Er entspricht zugleich der frühen fränkischen Präsenz (6./7. Jahrhundert) im
Umfeld der elsässischen Königspfalz Marilegium/Marlenheim (Jochum-GodglüCK
1995, 573ff). Das gleichzeitige Vorkommen im selben Areal von
oberdeutschem Leim m. ,Lehm4 (< germ. *laima: KLUGE 565) ist so zu interpretieren,
dass Leim kein Heteronym zu Klei bildet (KLEIBER 1986a, 262).
Nassauisch Klei m. .lehmiger, feuchter Boden‘ (auch als Gemarkungsname,
KEHREIN 1863, 227) schließt an das Rheinisch-Niederdeutsche an, im „sächsischen
Hessengaue“, auch im Westerwald ist Klai m. ,Lehm, feuchter Boden1
belegt (Pfister 131).
Im Oberdeutschen fehlt das Wort ganz: Der Beleg Klei n., 1768 Leth, Klay,
Leim, im Aulendorfer Archiv ist nicht relevant, da an gleicher Stelle auch anderes
Nichtschwäbisches vorkommt (SchwäbWb 4, 468).
D. Im Untersuchungsraum lässt sich das Wort als Bestimmungswort nicht
immer von klein und Klee trennen, d. h. es ist nicht auszuschließen, dass der
eine oder andere Flurname in Wirklichkeit zu Klee oder klein gehört, ln diesem
Fall kann nur die Beobachtung der Mundartformen, der Namenkombinatorik
und der Namenkontexte helfen: Zusammensetzungen mit -wiese oder
-garten sind z. B. typisch für die W/e^-Namen. Allerdings kann auch hier nicht
schematisch verfahren werden. Der Vergleich mit Ä7e/-Flurnamen aus dem
westfälischen Hauptverbreitungsareal zeigt, dass Klei als Bestimmungswort
vorwiegend mit Ackerlandbezeichnungen, wie -land, -acker, -kamp, -garten,
oder mit den Begriffen für ,Berg, Höhe, Anhöhe4, wie -berg, -brink, oder aber
mit Wörtern für Grünland (jedoch eher seltener), wie -wiese, -mate, kombiniert
werden kann (WestfFlnAtl Nr. 25, S. 136ff). Die unsicheren Fälle
sind aufgrund fehlender Namenkontexte unberücksichtigt geblieben und deshalb
nicht in das Namencorpus aufgenommen worden.
Im Untersuchungsraum kommt Klei selten als Simplex vor; häufig erscheint
es in der Komposition als Bestimmungswort. Nach der Chronologie
der Belege zu urteilen, gehen die historischen Flurnamen mindestens bis ins
14. Jahrhundert zurück. Das Kartenbild (vgl. Abb. 26) zeigt, dass Klei-Flurnamen
im westlichen Saarland entlang der Sprachgrenze bis zum Rande des
Krummen Elsasses verstreut Vorkommen. Auffällig ist die Konzentration der
Belege in den von Muschelkalk- und Mergelböden charakterisierten Gebieten
des westlichen Saarlandes und der lothringischen Hochfläche - entsprechend
der Bedeutung von Klei ,fetter Boden4. Das Vorkommen von Flurnamenbelegen
im Saar-Mosel-Raum bezeugt die einstige Südausdehnung dieses
Wortes, das ansonsten eher im Nordwesten und Nordosten verbreitet ist. Die
Vermutung kann geäußert werden, dass die Belege des Saar-Mosel-Raums die
ansonsten eingestürzte Brücke eines fränkischen Wortes zu den elsässischen
Belegen darstellen (vgl. oben Abschnitt C).
(M. V.)
193