Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Denkmälern:  vgl.  Wadstein  1899,  30  und  40),  mnd.  klei  m.  ,die  schwere,  fette
  Erde  der  Marschländer1  (MndWb  2,  476),  nnd.  klei  m.  ,der  schlammige,
fette  Boden  der  Marschgebiete1  (SCHEUERMANN  1995,  130),  mnl.  clei  m./n.,
cleie  f.  ,Lehm‘  (MnlWB  3,  1503,  vorwiegend  im  Norden  des  Untersuchungsraums
  belegt;  bei  KlLIAAN  kleve,  potaerde,  terra  figularis,  argilla,  lutum
ebd.),  nnl.  klei  (in  verschiedenen  Landschaften  bis  nach  Flandern  belegt,  jedoch
  mit  wechselnder  Gestalt,  vgl.  ebd.,  143f.;  in  den  östlichen  Niederlanden
auch  in  Flurnamen,  vgl.  Schönfeld  1950,  61),  afries.  klai  (ostfries.)  ,Klei,
Lehmboden  der  Marsch1  (AfriesHdWb  273;  HOLTHAUSEN  1925,  57),  westfries.
  klai,  klaey,  nfries.  kläy,  klaai  (TEN  DOORNKAAT  KOOLMAN  2,  247ff.;
EWN  3,  72),  verglichen  (Trier  1951,  30f.;  Lerchner  1965,  143ff.).  Das
Lemma  ist  ursprünglich  niederdeutscher  Herkunft  (KLUGE  494):  Im  16.  Jahrhundert
  ist  das  Wort  aus  dem  Niederdeutschen  in  die  hochdeutsche  Schriftsprache
  übernommen  worden  (DWB  5,  1064f.)  und  Klei  ist  heute  ein  Fachterminus
  (Kleiböden)  der  deutschen  Agrarterminologie.  Das  Wort  ist  mit
griech.  gloiös  ,klebrige  Feuchtigkeit1,  lat.  glüten  ,Leim‘,  lett.  glizda  ,Lehm‘,
russ.  glej  verwandt  und  geht  auf  eine  idg.  Grundlage  *gleiH-,  *gloiH-  ,  kleben"
zurück  (EWN  3,  72;  IEW  362-362;  LIV  190;  MÜLLER  2007,  280).
Die  Toponymisierung  des  Wortes  ist  sehr  alt.  Die  frühesten  Zeugnisse
kommen  aus  Westflandern  und  Westfalen,  vgl.:
(1)  Kleiem  bei  Zuienkerke  (B,  Prov.  Westflandern,  Arr.  Brügge):  975  kop.
11.  Jh.  Clehiham  (GYSSELING  564;  vgl.  VroegMnlWb  2,  2426ff.);
(2)  Kleiberge  bei  Oedelem  (B,  Prov.  Westflandern,  Arr.  Brügge):  1089
Cleiberga  (ebd.);
(3)  Kleibolte,  Hof  bei  Westkirchen,  Gde.  Ennigerloh  (Kr.  Warendorf):  11.
Jh.  van  Clei  bolton  (WADSTEIN  1899,  30);
(4)  Kley,  Stadtbezirk  Lütgendortmund  (Stadt  Dortmund):  12.  Jh.  Cleige
(Gysseling  564).
Bei  diesen  frühen  Siedlungsnamen  handelt  es  sich  meistens  um  ursprüngliche
Flurnamen,  vgl.  z.  B.  den  Flurnamen  Kleeboltenberg  {Pömbsen,  Kr.  Höxter).
C. Klei  m.  ,Lehm,  fette,  weiße  Tonerde;  fetter  Boden1  ist  im  Westmitteldeutschen,
  hauptsächlich  in  den  nördlichen  Randzonen,  verbreitet.  Im  Oberdeutschen
  fehlt  Klei  ganz,  bis  auf  die  Nachweise  im  Untereisass.
In  den  niederdeutschen  Mundarten  ist  Klei  m.  (mda.  klei,  klai,  klaoi)  als
Appellativ  noch  allgemein  geläufig  und  im  Küstenniederdeutschen,  Westfälischen
  (auch  in  Orts-  und  Flurnamen,  JELLINGHAUS  121)  und  Ostfälischen
verbreitet  (Lerchner  1965,  144;  WestfFlnAtl  Nr.  25,  S.  136ff  ).  Weitere
Repräsentanten  des  Wortes  finden  sich  in  Niedersachsen,  im  Hamburger
Raum  sowie  in  Schleswig-Holstein.  Klei  bezeichnet  allgemein  die  fettige  Tonerde,
  besonders  den  schweren,  fruchtbaren  Marschboden  im  Gegensatz  zum
Sandboden  der  Geest  (BremNsächsWb  2,  798f;  HambWb  2,  1076).  Im
Hamburger  Raum  und  im  Ostfriesischen  bedeutet  Klei  m.  außerdem

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