Full text : 'Nordwörter' und 'Südwörter' im Saar-Mosel-Raum

Das  Wort  ist  in  älteren  Siedlungsnamen  belegt,  z.  B.  in:
(1)  863  Culbraco,  unbekannt  bei  Nivelles  (B,  Prov.  Wallonisch-Brabant)
(Förstemann  II,  1,  1749;  vgl.  auch  EWN  3,  143);
(2)  944  kop.  1150/58  in  Culheim  similiter  (unbekannt  in  Friesland)
(KÜNZEL/Blok/Verhoeff  214);
(3)  Külte,  Stadt  Volkmarsen  (Lkr.  Waldeck-Frankenberg):  1036  kop.  12.
Jh.  Culite  <  *Külida  (Gysseling  581);
(4)  Hofkühl,  Wallanlage  bei  Kirchveischede,  Stadt  Lennestadt  (Kr.  Olpe):
1303  Hofjkule  (Jellinghaus  124).
C. Das  Wort  ist  im  Mitteldeutschen  als  Kaule  und  im  Niederdeutschen  als
Kuhle  verbreitet  (DWB  11,  348;  WEIGAND  1,1012).
ln  den  niederdeutschen  Dialektgebieten  wird  eine  Grube,  ein  tiefes  Loch
oder  eine  Vertiefung  im  Boden  als  Kule  f.  bezeichnet:  Das  Wort  ist  allgemein
verbreitet  (BremNSÄCHSWb  2,  892;  SCHAMBACH  1858,  115)  und  spät  aus
dem  Niederdeutschen  in  die  Standardsprache  entlehnt  worden.  Kül  f.  ,Grube1
kommt  in  der  Gegend  der  Lüneburger  Heide  vor,  die  Bedeutung  ,tief  liegender
  Teich1  ist  im  alten  Kr.  Soltau  bekannt;  das  Wort  ist  in  Flurnamen  sehr
produktiv  (LÜNEbWb  2,  241).  Das  Lemma  Kule,  Kül  f.  ,Vertiefung,  Einsenkung,
  Höhlung,  Grab4  ist  auch  im  Ostfriesischen  als  Appellativ  bekannt  (Ten
DOORNKAAT  KOOLMAN  2,  396f.).  Der  westfälische  Raum  kennt  ebenfalls
Kule  f.  ,Grube,  Grab,  Loch4  (Woeste  149):  Das  Wort  ist  auch  in  älteren  Ortsnamen
  belegt,  vgl.  oben  1303  Hoffkule,  heute  Hoßiühl,  Wallanlage  bei
Kirchveischede,  Kr.  Olpe  (JELLINGHAUS  124).  ln  Schleswig-Holstein  gilt
Kuul  (mda.  kül)  f.  in  der  Bedeutung  ,Grube,  Vertiefung,  Grab;  auch  ein  Kinderspiel4:
  Um  1800  gilt  das  Wort  in  Holstein  auch  für  Gewässer.  Das  Wort
begegnet  oftmals  auch  in  Flurnamen,  wo  es  vorwiegend  als  Kühl  oder  Kuhlen
erscheint,  in  der  Regel  als  Bestimmungswort  in  zusammengesetzten  Flurnamen;
  sehr  häufig  kommt  es  aber  als  Grundwort  vor  (SchleswHWb  3,  373ff'.;
Clausen  1988,  70).  In  den  Rügenschen  Fischerflumamen  bezeichnet  Kuul
eine  tiefe  Stelle,  rund  oder  von  gewisser  Breite  (Falkson  2,  2000,  531).  Auch
bereits  in  älterer  Zeit  tradierte,  mit  dem  Appellativ  gebildete  Ortsnamen  sind
belegt:  vgl.  1286  Kule  (Kuhlen,  Gde.  und  Amt  Rickling),  1369  Lemekulen
(Lehmkuhlen  im  Amt  Preetz-Land)  oder  Schwienkuhl  (Gde.  Kabelhorst,  Amt
Lensahn),  1282  Suincule  (Laur  1992,  415,  427  und  593).  Im  Hamburgischen
Raum  bedeutet  Kuul  {Kuhle)  f.  ein  Erdloch  oder  eine  Grube:  Erste  appellativische
  Belege  gehören  dem  16.  Jahrhundert  an,  ebenso  die  mit  diesem  Wort  gebildeten
  Flurnamen.  Kuul  steht  auch  für  eine  mit  Wasser  gefüllte  Grube,  für
ein  Wasserloch  oder  einen  Tümpel:  Das  Wort  wird  ferner  für  ein  durch
Deichbruch  entstandenes  Wasserloch  gebraucht  (erste  Belege  um  1800).  Mit
Kuul  bezeichnet  man  auch  ein  Kinderspiel  mit  Murmeln  (HambWb  2,
1351  f.).  Das  Preußische  Wörterbuch  (PREUßWB  3,  166f.)  meldet  Kaule
(hochpreußisch  haul,  niederpreußisch  kul)  f.  ,Grube;  Vertiefung  im  Boden

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