumpen, Kugel, Hode4 (MndHdWb 2, 587); mnl.
cloot m. ,Klumpen, Ball, Kugel4 (EWN 3, 83f.; MNLWB 3, 1581-1583),210 dazu
nnl. kloot .Kugel, Ball, Hoden"; aengl. cleot aus älterem *cleat .pittacium4
(Holthausen 1974, 51), dazu nengl. cleat ,Keil4; anord. klöt n. .Schwertknopf
(De VRIES 1961, 318: < mnd. klöt .Kugel4); ferner, mit durchgeführter
Zweiter Lautverschiebung, ahd. (Hs. 12. Jh.) und mhd. A7öj m./n. ,Klumpen,
Knolle, klumpige Masse4 (Splett I, 1,467; Lexer 1, 1633).
Zu diesen im Ablaut stehen mnd. klüt(e) m. .Klumpen, Erdklumpen, Erdscholle,
überh. Ackerland" (MndHdWb 2, 591), dazu nnl. kluit .Klumpen4;
ostfries. klüt .Klumpen, Bruchstück4; aengl. clüt m. .Flicken, Lappen; Platte,
Metallstück4 (Holthausen 1974, 53), dazu engl, (arch./mda.) clout .Lappen4;
anord. klütr .Lappen, Tuch4 (De VRIES 1961,318).
209 Lühr 1988 behandelt in ihrer Darstellung der expressiven Gemination im Germanischen
das Wortpaar Kloß!Klotz nicht.
210 Auf eine Ausgangsbedeutung .runder Gegenstand, Ball, Klumpen" des mittelniederländischen
Appellativs lässt z. B. der Beleg Limburg 1240 globus : cloet (EWN 3,
83f.; VroegMnlWb 2, 2444) schließen.
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