Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Kaul  bzw.  Kühl  erhalten.204  Interessant  für  die  Synonymik  des  Wortes  sind  die
Belege  in  den  Orten  Altheim  (Saarpfalz-Kreis),  Blickweiler  (Saarpfalz-Kreis)
und  Hasbom-Dautweiler  (Lkr.  St.  Wendel),  wo  hist.  Grub  als  verschrifitete
Form  amtl.  Kaute  und  mda.  Kaule  gegenübersteht.205
In  den  Flurnamen  des  Saar-Mosel-Raums,  die  bis  ins  15.  Jahrhundert  zurückreichen
  (vgl.  auch  die  Flurnamenbelege  in  Bauer  1957,  99,  111,  112,
151,  159,  189  und  252),  findet  sich  Kaul!Kühl  überwiegend  als  Grundwort,
meist  mit  Lehm-,  Sand-,  Kalk-,  Stein-,  Schind-  im  Bestimmungsteil  ergänzt.
Als  Bestimmungswort  kommt  Kaul!Kühl  in  Verbindung  mit  -feld,  -acker,
-graben,  -loch  selten  vor.  Es  dominieren  die  diphthongierten  Kaul-Formen,
wobei  oft  auch  -  und  vor  allem  mundartlich  -  nicht  diphthongierte  Kuhl-Formen
  belegt  sind,  die  auf  die  alten  und  zum  Teil  bis  heute  nicht  diphthongierenden
  Regionen  des  Saar-Mosel-Raums  verweisen;  gelegentlich  ist  historisch
  die  umgelautete  Form  Kühl  nachzuweisen.'0'’  Die  ältesten  Belege  mit  der
Form  Kule  stammen  noch  aus  dem  15.  oder  frühen  16.  Jahrhundert,  also  aus
der  Zeit,  bevor  sich  die  Digraphie  im  Untersuchungsraum  verbreitete,  weshalb
diese  Belege  keine  Diphthongierung  aufweisen.20  Erwähnenswert  ist  innerhalb
  der  diphthongierten  Kaul-Formen  die  phonetische  Variante  [koul,  kaul],
die  im  südlichen  Rheinfränkischen  (hier  aber  vor  allem  im  Lkr.  St.  Wendel)
gilt;  weiterhin  sind  die  Variante  [kaol,  kaul]  und  die  Variante  [kaul,  koeul,
kaual,  kaual,  kaual],  die  gebietsweise  im  nördlichen  Rheinfränkischen  und
Moselfränkischen  im  Untersuchungsraum  Vorkommen,  zu  verzeichnen:  Sie
sind  als  Weiterentwicklungen  der  Diphthongierung  zu  interpretieren.~os  Das
Diminutiv  lautet  mundartlich  Kailchen,  vgl.  Buding:  1699  or.  frz.  in  der
kaulen  sur  zeiter  holtz,  amtl.  Kaul  [’kail^an].

204  In  den  Orten  Bübingen  (Lkr.  Merzig-Wadem),  Sprengen  (Lkr.  Saarlouis),  Dudweiler,
Ensheim,  Fechingen,  Großrosseln,  Kleinblittersdorf,  Lummerschied,  Wehrden,  Völklingen,
  Wahlschied  (Regionalverband  Saarbrücken),  Dörrenbach,  Eisweiler,  Sötern,
Steinberg-Deckenhardt,  Türkismühle,  Urweiler,  Urexweiler  und  Walhausen  (Lkr.  St.
Wendel),  Alschbach,  Altheim,  Bierbach,  Blickweiler,  Blieskastel,  Bliesmengen-Bolchen,
  Erfweiler-Ehlingen,  Eschringen,  Gersheim,  Herbitzheim,  Medelsheim,  Niedergailbach,
  Niederwürzbach,  Ormesheim,  Reinheim,  St.  Ingbert  und  Wolfersheim,
Bierbach,  Peppenkum,  Seyweiler  im  Saarpfalz-Kreis,  außerdem  in  den  Orten  Behrenles-Forbach,
  Grostenquin  /  Großtännchen  und  Epping  (con  Volmunster).  Hist.  Kaute
steht  amtl.  Kaule  gegenüber  in  den  Orten  Derlen  (Lkr.  Saarlouis),  Nalbach  (Lkr.  Saarlouis)
  und  Kleinblittersdorf  (Regionalverband  Saarbrücken).  Hist.  Kaule  wird  amtl.
und  mda.  durch  Kaute  ersetzt  nur  in  Sulzbach  (Regionalverband  Saarbrücken).
205  Grub  oder  Grüb  werden  in  der  Ostpfalz  neben  Kaut  gebraucht,  vgl.  PfälzWb  4,
140ff.  und  Karte  227;  Christmann  1938,  21  f.  mit  Karte.
206  Zur  räumlichen  und  zeitlichen  Ausbreitung  der  Diphthongierung  im  Untersuchungsraum
  vgl.  Kapitel  6.1.3.;  dazu  auch  Wiesinger  1983a.
207  Vgl.  dazu  Kapitel  6.1.3.
208  Vgl,  dazu  Wiesinger  1983a.

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